The Mars Volta - Frances The Mute - Cover
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The Mars Volta Frances The Mute


  • Label: Universal Records
  • Laufzeit: 77 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Fünf Songs, verteilt auf fast 80 Minuten – Alternative Rock goes Prog und hinterlässt verstörte Hörer und eine Kritikerschar, die sich wieder mal die wildesten Satz- und Wortkreationen aus den Rippen leiern darf, um das Gehörte auch nur irgendwie zu beschreiben. Damit ist klar: The Mars Volta sind zurück!

Omar A Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler Zavala aka The Mars Volta sind neben Sparta (Paul Hinojos, Jim Ward, Tony Hajjar) die Überbleibsel der hoch gelobten Rockband At The Drive-In, die sich vor vier Jahren getrennt hat. Nach ihrem von Rick Rubin (System Of A Down, ) produzierten Erstling „De-loused In The Comatorium“ (2003), legen sie jetzt mit „Frances The Mute“ ein hoch ambitioniertes Konzeptwerk vor, das (schon wieder) den Tod eines Freundes verarbeitet. Ging es auf dem Vorgänger noch um den 1993 verstorbenen Julio Venega, war diesmal das Bandmitglied JeremyWard Quell der Inspiration.

Ward fand eines Tages ein Tagebuch auf dem Rücksitz eines Autos, das ihn auf faszinierende Weise an sein eigenes Leben erinnerte. Das Tagebuch beschrieb, wie der adoptierte Autor nach seinen wahren Eltern suchte. Daraus bastelte Mastermind Omar A Rodriguez-Lopez eine Geschichte in fünf Akten. Die Titel der Songs auf „Frances The Mute“ repräsentieren Namen, die in dem Tagebuch auftauchten. Jeder Namen bringt ihn einen Schritt näher an seine biologischen Eltern. „Jedes Stück Musik reflektiert eine Erfahrung oder ein Gefühl dieser Zeit,“ so Omar Rodriguez-Lopez. „Diese Platte ist offensichtlich durch das Trauma von Jeremys plötzlichem Abschied beeinflusst. Jedoch strich Cedric alles, das zu deutlich auf dieses Ereignis hinwies. Als er zum Beispiel ´Now I`m lost` auf dem ersten Album sang, konnte es auf vieles bezogen werden. Die Gefühle zur aktuellen Scheibe sind viel intensiver und frischer. Aber wir wollten nicht alles offenbaren. Es gibt auch Dinge, die man nicht unbedingt mit jedem teilen sollte, weil sie nun mal zu persönlich sind.“

Ein Dreivierteljahr verbrachten The Mars Volta mit ihren vier Mitmusikern (Marcel Rodriguez-Lopez, Jon Theodore, Juan Alderte de la Pena, Isiah Ikey Owens) in diversen Studios, an acht verschiedenen Orten auf drei Kontinenten, um eine Monster-Platte aufzunehmen, die dem Hörer wirklich alles abfordert. In ausufernden Passagen zwischen Rock-Oper und Psychedelica-Hörspiel werden sämtliche stilistischen Grenzen gesprengt und dem Hörer als Puzzlestücke um die Ohren gehauen: Harte Rockgitarren, orchestrale Soundwälle (arrangiert von Beck’s Vater David Campbell), Latin-Gitarren, Mariachi-Trompeten, Geisterstimmen, Vogelgezwitscher, Straßengeräusche, leiernde Bandmaschinen, Strohhalmschlürfen, Tom-Waits-Grummeln und quakende Frösche – Frank Zappa hätte bestimmt große Freude gehabt.

Stücke wie „Cygnus... Vismund Cygnus“, die sich typischer Mars Volta Manier in eine Kakophonie elektronischer Impulse und ambienter Wellenausschläge auflösen, um dann in eine Ballade zu münden („The widow“), die ins treibende „L`Via L`Viaquez“ mutiert. „Miranda that ghost just isn’t holy anymore“ findet seinen Klimax nach gerade mal acht Minuten, um dann minutenlang in atmosphärischen Morricone-artigen Soundteppichen zu entquellen und wiederum ins Intro von „Cassandra Gemini“ zu explodieren, das sich 32 Minuten ausdehnt und seinen Endpunkt am Anfang, sprich „Cygnus... Vismund Cygnus“, findet.

„Frances The Mute“ ist die berühmte schwere Kost, auf die sich die Fans gefreut haben. Sicher ist nicht alles nachvollziehbar, was Omar A Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler mit ihren Soundcollagen ausdrücken wollen. Doch das macht es gerade so spannend, sich mit einem dermaßen sperrigen Werk auseinander zu setzen. Ob man das Ganze nun Art-Rock, Prog-Rock oder sonst wie nennt, ist eigentlich vollkommen egal. Einigen wir uns einfach auf große, verschrobene Kunst.

Anspieltipps:

  • Cygnus... Vismund Cygnus
  • Cassandra Gemini
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