Audioslave - Out Of Exile - Cover
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Audioslave Out Of Exile


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Willkommen zum Rückkampf! Der Wettkampf der Rock-Titanen geht in die nächste Runde. Wiederum tritt Supergruppe Nummer 1 (Audioslave – entstanden aus den Überresten von Rage Against The Machine und Soundgarden) gegen Supergruppe Nummer 2 (Velvet Revolver – hervorgegangen aus Guns ’N Roses und den Stone Temple Pilots) an. Diesmal am Zug: Audioslave, die mit ihrem Debüt vor 2½ Jahren bravourös vorlegten. Im letzten Jahr folgte dann mit „Contraband“ der mehr schlechte als rechte Gegenangriff von Velvet Revolver. Nun sind also wieder die Mannen um Saitenhexer Tom Morello an der Reihe. Es wird spannend...

Im November 2002 erschien das Debütalbum von Audioslave und schlug ein wie eine Bombe. Obwohl die unfertigen Songs schon acht Monate vor der Veröffentlichung illegal im Internet umherschwirrten, stürzten sich die Fans auf das Album von Tom Morello (Gitarre), Tim Commerford (Bass), Brad Wilk (Drums) und Chris Cornell (Vocals). Weltweite Gold- und Platin-Auszeichnungen sowie ausverkaufte Konzerte und umjubelte Festival-Auftritte waren die Folge. Endlich stand der Begriff Supergruppe nicht mehr für den zweckgebundenen Plan von bekannten Musikern aus verdienten Bands zusammen tonnenweise Geld einzufahren, sondern für hochkreative Rockmusik.

Diese Lorbeeren müssen Audioslave nun mit ihrem Zweitwerk bestätigen. Dafür wurden insgesamt 22 Songs eingespielt, wovon es letztendlich 12 auf das wiederum von Rick Rubin (Beastie Boys, Johnny Cash, System Of A down, Fireside, Red Hot Chilli Peppers) produzierte Album geschafft haben. Doch leicht machen es einen die vier Herren mit dieser CD nicht. „Out Of Exile“ – das Album, mit dem Audioslave ihre eigene Identität finden und nicht mehr als die Schnittmenge von ehemaligen Rock-Legenden dargestellt werden wollen – kommt als unerwartet schwergängiger Rock-Schinken daher, bei dem der Funke auf den Hörer kaum überzuspringen vermag.

Dabei scheint auf den ersten Blick alles beim Alten geblieben zu sein. Die Rhythmusabteilung holzt und groovt in „Your time has come“ los wie die Axt im Walde, was spontan Spaß macht, selbst wenn der Song als solches eher simpel ausfällt. Dasselbe Schema funktioniert auch noch beim Titeltrack „Out of exile“, selbst wenn sich die Herren hier von vorne bis hinten in einem Selbstplagiat suhlen. Aber: Was an Rage Against The Machine und dem ersten Audioslave-Album gefiel, muss nicht plötzlich schlecht sein. Dagegen legen Audioslave mit „Be yourself” eine sehr gemäßigte erste Singleauskopplung vor, die sogar im Radio gespielt werden könnte. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, verfangen sich die Groove-Rocker aus Kalifornien in belangloser Rockmusik mit nervig wummernden Bässen, übertriebenen Gitarrensoli und angestrengt wirkenden Vocals – und schwups wird beinahe der gesamte Mittelteil des Albums an die Wand gefahren („Doesn’t remind me“, „Drown me slowly“, „Heaven’s dead“, „The worm“). Unfassbar! Wo man beim Vorgänger noch mit ungeheurer Spannung den Songs lauschte, erwischt man sich auf einmal beim nervösen Blick auf die Fernbedienung, um zum nächsten Track zu skippen. Wo ist nur die Magie dieser herausragenden Musiker geblieben?

Auf diese Art wirkt „Out Of Exile“ mit seiner sterilen Perfektion auf Dauer vollkommen unnahbar und wenig inspirierend. Erst der treibende Schweinerocksong „Man or animal“ kann das Ruder wieder herumreißen und ein versöhnliches Schlussdrittel einläuten. So gefällt das nachdenkliche „Yesterday to tomorrow“ durch atmosphärische Grooves und gefühlvolle Gitarrenlicks; „Dandelion“ ist der progressivste Titel des Albums mit spannenden Tempowechseln und einem entfesselt singenden Chris Cornell und „#1 zero“ ist eine zähflüssige Halbballade mit Gänsehautgarantie. Also gerade noch mal die Kurve bekommen? Nicht ganz!

Nach dem herausragenden Debüt ist „Out Of Exile“ ganz sicher eine kleine Enttäuschung. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen fehlt nämlich die Energie des Debüts. Die Band geht merkwürdig steril zur Sache, wie man es von einer Rick-Rubin-Produktion so gar nicht gewohnt ist. Dabei ist noch nicht mal eine Anbiederung an den Mainstream festzustellen. Deshalb ahne ich Schlimmes! Ist aus dem Projekt etwa schon die Luft heraus und Audioslave bald nur noch Teil der Rockgeschichte? Himmel, und was kommt dann? Der zweite Frühling der „The“-Band-Stümper? Bitte nicht!

Anspieltipps:

  • #1 zero
  • Dandelion
  • Out of exile
  • Man or animal
  • Your time has come
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