Chris Robinson - This Magnificent Distance - Cover
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Chris Robinson This Magnificent Distance


  • Label: Vector Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer ein Faible für psychedelisch angehauchte 60er-Jahre Songwritermusik hat, wird mit diesem Album bestens bedient.

Noch ist der Ruhm nicht verblasst. Doch jetzt, wo das Kapitel „The Black Crowes” endgültig beendet zu sein scheint, fällt für die federführenden Krähen-Brüder Rich und Christopher Mark (Chris) Robinson alles eine Nummer kleiner aus. Hochdotierte Plattenverträge, ausverkaufte Hallen und Rock ’n Roll Lifestyle gehören vorerst der Vergangenheit an. Aber zum Glück sind die beiden dem Musikmachen treu geblieben und bringen weiterhin Platten heraus. So debütierte Chris vor zwei Jahren mit „New Earth Mud“, das von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleib. In diesen Tagen legt Bruderherz Rich mit seinem Erstling „Paper“ nach, während Chris bereits Soloalbum Nummer 2 am Start hat.

Im Sommer 2004 erschien von Chris Robinson & The New Earth Mud das wunderbare Album „The Magnificent Distance“, das, wie der Name schon sagt, als Band-Projekt eingespielt wurde und so unglaublich retro klingt, dass es locker in den 60s erschienen sein könnte. Chris Robinson und seine Mannen George Laks (Keyboards), George Reiff (Bass), Jeremy Stacey (Drums) und Paul Stacey (Gitarre) greifen dabei wie selbstverständlich auf das musikalische Geschichtsbuch Amerikas zurück und präsentieren eine authentische Songsammlung mit Elementen aus Rock, Blues, Folk, Country, Soul und einer Priese Psychedelica. Eingebunden in durch und durch spannende Kompositionen, die nicht nur von der Melodie und einzelnen Hooks leben, drückt Robinson den Songs mit seiner charakteristischen Stimme einen ganz persönlichen Stempel auf, dass Vergleiche mit den herausragenden Frühwerken der Black Crowes nicht ausbleiben.

Obwohl kein externer Produzent an dem Album beteiligt war (Robinson und Paul Stacey haben sich diesen Job geteilt), versprühen die Songs den warmen Sound einer 60er-Jahre Produktion, so wie es George Drakoulias für die Black Crowes auf kongeniale Weise umsetzen konnte. Dazu liefert der 1966 in Atlanta geborene Robinson eine sehr entspannte Gesangsleistung ab, die das unrühmliche Ende der Krähen vergessen macht. Drogen, Streit und Burn-Out-Syndrome gehören der Vergangenheit an. „The Magnificent Distance“ greift dagegen das Lebensgefühl der Hippies auf, streift hier und da Southern-Rock-Gefilde, bleibt aber die meiste Zeit im relaxten Midtempobereich.

Von den 12 Songs auf „The Magnificent Distance“ entfallen exakt ein Drittel auf den erdigen Rock-Part. Angefangenen mit dem Opener „40 days“, der mit treibenden Gitarrenriffs und einem signifikanten 70er-Jahre Orgelteppich daherkommt, geht der Reigen über einen ausgeprägten 60s-Psychedelica Mittelteil mit Songs zwischen fünf und acht Minuten Spielzeit, bis das finale Dreigestirn „Surgical glove“, „Sea of love“ und „Piece of wind“ wieder zum Rock ’n Roll zurückkehrt. Eindeutige Höhepunkte sind aber die bluesgetränkten Ausflüge in die surrealen Gedankenwelten des Chris Robinson, die mit perfekten Psychedelic-Sounds unterlegt werden. Besonders anzuführen sind das ätherisch wabernde „Girl on the mountain”, die percussionlastige Jam-Session „Mother of bone“, die romantisch-progressiven „Train robbers“, „Like a tumbleweed in eden” und „When the cold wind blows at the dark edge of night”, sowie der Lovesong „…If you see California“, der mit der eingänglichsten Melodie des Albums aufwartet.

Nach dem etwas zu poppig geratenen „New Earth Mud“ (2002) gelingt Chris Robinson mit „The Magnificent Distance“ der künstlerische Befreiungsschlag, der ihn als eigenständigen Singer/Songwriter etabliert. Er sprengt das einengende Korsett der letzten Black-Crowes-Werke und schert sich im Stile eines Independentkünstlers einen Dreck um Singleauskopplungen und Hitparadentauglichkeit. Robinson kostet die neu gefundene Langsamkeit richtig aus, improvisiert ausufernd und leidenschaftlich, um das Tempo an der richtigen Stelle wieder anzuziehen. So soll es sein!

Fazit: Wer ein Faible für psychedelisch angehauchte 60er-Jahre Songwritermusik hat, wird mit diesem Album bestens bedient. Wer dagegen auf knackige Rocksongs im Dreiminutenformat steht, wird auf eine harte Probe gestellt. Geduld muss man schon mitbringen, um in die Welt der Ex-Krähe einzutauchen. Aber dann wird es richtig gut!

Anspieltipps:

  • 40 days
  • Sea of love
  • Train robbers
  • Mother of stone
  • Girl on the mountain
  • …If you see California
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