Vanessa Petruo - Mama Lilla Would - Cover
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Mama Lilla Would


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Innerhalb von 18 Monaten wurde aus Vany, dem Glamourgirl der No Angels, Vanessa Petruo, eine junge Frau, die sich nichts mehr vorschreiben lässt, die keine „Drama Queen“ (so der Titel ihrer ersten Single im April 2004) sein will, sondern eine „Hot blooded Woman“ (die neue Single im November 2005). Dafür trennte sie sich von ihrem alten Label Cheyenne Records, nahm eine Auszeit und versuchte sich als Schauspielerin in der (leider sehr schlechten) RTL-Serie „Wilde Engel“.

Dabei war Vanessas Verunsicherung groß, ob sie es nach ihrer Blitzkarriere als Mitglied der No Angels nochmals solo versuchen sollte. In drei Jahren wurden die jungen Frauen von der Plattenindustrie wie Zitronen ausgequetscht. Sechs Alben kamen insgesamt in den Handel, die sich mehr als fünf Millionen Mal verkauften. Die Folge war ein kollektiver Burnout der Mädchen und die Auflösung der Gruppe. Danach versuchten sich Sandy, Lucy und Jessica mehr schlecht als recht solo. Demnächst folgt Nadja Benaissa mit ihrer ersten Soloplatte, der man neben Petruos „Mama Lilla Would“ noch am meisten künstlerisches Potenzial zutraut.

Ermutigt, als Musikerin weiterzumachen, wurde Vanessa von ihrer Oma, die sie in Peru besuchte. Auf Vanessa Frage, ob sie es noch mal versuchen solle, antwortete die 87-Jährige schlicht „Mama Lilla Would“. Damit war der Titel des Albums geboren, an dem die 26-Jährige mit dem Produzententeam von Oja Tunes über zehn Monate arbeitete. „Ich wusste, was ich nicht mehr wollte und ich stand lange vor dieser Gabelung”, sagt Vanessa Petruo. „Ich hätte am Liebsten aufgegeben und alles hingeschmissen, aber ich hatte viel Glück, durch die Menschen, die an mich glauben, die mich inspirierten und eine neue Seite in mir weckten, und durch unsere Songs, die wirklich etwas von mir erzählen, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Ansichten.“

Nach einer Phase der innerlichen Reinigung, Depressionen und Flops als Schauspielerin und Solokünstlerin, erklärt die Sängerin nun ihr Unabhängigkeit. Die Zeiten von Teenpop und „kommerziellem Scheiß“ (Zitat: Vanessa Petruo) sind vorbei. Mit einer erstaunlich rauen Mischung aus Funk-, Rock- und Soulmusik versucht sie ihren Motown-Idolen näher zu kommen. In der Tat sprühen bereits der Opener „Superbad“ (herausragend!) und die Single „Hot blooded woman“ vor Groove und Sex. Sie erinnern mehr an die wilde Nikka Costa („Cantneverdidnothin“), als an den oftmals sehr braven Radiopop der No Angels. Allerdings werden diese überraschenden Eindrücke durch ein paar Balladen zuviel („Break my wings“, „Made of stone“, „Why?“) verwässert, die eben nicht automatisch gut sind, nur weil darin z.B. Gitarren zu hören sind.

Vanessa Petruos Sound ist immer dann besonders gut, wenn die Grooves funky (Bläserriffs!) oder die Beats treibend und eine Spur härter sind. Dann kann ihre Soul-Röhre ungezwungen drauflos singen und einzigartige Vibes wie in „Miss Celie’s Blues“ verbreiten. Dazu passen die sehr persönlichen Texte (z.B. in „Father“, eine in diesem Fall gelungene Ballade), in der die Sängerin schonungslos mit ihrer Umwelt („B.B.B.“), bzw. dem Pop-Business abrechnet („Call Dr. Music“). Allein dadurch ist „Mama Lilla Would“ künstlerisch höher anzusiedeln, als die meisten No-Angels-Songs. Hier hat sich jemand ganz offenbar freigestrampelt und seinen eigenen Stil gefunden. Als Ergebnis stehen einige sehr gute Songs zu Buche, auf denen sich für die Zukunft aufbauen lässt. Vorausgesetzt, die Plattenfirma lässt es zu.

Anspieltipps:

  • B.B.B.
  • Superbad
  • Call Dr. Music
  • I don’t need a gun
  • Hot blooded woman
Dieser Artikel ging am um 10:48 Uhr online.
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