Diverse - Die Hit-Giganten: Hits Der 90er - Cover
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Diverse Die Hit-Giganten: Hits Der 90er


  • Label: Maxi Media/SONY
  • Laufzeit: 140 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer (wie ich) als Kind regelmäßig mit Kassetten der ZDF-Hitparade (der Dieter, der Thomas, der Heck!!!) gequält wurde, dürfte von Compilations ein Leben lang die Schnauze voll haben. Um so größer der Schreck, als mir kürzlich der neueste Sat.1-Sampler „Die Hit-Giganten: Hits der 90er“ zur Rezension angetragen wurde. Derart vorbelastet hätte ich eine Besprechung eigentlich aufgrund von Befangenheit ablehnen müssen. Aber was tut man nicht alles? Und so grinst mich nun ein schreiend billiges Cover an und verkündet sage und schreibe 38 Songs, frisch von Rudis Resterampe. Das kann ja heiter werden...

Das inzwischen sechste Doppelalbum aus der „Hit-Giganten“-Serie präsentiert die üblichen Verdächten aus zehn Jahren Euro-Dance-Pop, kurz: die größten Hits der 90er Jahre, bekannt aus Funk und Fernsehen – und natürlich durch die gleichnamige Sat.1-Fernsehshow, moderiert von Hugo Egon Balder. Zusammen mit seinen prominenten Gästen auf der Star-Couch und in der Bluebox kommentiert Balder die Songs und tauscht Erinnerungen aus, die durch kleine Einspieler und Live-Auftritte garniert werden. So gibt es ein Wiedersehen bzw. -hören mit Acts wie Culture Beat, Dr. Alban, C+C Music Factory, Wes, Nana, Coolio, East 17, Aqua, Whigfield und vielen mehr.

Wir hören noch einmal den dicken Turbo B. von Snap!, der behauptet, der Rhythmus sei ein Tänzer („Rhythm is a dancer“). Der zweitberühmteste Zahnarzt nach dem FIFA-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, Dr. Alban, erzählt einen Schwank aus seinem Leben („It’s my life“), Technotronic pumpen die Marmelade auf („Pump up the jam“), die C+C Music Factory bringt uns zum Schwitzen („Gonna make you sweat“), Scatman Johns Stimme überschlägt sich bis zum Zungenkrampf („Scatman“), Whigfield singt quietschvergnügt in den Fön („Saturday night“), Lene Nyström von Aqua bestätigt weiterhin das Nichtvorhandensein einer Gesangsstimme („Barbie girl“) und die unvermeidlichen Scooter dumm-dröhnen ihr niveauloses „Hyper hyper“.

Doch neben all dem Dance-Trash verstecken sich auch ein paar hochklassige Songs aus den Charts der 90er Jahre auf dem Album. Die Schweden von Ace Of Base liefern das Original ihres oft kopierten, stilprägenden Sounds („The sign“), The Rembrandts entlarven sich nochmals mit Nachdruck als klassisches One-Hit-Wonder („Just the way it is baby“), die Spin Doctors sind mit ihrem gnadenlosen Ohrwurm „Two princess“ vertreten, Robert Miles präsentiert den charttauglichen Vorreiter der Trance-Welle („Children“), Coolio belegt, dass er neben dem Ausrauben von Klamottengeschäften im schwäbischen Böblingen durchaus etwas von HipHop und Rap versteht („Gangsta’s paradise“) und Dune zeigen, dass man Queen-Songs auch mit Anstand covern kann („Who want’s to live forever“).

Compilation-Freunde, die mit der „Euro Dance Music“ der 90er Jahre aufgewachsen sind, werden mit diesem prall gefüllten Doppelalbum gewiss ihre Freude haben. Zwar lässt sich hier und da über die Daseinsberechtigung einzelner Songs streiten, doch sollte man bedenken, dass dies auch immer eine Frage der Rechte ist. Der Sampler-Markt ist zwar in den letzten Jahren total zusammengebrochen, aber mit der Sat.1-Werbepower im Rücken wird sicher auch die sechste Ausgabe der Hit-Giganten in die Charts einziehen. Denn irgendwo da draußen gibt es bestimmt noch ein paar aufrechte Compilation-Käufer, die nicht unter den Spätfolgen der ZDF Hitparade leiden.

Anspieltipps:

  • Snap! – „Rhythm is a dancer“
  • Culture Beat – „Mr. Vain”
  • C+C Music Factory – „Gonna make you sweat”
  • Jam & Spoon – „Righ in the night”
  • Robert Miles – „Children”
  • Ace Of Base – „The sign”
  • The Rembrandts – „Just the way it is, baby”
  • Vangelis – „Conquest of paradise”
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