Within Temptation - The Silent Force - Cover
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Within Temptation The Silent Force


  • Label: Gun/BMG
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Silent Force“ ist alles andere als Durchschnittsware. Leider wirkt das Album stellenweise total überladen und nervenaufreibend.

Manchmal hält das Musikerleben echt komische Episoden parat. Da musiziert eine niederländische Gothic-Rock-Kapelle munter vor sich hin, erfreut sich über eine kleine, aber treue Fangemeinde und rutscht dann ganz unvorhergesehen in einen Hype hinein, der für ungeahnte Charterfolge und plötzliche Neider sorgt. Ab da war nichts mehr wie es war und aus einer kleinen Indie-Band ein brandheißer Mainstream-Act geworden. So geschehen bei Within Temptation.

Die Band fühlte sich bis dato ganz wohl in ihrer Haut. Mit dem Debütalbum „Enter“ (1997) und der EP „The Dance“ (1998) landeten Sharon den Adel (Vocals), Robert Westerholt (Gitarre), Martijn Spierenburg (Keyboards), Jeroen van Veen (Bass), Ruud Jolie (Gitarre) und Stephen van Haestregt (Drums) Achtungserfolge. Album Nummer 2 („Mother Earth“, 2001) lief sogar noch besser und machte Within Temptation über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Alles in Butter könnte man meinen. Doch dann brach über Europa eine Gothic- und Klassik-Rock-Welle hinein, die von Bands wie Nightwish und Evanescence losgetreten wurde. Gun/Supersonic/BMG, die Plattenfirma von Within Temptation, reagierte geistesgegenwärtig und brachte „Mother Earth“ ein zweites Mal auf den Markt. Jetzt brachen auch bei den Holländern alle Dämme und die Band eroberte europaweit oberste Chartränge. Klar, was folgen musste: Der Nachfolger zu „Mother Earth“ ist dazu verdammt, eine riesengroße Fangemeinde und die gestiegenen Erwartungen der Plattenfirma zu befriedigen. Größeres Budget, noch mehr Bombast, teure Videoclips und eine kürzere Produktionszeit – kann das gut gehen?

Eindeutige Antwort: jein. Mit „The Silent Force“ legen die Holländer einen düsteren Brocken bombastisch arrangierter Klassik- bzw. Opern-Metal-Songs vor, die mehr als ein paar Hördurchgänge benötigen, bis sie einigermaßen zünden. Die Kompositionen suhlen sich in Samples, Loops, fetten Metal-Riffs, wabernden Keyboard-Teppichen und kitschigen Märchentexten, bis die allgegenwärtige Devise „höher, schneller, weiter“ erreicht ist. Hier wird wirklich jedes Detail bis ans Maximum ausgereizt, ja manchmal auch überstrapaziert. Verschachtelte Arrangements in Begleitung eines klassischen Orchesters (aufgenommen in Moskau!), ewige laut/leise-Dynamiken („Forsaken“, „Angels“, „See who I am“), irisch/keltische Anleihen („Jillian“, „Pale“, „Memories“) und omnipräsente Verwandtschaften zu Soundtracks der Marke „Braveheart“ und „Der Herr der Ringe“. Da bedarf es sehr guter Nerven, selbst wenn Sängerin Sharon den Adel inzwischen etwas facettenreicher zuwerke geht und zwischendurch ein paar Noten tiefer singt. Ihr glockenhelles Organ ist bei aller Schönheit auf Dauer einfach zu anstrengend – so wie das gesamte Album.

„The Silent Force“ ist alles andere als Durchschnittsware. Leider wirkt das Album stellenweise total überladen und nervenaufreibend. Das führt zu leichten Abzügen in der B-Note. Für Genre-Fans ist das dritte Within-Temptation-Album trotzdem ein Pflichtkauf.

Anspieltipps:

  • Forsaken
  • Memories
  • Aquarius
  • See who I am
  • Stand my ground
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