The Black Keys - Rubber Factory - Cover
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The Black Keys Rubber Factory


  • Label: Epitaph/SPV
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch ist die Karriere von Tellerwäschern zu Millionären für Dan Auerbach und Patrick Carney, alias The Black Keys, nicht in trockenen Tüchern. Aber wer es mit seinem Debütalbum zu vier Sternen im amerikanischen Rolling Stones bringt und in einem Atemzug mit Bands wie den White Stripes und der Jon Spencer Blues Explosion genannt wird, dem steht offensichtlich Großes bevor. Die Herren Auerbach (Gitarre, Vocals) und Carney (Drums, Percussion) schafften dieses Kunststück mit „The Big Come Up“ (2002), das nur ein Jahr später von „Thickfreakness“ abgelöst wurde - einem Werk, das in rekordverdächtigen 12 Stunden eingespielt wurde und die Kollegen der britischen Hype-Presse auf den Plan rief.

Jetzt steht bereits Silberling Nummer 3 in den Startlöchern, für den sich The Black Keys richtig Zeit ließen. Fünf Monate, von Januar bis Mai 2004, verbrachte das Duo im Sentient Sound Studio im heimischen Akron, Ohio und spielte 13 Tracks für „Rubber Factory“ ein, das für den kommerziellen Durchbruch der Band sorgen könnte. Denn hier wurde eine Platte vorgelegt, die vor Coolness nur so strotzt. Ungehobelter Garagenrock trifft auf unverschämt schrägen Mississippi-Blues. Lärmende Riffs und feine Melodien gehen Hand in Hand und sorgen für ein Rock-Erlebnis der besonderen Art. Ähnlich wie die White Stripes, die mit ihrem dritten Album „White Blood Cells“ (2001) den Durchbruch schafften, überraschen und begeistern die Black Keys mit ihrem Drittwerk „Rubber Factory“ auf ganzer Linie.

So präsentieren die beiden Musiker aus der amerikanischen Industriestadt Akron mit „All hands against his own” und „The desperate man” zwei kleine Groove-Teufelchen, die auf scheppernde Rhythmen und krächzende Vocoder-Vocals setzen. Dazu gesellen sich Gitarrensoli aus der Abteilung „Cool as Fuck“, die für das perfekte Garagen-Blues-Punk-Feeling sorgen. „When the lights go out” rumpelt blechern und schwerfällig wie eine anfahrende Dampflok im John-Lee-Hooker-Stil. „Grown so ugly” und „10 am automatic“ kombinieren schwer groovende Rhythmen mit zackigen Schrammelgitarren, ekstatischen Stromgitarrensoli und dem kurz vor der Explosion stehenden Gesang Dan Auerbachs. „Aeroplane blues” ist eine mächtig coole Rocknummer, die ihre Wurzeln, wie der Name schon sagt, im Blues hat und auch den White Stripes alle Ehre machen würde. „The lenghts“ ist eine herrliche Country-Blues-Ballade. Weinerlich, ans Herz gehend, die Last des Lebens und der Liebe auf den Schultern tragend.

„Girl is on my mind” und „Just couldn’t tie me down” sind zwar keine Jimi-Hendrix-Coverversionen, obwohl man beide Songs durchaus für solche halten könnte. Die Stücke transportierten das authentische Feeling einer Zeit, als es sich noch lohnte, eine „Foxy Lady“ zu beschwören. „Till I get my way”, „Keep me”, „Act nice and gentle” und „Stack shot Billy“ sind Noise-Blues-Tracks, direkt aus den Untiefen des Mississippi zu kommen scheinen: Laut, groovy, rau und cool bis zum Anschlag.

„Rubber Factory“ ist eine amtliche Vollbedienung für Rock-Liebhaber, die nicht auf klinisch reinen Studiosound und perfekt beherrschte Instrumente stehen. Bei den Black Keys rumpelt und rauscht es. Die Bluesgitarre quäkt, der Sänger lebt und leidet die Texte. Kurz: Hier steckt einfach Leben in der Bude und die Songs atmen den Garagen-Blues aus jeder Pore. Authentischer geht’s nimmer. Deshalb gilt: Wer sich die Wartezeit bis zum nächsten White-Stripes-Album vertreiben will und die Libertines zu affektiert findet, muss hier zuschlagen.

Anspieltipps:

  • Keep me
  • The lenghts
  • Grown so ugly
  • Girl is on my mind
  • All hands against his own
  • Just couldn’t tie me down
Dieser Artikel ging am um 12:36 Uhr online.
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