Ashlee Simpson - Autobiography - Cover
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Ashlee Simpson Autobiography


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der „Club der kleinen Schwestern” hat ein neues Mitglied bekommen. Nach Janet Jackson, Danii Minogue, Jamie Lynn Spears und Solange Knowles heißt der neue Stern am Pophimmel Ashlee Simpson. Die vier Jahre jüngere Schwester von Teen-Popstar Jessica Simpson („In This Skin“) veröffentlichte im Sommer 2004 in den USA ihr erstes Album „Autobiography“, das im Herbst auch in Europa in den Startlöchern steht. Dabei war Ashlee Simpson auch schon vor der Veröffentlichung ihrer ersten CD kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Sie wurde als jüngste Schülerin überhaupt an der School Of American Ballet angenommen, begleitete ihre große Schwester auf Tournee als Tänzerin, spielte in den TV-Serien „Eine himmlische Familie“ und „Malcolm mittendrin“ und bekam, genau wie ihre Schwester, eine eigene Show auf dem Musiksender MTV.

In den USA ist Ashlee Simpsons Musikkarriere bereits voll durch die Decke gegangen. Ihre erste Single „Pieces of me“ schnellte auf Platz 3 der Charts, gefolgt von ihrem Debütalbum, das einige Wochen den Spitzenplatz besetzte. Das Interessante an der Sache: Ashlees Musik hat mit dem weichgespülten Pop ihrer großen Schwester nicht besonders viel gemein. Ihre musikalische Ausrichtung ist vernehmlich rockiger, auch wenn sie mit „Autobiography“ den Mainstream klar im Blick hat. Doch mit Vorbildern der Marke Janis Joplin, Pat Benatar, Blondie, Fiona Apple, Hole und Green Day lässt es sich nicht so einfach im Popsumpf versinken.

Gerade in hohen Passagen erkennt man die stimmliche Verwandtschaft zu ihrer Schwester, auch wenn Jessica Simpson mit ihrer herausragenden Stimme gewiss mehr Möglichkeiten hat, als ihre Schwester. Doch sie macht durch schmalzige Popsongs („The sweetest sin“) und verunglückte Coverversionen („Angels“) einfach nicht genug aus ihrem Talent. Dass Ashlee im Vergleich stimmlich ein wenig limitiert ist, fällt aber kaum ins Gewicht, da dies in der Rockmusik zur Tagesordnung gehört. Dadurch bekommen die Songs eine eigene Note, was bei furios abrockenden Stücken wie „Lala“ durchaus charmant wirkt. Und noch etwas unterscheidet die Schwestern. Ashlee hat an ausnahmslos allen Songs des Albums mitgeschrieben, das in Zusammenarbeit mit dem ausgewiesenen Pop/Rock-Experten John Shanks (Sheryl Crow, Michelle Branch, Alanis Morissette) entstand. Allein an Shanks Mitwirken lässt sich erahnen, in welche Richtung „Autobiography“ zielt: Radiotaugliche Popmusik mit klarem Rockeinfluss, bei dem E-Gitarren dominieren und die Drums einen guten Wumms haben.

So erhält der geneigte Käufer 12 Songs, von denen ungefähr die Hälfte als überdurchschnittlich guter Pop/Rock durchgehen. Der Rest pendelt sich auf dem Niveau besseren Füllmaterials ein. Herausragend sind die zum Mitsingen einladenden Halbballaden („Giving it all away“, „Undiscovered“), der forsche Titeltrack „Autobiography“ mit seinen rotzigen Vocals, die hymnischen Tracks „Pieces of me“ und „Love makes the world go round“, das halb-akustische „Better off“ und das bereits erwähnte „Lala“. Insgesamt reicht dies für eine ungefährdete 6-Punkte-Wertung.

Liebhaber amerikanischer Mainstreammusik (die soll es tatsächlich geben!) erhalten mit dem über einen Zeitraum von fünf Monaten in den Henson Recording Studios in Hollywood eingespielten Debüts von Ashlee Simpson ein gefälliges Album, das perfekt in die Zeit passt. Nach Avril Lavigne, Fefe Dobson und Ana Johnsson kommt der nächste weibliche Twentysomething auf uns zu, der das Thema Popmusik deutlich rockiger auslegt, als es die Kolleginnen in den Vorjahren taten. Ein Hitmonster wie Avrils „Let Go“ ist „Autobiography“ zwar nicht geworden, aber schlechter als der Einstand der jungen Schwedin Ana Johnsson („Cuz I Can“) ist der Erstling von Frau Simpson auch nicht. Wohl gemerkt: Diese Einschätzung erfolgt immer aus der Sicht der Zielgruppe, denn es gibt wohl nichts nervenaufreibenderes, als mit Prog-Rock-, Klassik-, Jazz- oder Metal-Fans über den Sinn und Zweck einer mainstreamorientierten Platte zu diskutieren.

Anspieltipps:

  • Lala
  • Undiscovered
  • Pieces of me
  • Giving it all away
  • Love makes the world go round
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