Jessica Simpson - In This Skin - Cover
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Jessica Simpson In This Skin


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei den Plattenfirmen ist man noch immer der Meinung, was in Amerika funktioniert, klappt auch bei uns. Dass dem tatsächlich nicht so ist, zeigt sich am Beispiel einiger weiblicher US-Teen-Popstars wie Mandy Moore, Stacie Orrico und Jessica Simpson, die den Durchbruch in Europa noch lange nicht geschafft haben. Ob dies an der Überpräsenz der Genre-Primusse Christina Aguilera und Britney Spears liegt? Mag sein. Trotzdem sind die Plattenfirmen nicht verlegen, immer neue Angriffe auf den Pop-Thron zu starten. In diesem Sommer an der Reihe: Jessica Simpson, 24jähriges Gesangstalent aus Dallas, Texas, die von ihrem Label Columbia/Sony tatsächlich als R&B-Sängerin vermarktet wird. Dabei schreibt man der Blondine seit ihrem Debütalbum „Sweet Kisses“ (1999) ganz simple Popmusik auf den wohlgeformten Leib.

Zu der Zeit ihres Karrierestarts versuchte man Jessica Simpson, die als Gospel-Sängern in einer Baptisten-Kirche entdeckt wurde, als braves Mädchen vom Lande zu vermarkten, die mit inbrünstigen Liebesliedern wie „I wanna love you forever“ und „I think I'm in love with you“ die Herzen von Teenagern erweichen sollte. Doch der Konkurrenzkampf unter den weiblichen Popstars ist gnadenlos und mit dem Image des Heimchens vom Herd ließ sich bereits Ende der 90er Jahre kein Blumentopf mehr holen. Kein Wunder, dass schon das Zweitwerk „Irresistible“ (2001) mit deutlicheren optischen Reizen und einer am Dancefloor orientierten Musik ausgestattet war. Inzwischen ist Jessica Simpson zur Frau gereift und zusammen mit ihrem Ehemann Star der MTV Reality Soap „Newly Weds“, einer Art „Big Brother“ für frisch verheiratete. Dass die tägliche Beobachtung durch Fernsehkameras für den Bekanntheitsgrad unheimlich förderlich ist, kommt einem Popstar bestimmt zugute – siehe Ozzy Osbourne. Da sich dadurch auch ein bestimmtes Image in den Köpfen der Zuseher manifestiert, kann der Schuss auch nach hinten losgehen – siehe ebenfalls Ozzy Osbourne, dem bemitleidenswerten „Prince of Darkness“. In den USA wird Frau Simpson deshalb auf eine sehr einfache Formel reduziert: „No Brain but big Boobs”. Das kommt davon, wenn man nicht in der Lage ist, Thunfisch und Hühnchen am Geschmack zu erkennen…

Ende Juli wird nun das dritte Jessica-Simpson-Album „In This Skin“ in Deutschland herausgebracht – fast ein Jahr nach der Veröffentlichung in den USA. Dazu wurde die CD mit einem neuen Cover ausgestattet und die ursprünglichen elf Songs um drei Bonustracks aufgestockt, die allerdings durch die Bank verzichtbar sind. So wurde der hohe Balladenanteil für den deutschen Käufer noch um zwei Coverversionen erweitert. Robbie Williams Überhit „Angels“ und eine DER Balladen der 80er Jahre, nämlich „Take my breath away“ von Berlin (aus dem Film „Top Gun“), wurden von der 24-Jährigen neu interpretiert und mit übertriebenen Bombast fast zugrunde gerichtet. Dazu gibt es noch eine akustische Version der Uptempo-Nummer „With you“. Mehr als ärgerliches Füllmaterial ist dieses Song-Trio aber wirklich nicht.

Das Hauptaugenmerk des Albums liegt wie gesagt auf balladesken Stücken. Sanfte Popsongs, wie die erste Singleauskopplung „Sweetest sin“, das mit orientalischen Klängen angereicherte „I have loved you“, klassische Piano- und Streicherballaden („Underneath“) und das durchaus schöne „You don't have to let go“. Nur selten wird mal ein Zahn zugelegt, wie beim tanzbaren „Forbidden fruit“ oder dem bereits erwähnten „With you“. Dass dies unterm Strich nicht mehr als eine perfekt produzierte Songsammlung durchschnittlicher Qualität ergibt, war eigentlich zu erwarten. „In This Skin“ ist eine typische, amerikanische Big-Budget-Produktion, die möglichst vielen Menschen gefallen soll. Dass dabei die Seele auf der Strecke bleibt, ist man von vielen vergleichbaren Werken gewohnt. Auch wenn Fräulein Simpson an Dreiviertel der Songs auf „In This Skin“ mitgeschrieben hat – was ungefähr denselben Kitschfaktor ergibt wie auf Jennifer Lopez’ verblendeten Liebesbeweis an Ben Affleck „This Is Me… Then“ – kann das Werk nicht verheimlichen, dass hier reibungsarmes Songwriting aus dem Windkanal betrieben wurde.

Anspieltipps:

  • Sweetest sin
  • Everyday see you
  • You don't have to let go
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