Beck - Guero - Cover
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Beck Guero


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Für die Verhältnisse eines Beck Hansen gibt es musikalisch zu wenig Neues zu entdecken.

Zuerst muss der hier verfassende Autor eingestehen, dass das Urteil, das hier über „Guero“ von Beck getroffen wird, kein ultimatives und endgültiges ist. Das liegt einfach daran, dass der Autor den Künstler bis jetzt nicht verstanden hat. Das erste Album von Beck („Golden Feelings“ - nur auf Kassette erhältlich!) erschien 1993. Nach den Independent-Platten „A Western Harvest Field By Moonlight” und „Stereopathetic Soulmanure“ erschien im März 1994 sein viertes Album „Mellow Gold“. Es ist sein erstes auf einem Major-Label und enthält „Loser“, den Song von Beck, den ausnahmslos jeder kennen muss. Der Stil des Albums beschränkte sich noch auf sehr experimentelles Songwriting. Die folgenden vier Alben bewegten sich zwischen Singer/Songwriter, Akustik-Rock, Avantgarde und Funk. Alles unter dem großen Stempel „Pop“. 2002, drei Jahre nach seinem Funk-Album „Midnight Vultures“, kam dann das ausnahmslos akustische „Sea Change“ auf dem er die vergangene Beziehung mit Winona Ryder verarbeitet.

Heute ist Beck verheiratet, hat einen Sohn, ist zufriedenes Mitglied von Scientology und hat ein neues Album auf dem Markt, das auf den Namen „Guero“ hört und den Zuhörer wieder überraschen möchte. Und das geschieht auch schon bei der ersten Single „E-Pro“ auf eine sehr ungewohnte Weise, denn neu ist das nicht. Es klingt eher nach einer neuen Variante von „Loser“ mit „Na-na-na-na-na-naa“-Gesang und einem sehr durchschaubaren Gitarrenriff. Auch wenn der Rest des Werkes wesentlich besser ist, scheint das Album dennoch nur ein „Best Of“ der letzten Beck-Alben zu sein. Von leicht zugänglichen Popsongs wie „Girl“ über die lässigen wie „Earthquake weather“ bis hin zu den funkigen Nummern („Go it alone“) ist alles dabei. Selbst musikalisch-düstere Überbleibsel von „Sea Change“ („Missing“) sind vorhanden, gäbe es nicht die leicht-lockere musikalische Untermalung durch Claves und Beat.

Irgendwie scheint alles auf „Guero“ schon mal gehört und deshalb enttäuscht es beim ersten Höreindruck. Dabei ist das sehr trügerisch, denn dabei entgehen die wirklich guten Beck-Songs, wie man sie gewohnt ist. Songs wie „Broken drum“ und „Scarecrow“ möchte man am liebsten schon beim ersten Mal mitsingen. Es ist deutlich erkennbar, dass Beck die Musik wieder Freude bereitet und seine Leidenschaft wieder entfacht ist. Bei „Sea Change“ hatte die Musik eher einen therapeutischen Zweck. Außerdem hört man die Zusammenarbeit mit den Dust Brothers deutlich heraus. So musikalisch verspielt war Beck lange nicht mehr, mindestens seit „Odelay“ (1996), auf der die Dust Brothers Teile produziert haben. Von schon fast wehtuenden Synthesizertönen („Girl“) über den Laserstrahl-Sound auf „Farewell ride“ bis hin zum total überladenen „Rental car“ steigert sich das Album an Verspieltheit und Detailliebe bis es sich in dem langsamen „Emergency exit“ entspannt und schließlich alles in dem typischen Beck-Popsong (sofern es so was gibt) endet. Als Gast schaut dann auch Jack White („Go it alone“) rein und spielt den Bass.

„Guero“ ist im großen und ganzen ein gutes Album. Doch für die Verhältnisse eines Beck Hansen gibt es musikalisch vielleicht zu wenig Neues zu entdecken. Aber trotzdem ist die Platte so gut, dass man das dauerhafte Verschieben des Veröffentlichungstermins und den Eintritt in eine Sekte wohl einfach tolerieren muss.

Anspieltipps:

  • Girl
  • Scarecrow
  • Rental Car
  • Broken Drum
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