Judas Priest - Angel Of Retribution - Cover
Große Ansicht

Judas Priest Angel Of Retribution


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach 15 Jahren kehrt die Heavy-Metal-Legende in Originalbesetzung zurück!

The Priest is back! Nach 15 Jahren kehrt die Heavy-Metal-Legende in Originalbesetzung zurück, nachdem Sänger Rob Halford die Band nach der Tour zum herausragenden „Painkiller“-Album (1990) aufgrund einer Verkettung von Missverständnissen verlassen hatte. Damit ist nach Iron Maiden auch das zweite große Aushängeschild des British Heavy Metal wieder vereint und Millionen Fans glücklich wie vor 20, 25 Jahren, als Platten wie „Killing Machine“ (1978), „British Steel“ (1980), „Screaming For Vengeance“ (1982) und „Turbo“ (1986) die Welt auf den Kopf stellten.

Als Rob Halford Judas Priest verließ, war die Metal-Welt mindestens so geschockt wie die Bandmitglieder. Es dauerte geschlagene vier Jahre, bis Judas Priest mit dem neuen Sänger Tim „Ripper“ Owens musikalisch wieder in Erscheinung traten. Das dem Zeitgeist angepasste Werk „Jugulator“ (1997) wartete mit modernen Gitarrensounds und einer herausragenden Stimme des Rippers auf. Fans und Presse goutierten die Neuausrichtung wohlwollend, während Rob Halford mit seinen zahlreichen Solo-Projekten (Fight, Two) bereits seit 1993 auf Unverständnis bei den Fans und damit auch auf extreme Käuferzurückhaltung stieß.

Aber auch bei Priest lief nicht alles rund. Bis zum nächsten Studioalbum dauerte es wiederum vier Jahre. Doch als „Demolition“ im Jahr 2001 auf den Markt kam, fielen die Reaktionen verheerend aus. Das Werk geriet zum künstlerischen und kommerziellen Vollflop und manövrierte Ripper Owens in eine unschöne Position, da die Rufe nach einer Rückkehr von Rob Halford immer lauter wurden. Dieser hatte inzwischen auf den Pfad der Tugend zurückgefunden und mit seiner neuen Band Halford zwei lupenreine Metal-Alben im Priest-Stil eingespielt. Und tatsächlich kam im Sommer 2003 Bewegung in die Sache. Das alte Priest-Label Epic/Sony Music bereitete die Veröffentlichung des Box-Sets „Metalogy“ für das Frühjahr 2004 vor und bat die Band um Mithilfe. Die alte Truppe, bestehend aus Glenn Tipton (Gitarre), K.K. Downing (Gitarre), Ian Hill (Bass) und Scott Travis (Drums), traf sich in England im Haus von Rob Halford, um Inhalt und Design der Box zu besprechen. Die Herren kamen sich näher, diskutierten ihre Fehde aus und nach ein paar Sitzungen mit ihren Rechtsanwälten waren Judas Priest wieder vereint.

Nachdem Ripper Owens im Juli 2003 entlassen wurden, begannen im Oktober 2003 die Arbeiten an neuen Songs, die sich ungefähr vier Monate hinzogen. Zusammen mit Producer Roy Z (Halford, Iron Maiden, Helloween) entstanden zehn brandneue Titel, die Ideen von allen Bandmitgliedern aufgreifen und nicht – wie von der Presse spekuliert – aus den letzten Halford-Sessions übrig geblieben sind. Im Sommer 2004 begaben sich Judas Priest auf große Reunion-Tour, deren Auftakt am 2. Juni in der Stadionsporthalle in Hannover war. Der Veröffentlichung des neuen Albums „Angel Of Retribution“ wurde für Ende 2004 angekündigt. Doch dieser Termin war nicht zu halten. Bei den ersten Listening Sessions im Dezember 2004 wurde Ende Februar 2005 als neuer Termin bekannt gegeben: Der 28.02. sollte der Tag des „Racheengels“ werden.

Die Jungs aus Birmingham legen mit „Judas rising“ standesgemäß los und ballern dem Hörer ein Gewitter aus fetten Stakkato-Riffs und donnernden Double Bass Drums um die Ohren. Auf diese Weise funktioniert majestätischer, hymnischer Metal, wie man ihn sich von Judas Priest wünscht. Und zum Glück geizen die Herren bei ihrem Comeback nicht mit diesen Markenzeichen. So drückt „Deal with the devil“ ordentlich aufs Tempo, wobei Halford das Gitarrenduell zwischen Downing und Tipton mit kreissägenartigen Vocals begleitet. „Revolution“ pumpt bleischwere Heavy Riffs aus den Boxen, die von groovigen Parts in Led-Zeppelin-Manier aufgebrochen werden. Der Refrain ist für eine Metal-Hymne perfekt geeignet und wird bestimmt so manche Halle in Wallung bringen. „Worth fighting for“ ist ein klassischer Stampfer mit gemäßigtem Tempo, der allein schon durch den zurückhaltenden Gesang Halfords ins leicht balladeske abdriftet. Das Gitarrenduell im Mittelteil ist ebenfalls wieder vom Feinsten!

„Demonizer“ fährt erneut ein infernalisches Double-Bass-Gewitter auf und sorgt für die Wiederbelebung des „Painkillers“. „Wheels of fire“ ist purer 80er Jahre Priest-Metal: Eingängig, hymnisch, stadionkompatibel. „Angel“ ist eine schöne Akustikballade, die in ein furioses Finale mündet und wieder mal unter Beweis stellt, dass die besten Balladenschreiber unter den Heavy Metal Musikern weilen. „Hellrider“ kommt als grandioses High-Speed-Riffmonster daher, während „Eulogy“ als kurze Düsterballade direkt in den 13-minütigen Rausschmeißer „Lochness“ mündet - eine epische Metal-Erzählung mit Gänsehautgarantie und der ideale Abschluss für das Album.

„Angel Of Retribution“ ist zwar kein Meisterwerk, aber durchaus als gutes Comeback zu bezeichnen. Rob Halford singt wie ein junger Gott, die Gitarrenarbeit von K.K. Downing und Glenn Tipton ist klassischer British Heavy Metal in Perfektion und auch die Rhythmusabteilung gibt ihr Bestes. Zwar hätte das Songwriting in dem einen oder anderen Fall etwas überzeugender ausfallen können, aber für den Anfang ist „Angel Of Retribution“ ein gelungenes Statement, dass beweist, dass Judas Priest auch nach über 30 Jahren eine Daseinsberechtigung im Heavy Metal Zirkus haben.

Anspieltipps:

  • Hellrider
  • Lochness
  • Revolution
  • Judas rising
  • Wheels of fire
Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
6.5/10

The Book Of Souls: Live Chapter
  • 2017    
7.5/10

Cold Dark Place EP
  • 2017    
8/10

The Rise Of Chaos
  • 2017    
Diskutiere über „Judas Priest“
comments powered by Disqus