Weezer - Make Believe - Cover
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Weezer Make Believe


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es heißt immer, dass das zweite bzw. dritte Album das Schwierigste für einen Künstler sei. Im Falle von Weezer ist es das fünfte

Als Rivers Cuomo am 14. Februar 1992 seine Garage betrat, um mit drei Freunden Musik zu machen, hatte er garantiert nicht den Hauch einer Ahnung, dass er Jahre später mit „Buddy Holly“ einen der größten Alternative-Rock-Hits schreiben würde. Er hätte es sich wohl auch nie vorstellen können, dass junge Bands noch Jahre später dieses Riff üben, nur um ungefähr wie das Original zu klingen. Und nie hätte er gedacht, dass seine Alben einmal zu den meisterwarteten eines Jahres gehören würden. Nicht einen Gedanken hätte er Anfang der 90er Jahre daran verschwendet, denn ihn und seine Freunde, besser bekannt unter dem Namen Weezer, wollte niemand in L.A. hören.

Glücklicherweise half Cuomo der Run auf neue Gitarrenbands wie Nirvana, The Offspring und Green Day, um den melodiösen Garagenrock von Weezer erfolgreich zu machen. Vier Alben folgten zwischen 1994 und 2002, deren Qualität mehr als das gewöhnliche Gut ist. Von daher ist der verwöhnte Fan zwar regelmäßig auf neues Material gespannt, aber eigentlich schon längst zufriedengestellt. Doch Rivers Cuomo ist ein unaufhaltsames Songwriter-Genie, das für jedes Album ca. 80 Songs schreibt, sodass es mal wieder Zeit wurde, den Stand der Dinge auf einer CD festzuhalten. Dass bei diesem Arbeitseifer auch mal ein schlechtes Lied rauskommt, ist ihm zu vergeben. Aber in dem Ausmaß wie die Missgriffe auf dem neuen Werk „Make Believe“ vorhanden sind, ist das leider nicht mehr zu entschuldigen.

Vielleicht liegt es einfach daran, dass man beim fünften Album nicht mehr viel Neues erwarten kann. Songs wie „Beverly Hills“ und „The other way“ wären mit Sicherheit ideale B-Seiten für die Debüt-CD gewesen. Deshalb erfinden sie sich leider nicht neu. Das aktuelle Konzept ist in etwa so offensichtlich und durchschaubar, wie eine „Smallville“-Folge. So kann der Hörer problemlos seine Uhr danach stellen kann, wann die Songs von verzerrten Gitarren in die Belanglosigkeit geprügelt werden. Einzig die Balladen, die auf den vorherigen Alben spärlicher vorhanden waren, brillieren durch Einfühlsamkeit, ohne die raue Schale eines typischen Weezer-Songs zu verletzten. Sei es das dynamisch-impulsive „Hold me“ oder „Freak me out“ mit Mundharmonika-Solo - man möchte sie sofort adoptieren und lieb haben, während man „This is such a pity“ am liebsten sofort aufs College schicken möchte, wo der Rock sogar noch natürlicher und inspirierter wirkt. Neu für Weezer ist der vermehrte Einsatz eines Klaviers. Sei es in den Strophen von „Perfect situation“ oder während „Haunt me every day“, überall Klavier, Klavier, Klavier. Ja, beinahe ist man als Hörer geneigt, den lauten Gitarren abzuschwören. Aber solange Weezer-typische Lieder wie „The damage in your heart“ und „Pardon me“ geschrieben werden, wird es auch keine revolutionäre Entwicklung bei Rivers Cuomo geben.

Es heißt immer, dass das zweite bzw. dritte Album das Schwierigste für einen Künstler sei. Im Falle von Weezer ist es das fünfte. Denn spätestens jetzt gilt es sich zu entscheiden, ob man für immer dieselben „typischen“ Weezer-Songs machen möchte oder langsam aber sicher nach neuen künstlerischen Herausforderungen streben will. Mit „Make Believe“ ist die Band vorerst in einer Sackgasse angekommen.

Anspieltipps:

  • Hold Me
  • Freak me Out
  • Haunt me every day
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