Duran Duran - Astronaut - Cover
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Duran Duran Astronaut


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Für eingefleischte Duran-Duran-Fans sowieso ein Muss, kann dieses Album auch den Hörern empfohlen werden, die normalerweise Musik von Alan Parsons oder Chicago lieben.

„Welcome back to the show that never ends!” Mit diesem Zitat eines „Emerson, Lake & Palmer“-Albums begrüßen wir Duran Duran in der Gegenwart. Die 1978 gegründete Band spielt wieder in alter Besetzung (Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor, Andy Taylor und Roger Taylor) zusammen und bietet den gewohnt lockeren Mainstream-Pop. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass sich der neueste Duran Duran Wurf „Astronaut“ in die lange Kette mehr oder weniger belangloser Popalben einreihen wird.

Auf jeden Fall wird es sehr schwer werden, die Verkaufserfolge der Vergangenheit zu wiederholen, da in heutigen Zeiten massenhaft Alben wie dieses in verschiedenen Qualitäten auf den Markt geworfen werden. Ohne einen absoluten, und für unsere Formatradio-Machern eingängigen Titel, wird es gegenwärtig nicht mehr möglich sein, einen Top-Seller zu landen. Die meisten Radiomacher, auch dies möchte ich an dieser Stellt nicht versäumen anzumerken, sind in Ihrer Unfähigkeit, gute Musik zu spielen, nicht mehr zu toppen. Entweder werden zwischen den Werbeblöcken die immergleichen Popsongs austauschbarer Interpreten gespielt oder es werden massenhaft Comedy-Serien, die oftmals gar nicht lustig, und noch weniger intelligent sind, angeboten.

Mit „Astronaut“ ist die Chance gegeben, außer dem bereits ausgekoppelten Titel „Reach up for the sunrise“, der die oben genannten Kriterien erfüllt, etwas gehobenere Popmusik vorzustellen, die nicht nur den einförmigen Vorstellungen von radiotauglicher Musik folgt. Diese Aussage wird dadurch untermauert, dass Duran Duran bereits in der Vergangenheit durch „etwas andere Pomusik“ aufgefallen ist. Denkt man an die Zeiten zurück, als sie einen Tophit nach dem anderen hatten, erinnert man sich mit Vergnügen daran, dass sie bereits damals als Trendsetter galten und sich vom einförmigen Trallala der Konkurrenten abgehoben haben. Unverkennbarer Gesang und noch nie da gewesene Instrumentalisierungen waren das Markenzeichen dieser Combo in den 80er Jahren.

So verwundert es nicht, dass der Druan-Duran-Sound seine 80er-Jahre-Wurzeln auch heuer nicht verleugnet. Ein Song wie „Want you more“ erinnert zum Beispiel frappierend an die Band Chicago und lässt eigentlich nur den Bläsersatz vermissen. Ansonsten gefallen die Synthesizer und der groovende Beat, sowie lässig eingestreute Gitarrenriffs. Was morgen passieren wird, wissen auch wir nicht. Richtigerweise haben Duran Duran in ihrem Lied „What happens tomorrow“ erkannt, dass dies niemand vorhersagen kann. Trotzdem ist der Track musikalisch ein Nichts, weil langweilige Grooves und Synthesizergebilde den Gesang, der sehr gequält klingt, unterlegen. Sicher kein Highlight des Albums. Der Titelsong „Astronaut“ startet mit Gitarre und Gesang und hört sich an wie ein Kinderreim in Liedform. Dieser Titel kommt wie ein weichgespülter Heavy-Metal-Song daher; unterlegt man den Gesang mit den Attributen dieser Musikart, wäre er auch so spielbar.

Danach nimmt die Qualität des Albums hingegen merklich zu und die vermeintlichen Schmerzen des Hörers weichen einem Gefühl der Freude. „Bedroom toys“ ist zum Beispiel erste Sahne: Sparsame Instrumentalisierung und starkes Drumming geppart mit ausdruckstarkem Gesang, beweist die wahre Klasse von Duran Duran. Auch „Nice” lässt uns in der Zeit zurückgehen und erinnert daran, wie gut die Band früher war. Unverkennbar auch hier die Instrumentalisierung und der Gesang. Nach dem Motto „Back to the roots“ könnte dies ein Tophit werden - vorausgesetzt, der Titel wird als Single ausgekoppelt. Den Geschmack des Sommers können wir leider in diesem Jahr nicht mehr spüren. Da wird uns auch der Titel „Taste the summer“ nicht helfen können. Aber vielleicht ist das Haltbarkeitsdatum des Albums so ausgerichtet, dass wir die Frage „Can you taste the summer“ nächstes Jahr mit einem „dududu - yeah“ beantworten können. Es darf jedoch stark gezweifelt werden.

Mit „Finest hour“ steigt die Stimmung wieder, weil mit einer einfachen aber zwingenden Instrumentalisierung so etwas wie Groove entsteht und die Beine einfach nicht ruhig bleiben wollen. Auch der Titel „Chains“, mit filigranem Gitarrensound und sparsamen Drums, sowie starken Breaks und einem richtig guten Gesangspart, entschädigt für die Hänger dieser CD. Das Gleiche gilt für die musikalisch differenzierten folgenden Titel. Diese unterscheiden sich nicht in ihrer Qualität, die als überdurchschnittlich bewertet werden kann, was auf die letzten Duran-Duran-Alben nicht zutraf - und für weite Teile des gegenwärtigen Popmusikmarktes schon gar nicht.

Für eingefleischte Duran-Duran-Fans sowieso ein Muss, kann dieses Album auch den Hörern empfohlen werden, die normalerweise Musik von Alan Parsons oder Chicago lieben, da hier doch der eine oder andere Anklang zu finden ist, ohne dass die Musik an Eigenständigkeit einbüßt. Hätte man hier und da noch mehr Wert auf Qualität gelegt, würde das mit einigen Lückenfüllern ausgestattete Comebackwerk, sicher eine höhere Bewertung erhalten. Aber unterm Strich darf man mit „Astronaut“ zufrieden sein.

Anspieltipps:

  • Nice
  • Chains
  • Still breathing
  • Bedroom toys
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