213 - The Hard Way - Cover
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213 The Hard Way


  • Label: TVT Records/SPV
  • Laufzeit: 70 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ob die drei Herren auf dem Plattencover gute Absichten hegen? Schnieke sehen sie ja aus, in ihren Designeranzügen und mit den teuren Lederköfferchen. Trotzdem weiß der Betrachter auf den ersten Blick nicht so recht, ob es sich um Glücksboten der Lottogesellschaft, Abgesandte eines Inkassobüros, Investmentberater von der Bank um die Ecke oder um ein Killer-Trio handelt. Doch Kommando zurück! Beim näheren Hinsehen entpuppen sich die Drei als die Rap-Truppe „213“. Na so was, tragen die HipHopper jetzt Anzüge, anstatt übergroßer Footballtrikots?

Ja, denn hier handelt es sich nicht um irgendwelche Emporkömmlinge, sondern um Legenden des HipHop. Im Detail: Snoop Dogg, Nate Dogg and Warren G, die sich nach mehr als zehn Jahren einen Jugendtraum verwirklichten, indem sie gemeinsam ein Album eingespielten. Als Teenager trafen sich die Drei in ihrem Heimatort Long Beach, Kalifornien, um gemeinsam eine Rap-Gruppe auf die Beine zu stellen. Inspiriert von Richie Richs Rap-Gang „415“ - benannt nach der Telefonvorwahl der Bay Area - beschlossen Snoop, Nate und Warren sich „213“ zu nennen – nach der Vorwahl, die damals für Los Angeles, Compton, Watts, Carson und Long Beach galt. Warren G wurde zum Anführer der Gruppe und hielt die Jungs bei der Stange. Trotzdem trennte sich das Trio in den späten 80er-Jahren, ohne eine Platte gemacht zu haben. Dabei hatten sich die besten Beziehungen, denn Warrens Halbbruder ist kein Geringerer als die Produzenten-Ikone Dr. Dre („The Chronic“). Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Bandmitglieder schworen sich, ihre Roots nicht zu vergessen und die Band wieder aufleben zu lassen, sollten sie es je schaffen, solo groß rauszukommen.

Es ist kein Geheimnis, dass es tatsächlich alle drei geschafft haben, zu Stars der Rap-Szene zu werden. Snoop (Doggy) Dogg wurde mit seinem Debütalbum „Doggystyle“ (1993) zu einem der erfolgreichsten und wichtigsten HipHop-Solokünstler aller Zeiten. Er kreierte eine ganz besonders smoothe Interpretation des Gangsta Rap, mit groovenden Beats und einem abgefahrenen Rap-Stil, für den Snoop eine Art Fantasiesprache entwickelte. Die natürliche Weiterentwicklung dieses Sounds war der sogenannte G Funk, den Warren G mit seinem massiven Singlehit „Regulate“ – die legendäre Kollaboration mit Nate Dogg vom Album „G Funk Era“ (1994) – zum weltweiten Durchbruch verhalf. Nicht selten wird Warren G deshalb als der Vater jenes stilprägenden Westcoast Produktionsstils angeführt. Nate Dogg, der Cousin von Snoop Dogg, machte sich in den letzten Jahren einen Namen als HipHop-Artist und zählt als erste Adresse für Rapper, die soulige Hooks für ihren Hardcore-Sound suchen (2Pac, Dr. Dre, Jadakiss, Ludacris).

Mit diesen Erfolgen im Rücken haben die Drei nun Ernst gemacht und das lang aufgeschobene 213-Album eingespielt. Für die Produktion von „The Hard Way“ holte man sich ausschließlich Superstars des Genres, wie Kanye West (Alicia Keys, Ludacris, Twista), Hi-Tek (Snoop Dogg, Talib Kweli), Battlecat (Snoop Dogg, Tha Eastsidaz) und DJ Pooh (Snoop Dogg, King T, Kam), ins Studio, damit das fertige Werk eine perfekte Verbindung von Old School G Funks und modernen Rap-Elementen ergibt. Ein Paradebeispiel für diesen Stil-Mix ist der Song „So fly“. Im Original stammt der Track von R&B-Star Monica. Im Sommer 2003 nahmen sich 213 ihren Song „So gone“ vor und schrieben ihn in „So fly“ um. Ursprünglich war das Stück auf einem Snoop-Dogg-Mixtape zu hören. Doch „So fly“ wurde in Los Angeles im Handumdrehen zum erklärten Lieblingsstück sämtlicher Rap-Radiostationen und lieferte für die drei langjährigen Homies den entscheidendem Impuls, sich endlich an das seit langem anstehende 213-Album zu machen.

Nach einem typischen Rap-Album-Interlude (mitgeschnittene Telefongespräche der Homies), von denen es auf „The Hard Way“ erfreulich wenige gibt, geht es mit den coolen Funk-Grooves „Twist yo body“ und „Absolutely“ gleich in die Vollen. Der Sound ist altvertraut: Fette Beats, smoothe Bass-Grooves und prägnante Vocals. Allen voran Snoop Doog verbreitet mit seinen relaxten Raps eine Atmosphäre zum gepflegten Ghetto-Cruisen. Es dauert also keine zehn Minuten und man findet sich auf „The Hard Way“ wie Zuhause. Zwar ist nicht jeder Track auf demselben hohen Niveau, was bei knapp 70 Minuten Spielzeit nicht verwundert, doch ist das Album wie aus einem Guss und kommt ohne Stilbrüche daher. So stehen düstere Mafia-Hymen wie „Run on up“ neben locker flockigen Spaßbringern der Marke „Groupie love“, der ersten Single von „The Hard Way“. Das Stück, produziert von Westcoast HipHop-Pionier DJ Pooh, ist ein extrem funky abgehender Track, der in den USA schon jetzt ein massiver Radiohit ist. „Groupie love“ macht den Hörer mit der enorm drolligen Kiffer-Seite des Trios bekannt. Klar, dass Snoop Dogg hier zu Höchstform aufläuft („Get ready for my nine inch dick!“).

Auf dem ziemlich ernsten „Lonely girl“ kritisieren Snoop Dogg und Warren G die negativen Entschlüsse, die einige Frauen für ihr Leben treffen. Dass die Herren Rapper daran nicht immer ganz unschuldig sind, wird aber geflissentlich verschwiegen. Sei’s drum. Hauptsache, der Track ist mit einem amtlichen Groove am Start. „Another summer“ ist dagegen ein großartiges Feel-Good-Stück. Der Song wurde produziert von Kanye West und lobt die Vorzüge von harmonischem Familienleben („Barbecue, Football schauen, in die Kirche gehen“) und einem gewaltfreien Lebensstil. 213 sind halt nicht mehr die Jüngsten. Und mit dem vielen Geld und der Berühmtheit wird auch der wildeste Rapper ruhiger. Doch bevor es zu lethargisch wird, legen 213 mit „213 Tha gangsta clicc“ einen echter Nackenbrecher auf flirrenden Synthie-Beats nach. „Gotta find a way“ ist ein entspannter Soul-Groover mit feinen Bläserriffs, der irgendwie nach späten 70s-Sounds klingt. „The Love Boat“-Theme meets Barry Manilow. Cool!

„Ups & downs“ ist die ultimative Gangsta-Hymne mit satten Beats, grollenden Bässen, die direkt in die Magengrube zielen und verspielten Synthies. Der Text ist zwar etwas klischeehaft, behandelt das Leben auf der Straße und den Aufstieg vom kleinen Dealer zum Rap-Star („Life is so motherfuckin’ hard as a nigger“), aber das ist man von solchen Tracks ja gewohnt. Ebenso cool ist „Mary Jane“ – eine Liebeshymne an eine attraktive junge Dame namens Mary Jane, und eine versteckte Hommage an die Lieblingsdroge der Homies, Marihuana. Beim Retro-Style-Track „MLK“ geht es um die Erfahrungen, die die Drei im Lauf ihrer Karriere mit Geld und Erfolg gemacht haben, womit sich der Kreis schließt.

Aus den Teenagern „213“ sind die erfolgreichen Rap-Stars Snoop Doog, Warren G und Nate Dogg geworden, die ihr ganzes Können und mehr als zehn Jahre Lebenserfahrung im Music-Biz in die Waagschale werfen. Daraus resultiert ein routiniertes Album, das den Sound von Meilensteinen wie „Doggystyle“ und „G Funk Era“ aufnimmt und adäquat in die Jetztzeit transportiert. „The Hard Way“ ist ein echtes Sommeralbum, das uns schon bald aus tiefergelegten 3er BMWs an der roten Ampel entgegen bollern dürfte. Aber bitte nicht aufregen. Sonst könnte es einem gehen wie 2Pac und The Notorious B.I.G.

Anspieltipps:

  • Run on up
  • Lonely girl
  • Ups & downs
  • Keep it gangsta
  • Gotto find a way
  • 213 Tha gangsta clicc
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