Rooney - Rooney - Cover
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Rooney Rooney


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass Rooney in ihrem Sound Einflüsse von den Beach Boys bis zu den Ramones aufnehmen, macht die Band nicht gleich zu einer der vielen Retro-Rock-Gruppen.

Nein, Wayne Rooney, der englische Shootingstar der Fußball Europameisterschaft in Portugal ist nicht unter die Sänger gegangen, um seine Verletzungspause sinnvoll zu überbrücken. Die hier vorliegende Platte mit dem bärigen Cover stammt von einer Rockband aus Los Angeles, die sich nach einem Charakter aus dem 80er Jahre Kultfilm „Ferris macht Blau“ benannt hat. Mastermind ist ein gewisser Robert Carmine (21), Sohn von Schauspielerin Talia Shire („Rocky“) und Bruder von Ex-Phantom-Planet-Drummer und Schauspieler („Rushmore“) Jason Schwartzman. Selber war Carmine auch schon erfolgreich auf der großen Leinwand zu sehen („The Virgin Suicides“, „The Princess Diaries“). Sein Herz schlägt allerdings vornehmlich für die Musik. Deshalb gründete er 1999 zusammen mit seinem Highschool Kumpel Taylor Locke (Gitarre) die Band Rooney.

Rooney, das sind außerdem Matthew Winter (Bass), Louie Stephens (Keyboards) und Ned Brower (Drums). Zusammen hat sich die Band vorgenommen, eine „neue alte“ Mischung aus Pop- und Rockmusik anzurühren. Quasi „Brian Wilson meets Weezer“. Dieses, von Keith Forsey (Simple Minds, Amon Düül II, Glenn Frey, Billy Idol) und Brian Reeves (Janet Jackson, Billy Idol, Pet Shop Boys, Elton John) produzierte Gebräu erschien in den USA bereits vor mehr als einem Jahr und machte umgehend sämtliche US Rock- und Alternativ Radiosender auf Rooney aufmerksam. Die Band spielte Konzerte wann immer und wo immer sie konnte. Sie reiste sowohl als Headliner als auch als Support Act quer durch die Vereinigten Staaten, Europa und Japan und trat zusammen mit Bands wie Weezer, The Donnas, Travis und den Strokes auf. Das Magazin „Entertainment Weekly“ platzierte sie auf seiner angesehenen „Must List“ und die „New York Times“ erhob Roony zu den „vielversprechendsten Newcomern des Jahres 2004.“

Dass Rooney in ihrem Sound Einflüsse von den Beach Boys bis zu den Ramones aufnehmen, macht die Band aus Sicht von Keyboarder Louie Stephens nicht gleich zu einer der vielen Retro-Rock-Gruppen, die in der letzten Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind: „Wir alle lieben die alten Rocknummern, aber wir fühlen uns deshalb nicht als Retroband. Ich habe nicht das Gefühl das wir aus einer anderen Zeit kommen. Wir sind moderne Klassiker“. Rooney spiegeln authentisch ihre südkalifornischen Einflüsse wieder, die diesen einzigartigen Sound geschaffen und geformt haben. Mitreißende Refrains, herzwärmende Töne, vielschichtige Harmonien und perfekt in Szene gesetzte Arrangements kollidieren hier mit pfiffigen Texten, Anspielungen und persönlichen Anekdoten aus dem Alltag.

Und gleich der Opener „Blueside“ belegt, dass die fünf Twentysomethings gerade bei den Beach Boys besonders gut hingehört haben. Ein zuckersüßer Refrain trifft auch mehrstimmigen Chorgesang und sonnige Gitarren aus den Sixties. Puh, auf soviel gute Laune muss man erst mal vorbereitet sein, denn in diesem Stil geht es bis zum Schluss weiter. Und siehe da, „If it were up to me”, „I’m a terrible person“, „I’m shakin’“ und „Daisy duke” schlagen die angekündigte Brücke zu Weezer. Elektrifizierte Gitarren, fluffige Keyboard-Teppiche und hymnische Melodien bis zum Abwinken. Das ist schon fast zuviel des Guten. Da kommt „Popstars“, ein schelmischer Seitenhieb auf alle „Killers of Rock ’n’ Roll“ wie Britney Spears und Christina Aguilera, die für Robert Carmine nichts weiter als „Bitches on strings“ sind, gerade recht. Man kann ja auch nicht immer gute Laune haben!

Selten wurde eine musikalische Rückbesinnung auf die „Swingin’ Sixties“ dermaßen konsequent umgesetzt, wie auf dem Majordebüt von Rooney. Die Band schwelgt unbeschwert in Melodien, die poppiger nicht sein könnten. Wenn sich dazu ein paar wunderbar knarzige E-Gitarren gesellen, machen Rooney richtig Spaß. Manchmal ist es aber auch einfach nur albern, wenn sich Rooney wie kleine Kinder in einem „Toys R Us“-Laden benehmen und mit Volldampf gute Laune verbreiten. Dann neigen die Songs schon mal zum gepflegten Dudeln. Ein echter Ritt auf der Rasierklinge eben. Denn man braucht schon eine ganz besondere Stimmung, um diese entwaffnenden Honig-Melodien genießen zu können, die einem schlechtesten Falls ganz schnell auf die Nerven gehen. Friede, Freude, Eierkuchen in geballter Form. Sollte man vor einem Kauf auf jeden Fall probehören.

Anspieltipps:

  • Stay away
  • Daisy duke
  • That girl has love
  • If it were up to me
  • I’m a terrible person
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