And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Worlds Apart - Cover
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead Worlds Apart


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wo findet heutzutage noch wirklich Rock-Musik statt? Was ist aus Sendern wie MTV geworden, wo sinnentleerte Klingeltöne längst dominieren und ernsthafte, alternative Musik ein Nischendasein führt? Warum sterben selbst Nischen-Sendungen wie „Fast Forward“ aus, um durch noch mehr sinnentleerten Schrott ersetzt zu werden? Und wozu sind sogenannte Alternativ-Rockbands wie Nickelback oder 3 Doors Down heutzutage noch die Alternative? Die Zukunft des Rock, sie scheint düster. Und doch wird derselbe jetzt von drei Texanern namens And You Will Know Us By The Trail Of Dead gerettet, ohne das selbige derartiges überhaupt beabsichtigt hätten.

Schon im Titelstück „Worlds Apart“ heißt es da nämlich: „Random lost souls have asked me/ What's the future of rock'n roll?/ I said: „I don't know/ Does it matter?“. Doch trotz Aussagen wie dieser liefern „Trail Of Dead“ mit ihrem 4.Album den lebendigen, im Hier und Jetzt verankernden und doch so visionären Beweis ab, dass Rock heute noch Relevanz haben kann und wie diese Musik in der heutigen Welt klingen muss.

Dabei stand man vor keiner leichten Aufgabe, die mitunter der Quadratur des Kreises glich: „Source Tags And Codes“, jenes absolute Meisterwerk aus dem Jahre 2002, sollte noch einmal getoppt oder doch zumindest in der Qualität erreicht werden. Wie optimiert man die Perfektion? Trail Of Dead zeigen, wie's geht. Feuern ihren langjährigen Bassisten, Gründungsmitglied Neil Busch. Und schreiben 12 Songs von so unglaublich hochkarätiger Qualität, dass es dem Hörer schon beim ersten Genuss dieser CD die Sprache verschlägt.

Nach wagnerischem Pathos in „Ode To Isis“ folgt mit „Will You Smile Again“ schon – und das ist jetzt die subjektive Meinung des Rezensenten – ganz einfach und unverblümt der bisher beste Song dieser Band aus Planoe, Texas. Wie es diese Kerle schaffen, schweißtreibende Spannung aufzubauen, von einem repetivem Gitarrenrausch über wuchtig-minimalistische Trommel- und Gesang-Parts zu einem furiosen Finale so künstlerisch und stimmig überzuleiten, und das alles in einer doch so kurzen Zeit von 7 Minuten, sucht seinesgleichen, ist absolut konkurrenzlos. Dieses eine Lied, es überrollt den Hörer mit seiner präzisen Dynamik, die so unglaublich mitreißt und immer wieder erhört werden will.

Und das beste ist: Es geht so weiter. Und überrascht den Hörer an allen Ecken und Enden. „Worlds Apart“, „The Rest Will Follow“ oder „The Summer Of '91“ gehören zwar zu den bisher eingängigsten Kreationen dieser texanischen Genies, und erfreuen durch euphorisierende Melodien. Dennoch sind sie – und das merkt man erst mit der Zeit – unheimlich vielschichtig und wollen nicht aufhören, zu begeistern, sei es durch das genialisch austarierte, wuchtige Schlagzeug, den inzwischen unverwechselbaren Gesang und durch Breaks wie bei Minute 1:39 in „The Summer Of '91“, die alleine schon das Eintrittsgeld wert sind.

Doch damit sind noch nicht die eigentlichen Hochkaräter dieser Platte genannt. Da wäre zum Beispiel „Caterwaul“, das zunächst wie eine rockende Dampfwalze angaloppiert und kompromisslose Schrei-Refrains liefert, im Mittelteil jedoch durch ein superbes Piano-Interlude wie selbstverständlich äußerst verletzlich und emotional avanciert. Die dazu gehörigen Texte und der unwahrscheinlich dichte, intime Gesang Keelys zaubern ein so nie da gewesenes Gänsehaut-Gefühl, als sich nach dem Interlude wie selbstverständlich ein neue Idee auftut, und der Song durch das Duett Conrad Keelys mit Jason Reece einem wunderschönen Finale entgegensteuert.

Man könnte jetzt weitere Dinge herausgreifen, man würde mit Sicherheit keine Schwächen finden, vor allem nicht in „Let It Dive“, das sich so anhört, wie Oasis heute klingen könnten, hätten sie sich 1996 nicht dazu entschlossen, ihr bewährtes Konzept strikt beizubehalten. Weiterhin bemerkenswert: „The City Of Refuge“, das überraschend poppig-seicht beginnt, dann aber rechtzeitig wieder die unnachahmliche „Trail Of Dead“-Gestalt wird und dadurch ein würdiger Abschluss einer unfassbar grandiosen CD ist.

Es bleibt nicht mehr viel mehr zu sagen: „Worlds Apart“ schafft es tatsächlich, seinen Vorgänger zu erreichen. Ob es ihn übertreffen kann, sei dahingestellt, jedenfalls ist diese Platte vermutlich die bestmögliche Antwort auf all den Schmutz, der über Musikkanäle das Ohr bluten lässt. Sie ist die allerbeste Medizin, die die Kraft und Energie hat, alle Rockverbrecher, 3 Doors Downs, Nickelbacks, nervtötende Hühnchen, Britney Spears und Konsorten, vergessen zu machen, und dabei so eingängig und begeisternd ist, dass auch weniger couragierte Kreise im Grunde verpflichtet sein müssten, diese Platte sofort zu kaufen und ausgiebig zu hören.

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