Phil Manzanera - 6 PM - Cover
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Phil Manzanera 6 PM


  • Label: Hannibal Records/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Phil Manzanera hat sich für „6 PM“ wieder einmal mit seinen alten Kumpels von Roxy Music zusammengetan, um uns einen aufzuspielen. Damit die ganze Chose richtig interessant wird, hat er sich neben seinen alten, erfolgreichen Mitkämpen Verstärkung von David Gilmour (Pink Floyd) und Chrissy Hynde (Pretenders), die ihre vor Sex strotzende Stimme leider nur im Hintergrund einsetzen darf, geholt. Soviel musikalisches Know How und Erfahrung, geballt auf einem Haufen, ist fast schon Garant für handwerklich allerbeste Musik, die trotz eines nicht klar definierbaren Genres beim Zuhören richtig Spaß macht.

Klingt der eine Titel eigentlich stark nach gehobenem Pop mit psychedelischem Ein- und Ausstieg („Broken dreams“), so kommt ein anderer wiederum sehr jazzig daher und unterstreicht dies durch Piano und Oboe („Manzra“). Der kleine grüne Kaktus, hier „Green spikey cactus“ genannt, lässt neben einer starken Mundharmonika auch ab und an Chrissy Hynde durchklingen. Dieses Stück hat eigentlich Chart-Potenzial, wird jedoch aufgrund seiner intelligent aufgebauten Struktur in den heutigen Zeit kaum eine Chance haben, was schade ist.

Bei anderen Titeln dagegen ist der musikalische Ursprung namens Roxy Music unverkennbar („Cissbury ring“), was in dem im zweiten Teil des Albums zu hörenden Zyklus „The cissbury ring" besonders in den Vordergrund tritt - wobei bei geschlossenen Augen und etwas gutem Willen auch Pink-Floyd-Einflüsse herauszuhören sind. Aber der psychedelische Rock steht hier vergleichsweise im Vordergrund, was bei Pink Floyd ja eher nicht der Fall war. Musikalische Kollaborateure wie Andy Mackay, Paul Thompson und Brian Eno sind hier nicht zu bremsen und lassen es bei allen sphärischen Klängen trotzdem richtig grooven. Hier zeigt sich die professionelle Seite von Phil Manzanera und Co., die bei aller Verspieltheit nie den Blick für das Wesentliche verlieren, nämlich Rockmusik vom allerfeinsten zu zelebrieren und nicht ins musikalische Nirwana abzudriften.

Leider fehlt den Songs eine markante Stimme wie zum Beispiel die von Ex-Kollege Brian Ferry. Hätte man einen Sänger mit dessen Charisma in der Stimme, könnte man mit Sicherheit von einem absoluten Top-Album sprechen. Doch dazu reicht die gesangliche Leistungsfähigkeit von Phil Manzanera nicht aus. Seine Stimme klingt eine Spur zu dünn, um beim Hörer nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Einzige Ausnahme ist das bereits erwähnte Stück vom Kaktus („Green spikey cactus“), wo die Stimme per Kehlkopfmikrofon verzerrt wird. Den Höhepunkt von Phil Manzaneras stimmlichen Unvermögens erleben wir in dem Stück „Wish you well“, welches doch sehr unbestimmt vor sich hin plätschert und leider mit sehr viel Text, sprich Gesang, verbunden ist. Eine Spur kürzer, ggf. als reines Instrumentalstück angelegt, wäre das Stück vielleicht besser gewesen.

Fazit: „6 PM“ ist eine sehr gelungene Mischung aus psychedelischem Gitarrensound und moderner elektronischer Musik (so zu hören beim Titeltrack oder „Waiting for the sunshine“). Eine Platte, die für Liebhaber von intelligent gemachter Musik nichts offen lässt und eigentlich in jede gut bestückte Sammlung gehört.

Anspieltipps:

  • Green spikey cactus
  • 6 pm
  • Manzra
  • The cissbury ring
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