Motörhead - Inferno - Cover
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Motörhead Inferno


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Fies, rotzig, aggressiv, räudig und laut. Fast wie immer.

Es gibt Rezensionen, die kann man sich eigentlich sparen. Platten von AC/DC, den Rolling Stones und Motörhead zum Beispiel, klingen immer gleich. Seit zig Jahrzehnten. Was soll man darüber also noch schreiben? Die Fans kaufen die CDs sowieso. Der Rest macht mehr oder weniger einen Bogen um solche Veröffentlichungen. Und trotzdem macht es immer wieder Spaß, sich an neue Outputs dieser alten Recken heranzutasten. Und sei es nur aufgrund eines hoch motivierenden Ausspruchs von Motörheads Chef-Warze Lemmy Kilmister, der eine der genialsten, weil treffendsten Ansagen des diesjährigen Konzertsommers vom Stapel ließ: „Wir wollen nicht euer Gehör ruinieren – wir wollen euch komplett zerstören!“. Da weiß jeder, was gemeint ist und das Inferno kann losbrechen...

Motörhead-Platten erscheinen in schöner Regelmäßigkeit, was an sich eine feine Sache ist. Kein langes Warten – jedes Jahr steht eine neue Scheibe von Lemmy (Vocals, Bass), Mikkey Dee (Drums) und Phil Campbell (Gitarre) in den Läden. Wo hat man das heute noch? Dass das Oeuvre dadurch ziemlich durchwachsen ist, steckt in der Natur der Dinge. Meisterwerke wie „1916“ (2001) und „March Ör Die“ (1992) schüttelt man halt nicht einfach so aus dem Ärmel. So gibt es auch hin und wieder echte Tiefpunkte („Bastards“, 1993, „Sacrifice“, 1995) oder lediglich mittelprächtige Einspielungen („Hammered“, 2002) zu begutachten. Aber irgendwann, ganz plötzlich, knallt Lemmy, das 59jährige Rock-’N-Roll-Urviech, wieder ein neues Klasse-Album raus. Und dann muss man zur Stelle sein!

„Inferno“, der aktuelle Streich von Motörhead, ist eine dieser seltenen Perlen, die von Anfang an zu überraschen vermögen. Das Album lärmt nicht einfach nur, bis die Polizei kommt, sondern setzt auf abwechslungsreichen Hardrock, bei dem Tempo und Harmonien variiert und echte Riffs präsentiert werden. So stark hat sich das Trio im Studio schon lange nicht mehr gezeigt. „Inferno“ beinhaltet im Prinzip mehr herausragende Songs, als die letzten fünf Studioalben zusammen. Und dabei braucht der geneigte Fan noch nicht mal auf das geliebte Double-Bass-Geballer verzichten, das zu den unverzichtbaren Markenzeichen Motörheads gehört. „Terminal show“, „Smiling like a killer“, „In the name of the tragedy“ sind purer Rock ’N Roll, bei dem das Gaspedal mächtig durchgetreten wird. Doch die Band bietet noch einiges mehr. „Life’s a bitch“ kommt als High-Speed-Boogie-Rock daher, „Killers“ und „Fight” gehen in die Punk-Rock-Richtung, „Keys to the kingdom” ist ein ultra-cooler Shuffle und „In the year of the wolf” ein Groove-Monster vor dem Herrn. Dazu gibt es mit dem Rausschmeißer „Whorehouse blues” einen reinrassigen 12-Bar-Blues, bei dem Lemmy die Akustikgitarre bedient, auf der Mundharmonika spielt und richtig singt (!). Unglaublich? Unglaublich gut! Doch als der Song verklungen ist, kommt aus dem Off die leicht genervte Frage „Can we go now?“. Aber nicht doch! Wenn sich das für Anfang nächsten Jahres angekündigte Soloalbum von Lemmy in ähnlichen Sphären bewegt, steht uns Großes bevor.

Motörhead gehen mit großen Schritten auf ihr 30jähriges Bandjubiläum zu. Dabei kommen die Herren Campbell, Dee und Kilmister langsam in ein Alter, bei dem andere an Rente und Ruhestand denken. Doch die Drei liefern auf ihre alten Tage eines ihrer besten Alben ab: Fies, rotzig, aggressiv, räudig und laut. Fast wie immer. Doch diesmal sind Motörhead ein paar richtig starke Songs geglückt, die man sich immer wieder anhören kann. Zeitlos!

Anspieltipps:

  • Fight
  • Killers
  • In the black
  • Life’s a bitch
  • In the name of tragedy
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