Paradise Lost - Paradise Lost - Cover
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Paradise Lost Paradise Lost


  • Label: Gun Records/BMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Äußerst negativ fällt ins Gewicht, dass Sänger Nick Holmes dem Sound der Band nicht mehr gewachsen zu sein scheint.

Ein altes Sprichwort in der Computerbranche heißt: „Never change a running system". Dass dieser Spruch auch auf andere Bereiche des Lebens übertragbar ist, ist auch nicht neu. Die englische Band Paradise Lost hätte sich dieses zu Herzen nehmen sollen, als sie 1997 mit der Veröffentlichung des Albums „One Second“ Fans und Kritiker gleichermaßen verwirrten, indem sie vollkommen unerwartet einen kompletten musikalischen Wandel von gitarrenlastiger Metalmusik hin zum elektronischen Keyboardsound präsentierten. Schwer nachvollziehbar war dieser Schritt allemal, da die Band bis dahin als eine Art Wegbereiter für einen Mix aus düster-melancholischem Gothic und gitarrenschwerem Metal galt. Bands wie Within Temptation und Nightwish profitieren noch immer von den musikalischen Einflüssen und sind damit mehr den je erfolgreich.

Ihr erster Longplayer „Lost Paradise“, welcher 1990 bei dem kleinen Label Peaceville erschien, erzielte trotz des schlecht produzierten Death Metal beachtliche Verkaufszahlen. Mit „Gothic“ veröffentlichen sie nur ein Jahr später ihr zweites Album. Durch die Verwendung von langen Orchesterpassagen, schweren Gitarren, schönen Frauenstimmen und den dunklen Lead Vocals kreierte die Band ihren eigenen unverkennbaren Sound. Dies verhalf ihnen zu einem neuen Plattenvertrag bei dem größeren Label Music For Nations. Für die nächste Aufnahme bekamen sie den erfahrenen Produzenten Simon Efemy zur Seite gestellt, der bereits für Bands wie Napalm Death und Pantera an den Reglern drehte. Das Ergebnis war das Meisterwerk „Shades Of God“, das einmal mehr durch geniale Riffs und herrliche Akustikpassagen begeisterte. Zwar zeigte dieses Album eine Abkehr vom klassischen Death Metal hin zum Gothic Metal, aber der große Erfolg gab ihnen recht. Es folgte eine sehr erfolgreiche Tour durch Europa und die Vereinigten Staaten. Ohne zu übertreiben konnten sich Paradise Lost mit anderen Musikgrößen wie etwa Metallica messen.

Mit ihrer inzwischen zehnten Veröffentlichung, dem schlicht nach dem Bandnamen betitelten Werk „Paradise Lost“, kündigten die Jungs aus Halifax England an, musikalisch ein Stück näher an ihre Wurzeln zurück zu kehren und die erste Single „Forever after“ sollte genau dies unter Beweis stellen. Ein verstimmtes Klavier am Anfang, die Gitarren gesellen sich wenig später mit tonnenschwerem Sound dazu und nach wenigen Sekunden scheint alles vorbei. Nur die Stimme von Sänger Nick Holmes bleibt, zumindest bis zum Refrain. Zwar ist das Lied eingängig, der Songaufbau stimmig und es wird bei dem ein oder anderen auch Ohrwurmcharakter haben, nur alteingefleischte Headbanger wird es bestimmt nicht an die CD Regale treiben. Beim zweiten Track „Close your eyes“ ist deutlich zu hören, dass sich Paradise Lost dennoch in Richtung ihrer musikalischen Anfänge orientieren.

Wie auch bei dem darauf folgenden Titel „Grey“ haut der Gitarrist und Songwriter-Kollege Greg Mackintosh mächtig in die Saiten und lässt es richtig rocken. Doch bereits hier zeigt sich, dass Sänger Nick Holmes über weite Strecken einfach nicht überzeugen kann. Ebenfalls recht schnell daher kommen „Red shift“ und „Sun fading“. Durch das Tempo und die drückenden Gitarren wird hier endlich die Headbanger-Fraktion bedient. Für einen kurzen Moment sorgt dann „Accept the pain“" für Verwirrung. Durch sphärische Bass- und Vocalparts glaubt man für einen Augenblick die Kollegen von Tool zu hören. Doch der Rest des Stückes geht einfach unter. Obwohl sich das neue Album nicht mit Werken wie „Icon“ oder „Draconian Times“ messen lassen kann, haben Paradise Lost einen großen Schritt nach vorne gemacht, indem sie einfach einen zurückgegangen sind. Die dennoch recht durchwachsene CD bietet hier und da richtig guten Metalsound, aber leider rauschen viele Titel einfach am Hörer vorbei ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Äußerst negativ fällt zudem ins Gewicht, dass Sänger Nick Holmes dem Sound der Band nicht mehr gewachsen zu sein scheint. Oft klingt sein Gesang so flach, dass er sich kaum Gehör verschaffen kann. Fazit: „Paradise Lost“ wird diejenigen begeistern, die Werke wie „Draconian Times“ und „Icon“ mochten und kein Problem mit dem plötzlichen Wandel der Band hatten.

Anspieltipps:

  • Grey
  • Red Shift
  • Forever After
  • Close your Eyes
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