Die Toten Hosen - Zurück Zum Glück - Cover
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Die Toten Hosen Zurück Zum Glück


  • Label: JKP/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

"Wir wollten uns selbst beweisen, dass wir noch ein Brett fahren können. Gleichzeitig wollten wir aber auch Grenzen sprengen und uns an Neuland rantrauen."

„Und wieder ist ein Jahr vorüber und wieder ist mein Bierglas leer / Und wieder ein paar Falten und auch ´ne Tätowierung mehr / Irgendeine Liebe war’s irgendwann mal wert / Werden wir uns jemals ändern?“ Die Toten Hosen ziehen in groben, philosophischen Zügen Bilanz und versuchen, nach ihrer eigenen, gemächlichen Definition von „Unsterblich“ (1999) und einem „Auswärtsspiel“ (2002) der, im direkten Vergleich dazu, deutlich härteren Gangart, wieder „Zurück zum Glück“ zu finden. Wie so etwas in den (großteils) deutschsprachigen Texten und der Musik der Hosen abgehandelt wird, die weit über tausend Konzerte in aller Heeren Länder gespielt haben und vor allem in den letzten Jahren vom Pech verfolgt wurden? Die Antwort lautet: Punk ade, Metal olé!

Natürlich haben es wir hier nicht mit Tracks zu tun, die ein Mörderriff nach dem anderen abliefern und Campino durchgehend unverständliches Zeug brüllt, sondern rein die Tendenz zur Genreerweiterung ist ersichtlich. Davon zeugen gleich der treibende Opener „Kopf oder Zahl“, der Anschluss „Wir sind der Weg“, das Riffing und der Aufbau in „Weißes Rauschen“, das stellenweise an Rammstein erinnernde „Beten“ (ohne die brummige Stimme eines Lindemann natürlich) oder der mit herrlich deutschen Akzent vorgetragene englische Song „How do you feel?“. Dass die fünf Herren im fortgeschrittenen Bandstadium (schließlich gibt es sie schon seit über 20 Jahren) auf einen derartigen kraftvollen und rasanten Zug aufspringen und auf einem Longplayer vereinen liegt nicht etwa an künstlerischem Stillstand, sondern "wir wollten uns selbst beweisen, dass wir noch ein Brett fahren können. Gleichzeitig wollten wir aber auch Grenzen sprengen und uns an Neuland rantrauen, das wir früher nicht betreten hätten. Das Ganze soll wirklich keine Grundaussage oder etwas Wegweisendes haben.“ Richtig! Wirkliche Pionierarbeit leisten sie mit „Zurück zum Glück“ sicher nicht, aber für DTH-Fans ist der ungewohnte harte Klang eine gelungene Erfrischung.

Wer mit dieser durchaus schrofferen Seite nichts anfangen kann, dem bleiben noch die typischen Hosen-Balladen wie „Ich bin die Sehnsucht in Dir“ oder „Alles wird vorübergehen“ und die Mitgrölnummern „Freunde“, „Zurück zum Glück“, „Goldener Westen“ und „Walkampf“. Mit „Herz brennt“, „Am Ende“ und „Die Behauptung“ gibt es noch drei langsamere Tracks, die durch die solide gesangliche Leistung von Campino und die spärliche Instrumentierung in den beiden zuerst genannten und dem Einsatz einer von Apocalyptica gewohnten Untermalung in letzterem, überzeugen. Kurz gesagt hat sich das Quartett zwar nicht neu erfunden, aber alte Stärken wieder gekonnt eingesetzt und eine neue, kantige, heftige hinzugefügt.

Anspieltipps:

  • Beten
  • Walkampf
  • Herz brennt
  • Die Behauptung
  • Wir sind der Weg
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