Robin Beck - Wonderland - Cover
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Robin Beck Wonderland


  • Label: Reality/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Mach den Pepsi-Test”, hieß es Ende der 80er Jahre, um den beinharten „Coke“-Trinker von seiner Stammmarke wegzulocken. Doch genutzt hat es nichts. Coca-Cola konterte mit „First time“ und war nicht nur weiterhin unangefochten an erster Stelle der Softdrinkhersteller, sondern plötzlich auch auf Platz 1 der Hitparade. „First time“ war eine der ersten Werbemelodien, die es als Single-Veröffentlichung zum weltweiten Hit brachte und die bis dahin erfolglose Backgroundsängerin Robin Beck aus Brooklyn, New York zum Star machte.

Ihr Album „Trouble Or Nothin’“ (1989) – immerhin von Desmond Child (Bon Jovi, Aerosmith, Michael Bolton, Cher) produziert – wurde zum Megaseller und warf sogar noch ein paar Hitsingles ab („Save up all your tears“, „Tears in the rain“, „Don’t loose any sleep“). Trotzdem verschwand Robin Beck alsbald wieder in der Versenkung, woran hauptsächlich die grottenschlechten Follow-Ups „Human Instinct“ (1992) und „Can’t Get Off“ (1994) schuld waren. Doch nachdem sich Robin Beck für einige Jahre aus dem Showgeschäft zurückgezogen hatte – u.a. um eine Familie zu gründen – meldet sie sich nun mit neuer Plattenfirma und neuem Album zurück.

Produziert von Anders Carlsson (Britney Spears, Bon Jovi) und ihrem alten Weggefährten Desmond Child, wartet „Wonderland“, so der Titel, mit elf Songs aus der Adult-Pop/Rock-Schiene auf, was an sich kein Grund ist, das Werk bereits im Vorfeld zu verteufeln. Aber leider fehlt den Songs auf „Wonderland“ durch die Bank die Klasse, sodass das Comeback von Robin Beck doch zu der befürchteten Bauchlandung geworden ist. Ohne Frage hat die New Yorkerin eine gute Stimme, angesiedelt irgendwo zwischen Shania Twain, Alannah Myles und Melissa Etheridge. Nur nützt dieses Talent rein gar nichts, wenn sich das dargebotene Songmaterial von Stück zu Stück mit belanglosem Geplänkel unterbietet. Man kann es kaum fassen. Die Kompositionen sind dermaßen harmlos und platt, dass absolut nichts hängen bleibt. Dabei hat wirklich niemand ein zweites „First time“ verlangt. Aber ein wenig mehr Eingängigkeit, bzw., wenn das nicht möglich ist, Ecken und Kanten, darf man sicher erwarten. So plätschern eine Dreiviertelstunde lang viel zu viele Balladen, die selbst Celine Dion zu schleimig wären, aus den Speakern („If I loved you“, „When you come back to me“), pluckern um innovative Sounds bemühte Tracks in die AOR-Sackgasse („Wonderland“), rocken gut abgehangene Bluesrocker ohne echte Hookline vor sich hin („Freedom“) und treten einigermaßen taugliche Country-Pop-Liedchen („Slow“) in einen Wettstreit mit Schunkel-Schlagern („My life“) um das halbwegs brauchbarste Lied. Doch dieses findet sich auf „Wonderland“ leider nicht.

Es wäre müßig, in Zusammenhang mit dieser Platte von einer Enttäuschung zu sprechen. Ich denke, es gibt niemanden, der das One-Hit-Wonder Robin Beck ernsthaft auf der Rechnung hat. Und wo keine Erwartungen sind, kann auch keiner enttäuscht werden. Es wäre von daher großer Zufall, wenn die hübsche Amerikanerin mit dieser substanzlosen Songsammlung irgendwas auf dem Weltmarkt reißen würde, denn selbst ein Zufallstreffer findet sich unter den elf Stücken nicht. Nun ja, sei’s drum. Ein Versuch war’s wert. Und zur Not bleibt dem mutigen Käufer ein sehr ansehnliches Plattencover, das die Sammlung auch irgendwie aufwertet.

Anspieltipps:

  • Slow
  • What is me
  • If I loved you
  • Why don’t you love me?
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