Fatboy Slim - Palookaville - Cover
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Fatboy Slim Palookaville


  • Label: Skint Records/SONY
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor gar nicht allzu langer Zeit waren die sogenannten „Big Beats“ der letzte Schrei in der Dance-Szene. Die Musik musste nicht nur tanzbar sein, nein, sie musste auch noch so richtig schön laut krachen, als würde ein Bulldozer durch eine Wand brechen. Das letzte Lebenszeichen dieser Musiksparte war der zur Fußball WM 2002 aufgenommene Elvis-Abklatsch „A little less conversation“ von Junkie XL. Ansonsten hört man nicht mehr viel aus der Ecke, da das Genre inzwischen etwas eingeschlafen ist da sich „Big Beat“-Größen wie etwa die Chemical Brothers in andere Richtungen weiterentwickelt haben. Auch Norman Cook alias Fatboy Slim schlägt einen neuen Weg ein. So zu hören auf seinem neuen Album „Palookaville“ (einer fiktiven Ortsbezeichnung, gleichbedeutend mit „Nirgendwostadt“).

Seit gut zehn Jahren ist das ehemalige „The Housemartins“-Mitglied Fatboy Slim nun schon als DJ, Remixer und Produzent unterwegs. Vier Jahre sind seit seiner letzten CD „Halfway Between The Gutter And The Stars“ ins Land gezogen. Vier Jahre, in denen sich Norman Cook keinesfalls ausgeruht hat. Er war als DJ tätig, produzierte im letzten Jahr zwei Songs für das Blur-Album „Think Tank“ und arbeitete an neuen Stücken für das nun vorliegende Album. Dabei stellte sich heraus, dass sich Cooks Herangehensweise an neue Kompositionen deutlich verändert hatte. Er bewegte sich weg von den stark Sample-orientierten Songs, die ihn berühmt gemacht hatten. Diesmal wollte er mit richtigen Musikern arbeiten. Der Plan war, nicht nur mit anderen zusammen zu arbeiten, sondern wirklich etwas Gemeinsames zu schaffen, mit richtigen Instrumenten anstelle von Samples und entschieden mehr traditionell strukturierten Songs. Natürlich dominiert immer noch der Dance-Rhythmus, doch diesmal sollte es auch Strophen, Refrains und Bridges geben.

Das erste Stück, das auf diese Weise im letzten Herbst fertig wurde, war „Long way from home“, eine Zusammenarbeit mit der jungen Band Johnny Quality aus Brighton. In derselben Woche lud Cook seinen alten Freund Justin Robertson zu sich ins Studio ein. Die beiden spielten den Song „Push and shove” ein, auf dem beide Gitarre spielten und Robertson in einem Stil sang, den Cook als „Manchester-mäßig, ungefähr so wie die Stone Roses oder die Happy Mondays“ beschreibt. Darüber hinaus folgten zwei weitere Kollaborationen. Mit Legende Bootsy Collins nahm er ein Cover des Steve-Miller-Band-Klassikers „The joker“ auf und mit einem weiteren alten Freund, Blur-Sänger Damon Albarn, den Track „Put it back together“.

Tatsächlich greift Fatboy Slim deutlich zurückhaltender in die Sample-Kiste und lässt auch die nervigen Big Beats immer häufiger vor der Tür, selbst wenn bei den Openern „Don’t let the man get you down“ und „Slash dot dash“ nochmals genau dieser Weg beschritten wird. Man will den Hörer ja nicht gleich ins Boxhorn jagen, nicht wahr? In der Summe hat sich Fatboy Slim allerdings mehr den klassischen Dance-Motiven zugewandt, wobei diese auf der einen Seite mit reichlich ungewöhnlichen Beats und Geräuschen angereichert und auf der anderen Seite mit erdiger Instrumentierung (Gitarre, Bass, Schlagzeug) in neue Gefilde geführt werden. Unterm Strich ergibt dies relativ solide Dance-Kost, die für ein bis zwei Hördurchgänge Spannung aufbauen kann. Danach legt man das ziemlich unspektakuläre „Palookaville“ wieder zu den Akten.

So wirklich zünden kann Fatboy Slim mit seinem neuen Album nicht. Er schlägt zwar hörbar neue Weg ein, doch die Substanz des Songwritings reicht nicht aus, um langfristig zu überzeugen oder auch nur einen Track im Langzeitgedächtnis des Hörers zu verankern. Das Schaffen von Norman Cook war früher um einiges interessanter und durchaus empfehlenswert. Über „Palookaville“ kann man das nicht sagen.

Anspieltipps:

  • The joker
  • Jin go la ba
  • Slash dot dash
  • Push and shove
  • Mi bebé Masoquista
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