Jennifer Lopez - Rebirth - Cover
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Jennifer Lopez Rebirth


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bedeutungsschwanger „Rebirth“ betitelt, hat La Lopez wieder mit dem alten Weggefährten Cory Rooney ein Dutzend Songs in eine leichtbekleidete Hochglanzhülle gesteckt.

Es gibt nicht viele Stars, über deren Privatleben die Öffentlichkeit so gut informiert ist, wie über das der singenden Schauspielerin Jennifer Lopez. Das ist natürlich kein Zufall, sondern bis zu einem gewissen Grad pure Berechnung und Teil einer ausgetüftelten Marketingstrategie. So bleibt die Dame ständig im Gespräch und ergattert trotz eines nur mäßigen Gesangs- und Schauspieltalents regelmäßig die besten Verträge der Branche. Mit ihrer Beziehung zum Schauspielerkollegen Ben Affleck setzte La Lopez allerdings ganz neue Maßstäbe in Sachen Vermarktung des eigenen Privatlebens.

Nicht nur, dass die beiden zusammen auf der Leinwand auftraten - und mit der Gangsterkomödie „Gigli“ einen katastrophalen Flop hinlegten - oder Frau Lopez in den Texten ihres Studioalbums „This Is Me... Then“ (2002) die Liebesgeschichte mit Herrn Affleck in epischer Breite unters Volk schmachtete, nein, „Bennifer“ versorgten mit unsäglicher Penetranz knapp 1½ Jahre lang die Klatschspalten der Yellow Press mit dem Possenspiel um ihre Heirat, die dann doch nicht stattfand. Dafür stand mit Marc Athony schnell der nächste Lopez-Lover parat, der dann schwuppdiwupp geheiratet wurde. Nebenbei drehte La Lopez den Tanzstreifen „Darf ich bitten?“ ab, der wiederum schwache Kritiken bekam und ihre Rollenauswahl nach „Schema F“ entlarvte.

Doch eine Lopez lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht schockieren. Schließlich stellt sich die Latina gerne als toughes Girl aus der Bronx dar („Jenny from the block“), das sich ganz alleine durchgeschlagen und nach oben gearbeitet hat. Dass diese Story inzwischen sogar von ihren Landsleuten bezweifelt und als Promotion-Fake bezeichnet wird, kümmert die Dame (wieder mal) nicht. Warum auch? Solange sie für ihre Filme Gagen in Höhe von 15 Millionen Dollar kassiert, ihre Modemarke und die Lizenzrechte fette Gewinne abwerfen und ihre Platten sich in Millionenhöhe verkaufen, braucht sich die ausgewiesene Schönheit um ihr Imperium keine Sorgen zu machen.

Am 28. Februar 2005 - und damit ein Dreivierteljahr nach dem ursprünglich geplanten VÖ-Termin - erscheint nun, nach drei Studioalben, einer Remix- und einer „Best Of“-CD, der insgesamt sechste Longplayer der amerikanischen Diva. Bedeutungsschwanger „Rebirth“ betitelt, hat La Lopez wieder mit dem alten Weggefährten Cory Rooney ein Dutzend Songs in eine leichtbekleidete Hochglanzhülle gesteckt. Zudem waren Rodney Jerkins, Timbaland, Mark Athony und Rich Harrison an der Produktion beteiligt. Als Gaststars fungieren die Rapper Fabolous und Fat Joe. Eröffnet wird „Rebirth“ vom Single-Vorboten „Get right“, einer extrem tanzbaren Club-Nummer, bei der eindeutig der Rhythmus im Vordergrund steht und eine echte Melodie weitgehend vermisst wird. Nicht weniger tanzbar, dafür mit etwas mehr Melodie ausgestattet, schmeichelt sich der R&B-Groover „Step into my world“ ins Gehör. Das gemäßigte Tempo wirkt sich positiv auf das schwachbrüstige Stimmchen von Frau Lopez aus, das bei dem Stück nicht an seine Grenzen gerät, was bei jedem Uptempo-Song ansonsten sehr schnell der Fall ist.

„Hold you down“ - als zweite Singleauskopplung geplant - featured den Rapper Fat Joe und kommt dem entsprechend als satt pumpende R&B-Ballade daher. Das ist zwar nicht sonderlich aufregend und gewiss tausendfach gehört, aber immerhin besser als das meiste Material auf „This Is Me... Then“. So richtig in die Rhythmus-Trickkiste greift „Whatever you wanna do“. Der Track zielt ähnlich wie „Get right“ auf den Dancefloor ab, legt aber mehr Wert auf Melodieführung und verbrät zudem ein Sample des Nite-Liters Songs „Con-funk-shun“. Ziemlich einfallslos sind dagegen „Cherry pie“ (ein Stück, das sich nicht zwischen retro und modern entscheiden kann und dadurch wie eine Mischung aus frühen Prince- und späten Madonna-Produktionen klingt), „I got you“ und „Ryde or die“ (zwei austauschbare 08/15-Groover, die man von Frau Lopez schon besser gehört hat), sowie „I, love“ und „He’ll be back (zwei recht simple R&B Lovesongs ohne Tiefgang). Völlig überflüssig ist zudem die J-Lo typische Verquickung von Privat- und Berufsleben in „(Can’t believe) This is me“, einer dramatisch arrangierten Kollaboration mit Ehegatte Mark Anthony.

Auch „Rebirth“ kann mit der geballten Hit-Power von „On The 6“ (1999) und „J Lo“ (2001) nicht mithalten. Im Vergleich zum schwachen Vorgänger „This Is Me... Then“ kann das Werk aber aufsteigende Tendenzen verzeichnen. Der Sound hat sich in den vergangenen sechs Jahren immer mehr vom weltweit tauglichen Massenpop hin zum US-spezifischen R&B entwickelt, der auf „Rebirth“ nun seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Gesanglich passen diese langsamen, Groove und Rhythmus orientierten Songs viel besser zu der nicht sonderlich ausgeprägten Stimme von „The Butt“. Allerdings leidet darunter die Abwechslung, die die ersten J-Lo-Werke ausgezeichnet haben. Aber man kann ja nicht alles haben. Deshalb geht „Rebirth“ gerade noch so in Ordnung.

Anspieltipps:

  • Get right
  • Still around
  • Whatever you wanna do
  • (Can’t believe) This is me
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