Mariah Carey - The Emancipation Of Mimi - Cover
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Mariah Carey The Emancipation Of Mimi


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Emancipation Of Mimi“ ist das Album, mit dem die Carey verlorengegangenen Boden aufholen will.

Schon gewusst? Mariah Carey feiert dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum. So lange ist es nämlich schon her, dass mit „Daydream“ ein richtig gutes Album von ihr erschien. Zwar waren „Butterfly“ (1997) und „Rainbow“ (1999) auch noch einigermaßen erträglich, aber nach ihrem Plattenfirmenwechsel von Sony Music zu Virgin/EMI ging die Karriere der 35-Jährigen rasant den Bach runter. Ihr Filmdebüt „Glitter“ nebst dazugehörigem Soundtrack (2001) stellte sich als künstlerischer und kommerzieller Totalflop heraus. Virgin/EMI entließ die Diva aus ihrem Vertrag und der Universal Konzert schlug in der Hoffnung zu, einen dicken Fisch an der Angel zu haben. Schließlich hat Frau Carey in ihrer 15-jährigen Karriere geschätzte 150 Millionen Tonträger verkauft.

Doch der Schuss ging böse nach hinten los. Vielleicht auch deshalb, weil sich niemand traute, der guten Dame die Meinung zu sagen. Das erste Album für Universal („Charmbracelet“, 2002) war jedenfalls eine künstlerischere Bankrotterklärung, die nur verdutzte Gesichter hinterließ. Selbst der exorbitante Körpereinsatz von Frau Carey konnte die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer reißen. Auch hier sollte der Dame mal jemand im Vertrauen mitteilen, dass ihre TV-Auftritte nur noch peinlich sind. Gegen die Devise „Sex sells“ ist ja nichts einzuwenden. Doch anstatt ein Restmaß an subtiler Erotik einzubringen, tritt Mariah Carey regelmäßig in einem Hauch von Nichts auf, bei dem ihre beiden schlagendsten Argumente im Takt bräsig-brunftiger Tanzbewegungen aus dem Dekolleté hoppeln, wie erst kürzlich im französischen Fernsehen geschehen, als sie die erste Singleauskopplung „It’s like that“ aus ihrem neuen Werk „The Emancipation Of Mimi“ promotete.

„The Emancipation Of Mimi“ ist also das Album, mit dem die Carey verlorengegangenen Boden aufholen will. Konkurrentinnen wie Beyoncé, Alicia Keys und Gwen Stefani sind nämlich mittlerweile an dem Superstar vorbeigezogen und in der Gunst der jugendlichen Hörer ganz vorne. Bei ihrem 10. Studiowerk (neben zwei „Best Of“-Kopplungen, einer Remix- und einer Weihnachts-CD) darf deshalb nichts schief gehen. Aus diesem Grund wurden mit Langzeit-Buddy Jermaine Dupri („Get your number“), Fatman Scoop („It’s like that“), Dreifach-Grammy-Gewinner Kanye West („Stay the night“), The Neptunes und Snoop Dogg („Say Somethin‘“), Scram Jones („Your girl“), Nelly („To the floor“), Soul-Ikone James Poyser („Mine again“), Twista („One and only“) und Produzent Antonio „LA” Reid das volle Pfund verfügbarer R&B-Stars aufgefahren.

Herausgekommen sind insgesamt 14 Tracks. Den Auftakt macht die Single „It’s like that“ - ein rhythmusorientierter Groover ohne besondere Melodie, der die Menschen auf die Tanzfläche locken möchte. Dennoch handelt es sich um Mariahs beste Singleauskopplung seit Jahren! Aber der anfänglich gute Eindruck trügt leider. Mit „We belong together“, „Shake it off“ und „Mine again“ reiht sich gleich zu Beginn eine nichtssagende R&B Halbballade an die andere. Es bedarf also geschlagene drei Songs und des Auftrittes von Kult-Rapper Snoop Dogg, um das Qualitätsruder mit „Say somethin’“ wieder herumzureißen. Von da an bekommt die Platte einen eigenen Flow, der streckenweise zu überzeugen weiß. So bedient sich Mariah bei „Stay the night“ am eigenen Fundus und baut kurzerhand ein Piano-Sample ein, das wir bereits von „Dreamlover” kennen. Egal, der Track zählt eindeutig zu den besseren des Albums. Und wo wir schon mal so schön beim Samplen sind, greifen wir bei „Get your number“ auf die Hookline des Klassiker „Just an illusion“ zurück. Auch nicht schlecht. Und bei „One and only“ und „Circles“ präsentiert Mariah sogar einige ihrer berühmten 5-Oktaven-Quieker. Fast wie früher.

Mit „The Emancipation Of Mimi“ legt Mariah Carey ein lupenreines R&B-Album vor, das qualitativ deutlich aufsteigende Tendenzen zeigt. Die Ausfallquote ist äußerst gering und nicht mit der „Charmbracelet“-Katastrophe vergleichbar. Frau Carey ist endgültig in ihrem neuen musikalischen Zuhause angekommen und lässt das Pop-Sternchen aus den frühen 90er Jahren vergessen. Dennoch gibt es einen weiteren Kritikpunkt, für den Mariah Carey persönlich nichts kann.

Sehr geehrte Verantwortliche von Universal Records: Was Sie dem geneigten Käufer so vollmundig als limitierte „Deluxe Edition“ von „The Emancipation Of Mimi“ anbieten, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als skandalöse Mogelpackung mit der Lizenz zum Abkassieren. Es gibt weder Bonus Tracks noch ein Booklet, geschweige denn eine (heutzutage gerne und oft) beigelegte DVD. Nichts, niente, nada, nothing! Ein lächerliches Mariah-Poster, bei dem Höchstleistungen im Retuschieren geleistet wurden, auf dessen Rückseite die Lyrics verewigt sind, ist das einzige Argument für einen dreisten Aufpreis von fast 40%. Für diesen Super-GAU sollten Sie sich schämen!

Anspieltipps:

  • It’s like that
  • One and only
  • Say somethin’
  • Stay the night
  • I wish you knew
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