Gretchen Wilson - Here For The Party - Cover
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Gretchen Wilson Here For The Party


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Nu-Metal, Nu-Rock und Nu-Jazz. Aber auch schon mal etwas von Nu-Country gehört? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Die Bezeichnung Nu-Country ist einfach nur eine neue Kategorisierung der Plattenindustrie, um das Thema Country Music auch außerhalb der USA bekannter zu machen. Dabei bedarf es gar nicht solcher Schubladen. Es reicht vollkommen aus, so feine Alben wie „Here For The Party“ von Gretchen Wilson zu veröffentlichen, das nicht krampfhaft auf den Pop-Markt schielt, sondern authentische Country Music bietet, die von Herzen kommt.

Gretchen Wilson ist der Shootingstar der Szene. Mit ihrer wunderbaren Single „Redneck woman“ stürmte sie als erste Country-Musikerin seit über zwei Jahren die Spitze der amerikanischen Billboard Charts. Ihr Debütalbum „Here For The Party“ stieg direkt auf Platz 2 ein und verkaufte sich in der ersten Woche mehr als 227.000 Mal. Das sind Zahlen, wie man sie in Zeiten schwächelnder Absätze nicht mehr für möglich gehalten hat. Hört man sich ihr Album an, weiß man allerdings sofort, weshalb die Menschen ganz verrückt auf Frau Wilson sind.

Die 31 Jährige stammt aus der Kleinstadt Pocahontas im Bundesstaat Illinois. Sie wuchs in sogenannten Trailer-Parks in recht ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 23 zog Gretchen in die Country-Hochburg Nashville, wo sie mühsam an ihrer Musikkarriere arbeitete und nebenher kellnerte. Nach sieben Jahren harter Arbeit bekam sie dann endlich den erhofften Plattenvertrag bei Epic Records (Sony Music Nashville). Die Vorabsingle „Redneck woman“ schlug im Winter 2003 ein wie eine Bombe, sodass man sich im Hause Sony mit der Veröffentlichung des Debütalbums „Here For The Party“ richtig beeilen musste, um den Schwung der Single mitzunehmen. Wie wir sehen, hat dies eindrucksvoll funktioniert. Seit Mai 2004 ist das Album nun auf dem Markt und verkauft sich wie geschnitten Brot. Zeit, es jetzt auch in Europa zu vermarkten, wo lediglich in das Pop-Segment abgewanderte Ex-Country-Stars wie Faith Hill und Shania Twain bekannt sind.

Mit „Redneck woman“ schuf Gretchen Wilson eine gewitzte Hymne für die „White Trash“- und „Working Class“-Gesellschaft, die sich autobiografisch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt: „Well I ain’t never been the Barbie doll type. No I can’t swig that sweet Champagne. I’d rather drink beer all night in a tavern or in a honky tonk or on a 4 wheel drive tailgat. I’m a redneck woman. I ain’t no high class broad. I’m just a product of my raisin’. I say hey ya’ll and yee haw. Hell yeah!”. Aber nicht nur der bekannte Single-Track weiß zu begeistern. Gretchen Wilson und ihr Songschreiberkollege John Rich bringen in der knappen Spielzeit von gerade mal 38 Minuten mindestens sechs hochkarätige Country-Songs unter. So ist der Titeltrack „Here for the party“ ein beschwingt rockender Song mit stampfendem Rhythmus und wilden Honky Tonk Piano-Einlagen. „Holdin’ you“ und „When I think about cheatin’“ sind herzerweichende Balladen, wobei letzte mit sparsamer Percussion, Piano- und Lap-Steel-Guitar-Tupfern heraussticht. Die Coverversion „Chariot“ (im Original von Leslie Satcher) ist ein rundum gelungener Gospel-Country-Rap und „What happened“ ist eine zurückhaltende Akustiknummer, die in ihrer Eindringlichkeit an Songs von Norah Jones erinnert.

Gretchen Wilson legt mit ihrem Debüt ein Album vor, das sich nicht an gängige Popmusik-Schemata anbiedert, aber trotzdem neue Elemente in die Country Music einbringt. Dazu ist es gar nicht notwendig, die Musik neu zu erfinden. Durch die Rückbesinnung auf alte Stärken des Country, der mit viel Herz und frischen Ideen vorgetragen wird, steht am Ende ein Ausnahmewerk, das ein brach liegendes Genre auf Vordermann bringt. Nur so kann es funktionieren und nicht durch erfundene Schubladen wie Nu-Country.

Anspieltipps:

  • Chariot
  • Holdin’ you
  • What happened
  • Redneck woman
  • When I think about cheatin’
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