Papa Roach - Getting Away With Murder - Cover
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Papa Roach Getting Away With Murder


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Papa Roach überraschen mit staubtrockenen Rockern, zielen mit wohlkalkulierten Hits auf die Charts und zelebrieren rapfreien New-Metal. Leider tummeln sich auf der Platte aber auch Stücke, die nur durch Gleichklang auffallen.

Ohne sich in leeren Businessphrasen zu verheddern ist klar: Mit ihrem dritten Major-Album „Getting Away With Murder“ gilt es für Papa Roach zu beweisen, dass der Erfolg von „Infest“ (2000) keine Eintagsfliege und der kommerzielle Flop des anspruchsvollen Nachfolgers „LoveHateTragedy“ (2002) ein einmaliger Ausrutscher war. Ansonsten dürften die Tage der Nu-Rock-Pioniere gezählt sein, denn das Geschäft ist in den letzten Jahren immer härter geworden. Nicht profitable Künstler werden konsequent vor die Tür gesetzt, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen - egal, wie viel Platten sie in der Vergangenheit verkauft haben. Deshalb dürfte auch der Streit von Papa Roach mit ihrer Plattenfirma nicht besonders förderlich gewesen sein, die die Veröffentlichung des fertigen Albums immer weiter hinausschob. Doch jetzt ist es endlich soweit und viele Millionen „Infest“-Käufer lauern auf adäquaten Nachschub des Quartetts aus Kalifornien.

Das Songmaterial für den dritten Papa Roach Silberling hat die Band weitgehend während der „LoveHateTragedy“-Tour geschrieben. Eine Methode, die von vielen Künstlern zwar nicht geliebt, aber aus Termindruck immer wieder praktiziert wird. Daheim in Sacramento wurden die Song-Ideen dann in Demos umgewandelt, bis man rund 30 Songs auf Lager hatte. Doch bis es mit Produzent Howard Benson (Blindside, Motörhead, P.O.D., Hoobastank, Cold) ins Studio ging, hatten Papa Roach die Songauswahl auf 12 Stücke eingedampft, die sie soweit arrangiert und vorproduziert hatten, dass es mit den Aufnahmen recht flott von der Hand gehen sollte. Dabei kam es allerdings vor, dass einzelne Tracks so oft komplett umgekrempelt wurden, bis sie ein völlig anderes Gesicht hatten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Denn Studiozeit ist extrem teuer und hat schon viele Gruppen in den Wahnsinn getrieben.

Auch wenn die Rap-Parts im Hause Papa Roach inzwischen in den Hintergrund getreten, bzw. ganz verschwunden sind, ist das Nu-Rock-Feeling immer noch allgegenwärtig. Schließlich kommt es nicht nur auf einen (verzichtbaren) Pseudo-Rap im Mittelteil, sondern auf die Kompositionstechnik an. Und diese verrät ganz eindeutig die Ursprünge von Papa Roach. So auch auf „Getting Away With Murder“. Doch macht es Sinn, eine Band deshalb zu verurteilen und ein für alle Mal abzustempeln? Soll man einer Rockband tatsächlich ihren Erfolg vorwerfen und sie deshalb lapidar als Mainstream abtun? Ist es nicht viel mehr so, dass die Grenzen zwischen Mainstream- und Independent-Act immer mehr verwischen, angesichts miserabler Verkaufszahlen, die dafür sorgen, dass man bereits mit wenigen tausend verkauften CDs in die Media Control Charts einzieht? Ganz offensichtlich zündet diese Argumentation nicht mehr 100%ig. Also geben wir Papa Roach eine neue Chance, sich als Rockband zu beweisen.

Es mag klischeehaft klingen, aber einen Reifeprozess muss man den vier Jungs schon attestieren. Und das nicht nur, weil sie auf ihrem neuen Werk erstmalig politische Themen aufgreifen. So verurteilt „Tyranny of normality“ korrupte Regierungen und „Blanket of fear“ behandelt die paranoide Angst der amerikanischen Bevölkerung vor Krieg und Terrorismus. Nein, auch musikalisch hat sich einiges getan. Jerry Horton (Gitarre), Tobin Esperance (Bass), Dave Bruckner (Drums) und Jacoby Shaddix (Vocals) sind auf dem Weg zu einer klassischen Hardrockband, die mit sicherer Hand und fetter Produktion für Kurzweil bei Genrefans sorgt. Dass dies nicht gleich als Meisterwerk durchgeht, hat aber auch seine Gründe.

Papa Roach überraschen zwar mit staubtrockenen Rockern mit AC/DC-Riffing („Be free“), zielen mit wohlkalkulierten Hits auf die Charts („Scars“), zelebrieren rapfreien New-Metal aus der ersten Rock-Liga („Done with you“) und überzeugen mit meisterlichen Refrains („Not listening“), doch leider tummeln sich auf „Getting Away With Murder“ auch einige Stücke, die lediglich durch wenig abwechslungsreichen Gleichklang auffallen. Füllmaterial, das bei 38 Minuten Spielzeit natürlich unangenehm hervorsticht. Verteufeln sollte man Papa Roach für ihren Major-Drittling aber nicht. Ein „Infest 2004“ ist nicht in Sicht. Dafür bietet das Album überwiegend starkes Songwriting, das durch Melodien, harte Riffs und einen markant shoutenden Coby Dick, sorry, Jacoby Shaddix im Gehör hängen bleibt. Damit kann man durchaus zufrieden sein.

Anspieltipps:

  • Scars
  • Be free
  • Take me
  • Not listening
  • Done with you
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