Embrace - Out Of Nothing - Cover
Große Ansicht

Embrace Out Of Nothing


  • Label: Independiente/SONY
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz eines Nummer-1-Albums in England und Talent im Überfluss, hat es für Embrace nie zum ganz großen Wurf gereicht. Tatsachen, an denen schon so manche Band zerbrochen ist. Auch um Embrace musste man sich kurzzeitig Sorgen machen. Nach drei Top-10-Alben und einer eilig zusammengestellten „Best Of“-Platte („Fireworks: Singles 1997 - 2002“) hieß es bei ihrer alten Plattenfirma „Hut“ denselbigen zu nehmen (sic!). Und plötzlich war für zwei Jahre Sendepause. Dabei fing alles so gut an...

Als Embrace im Sommer 1997 mit ihrer grandiosen Debütsingle „All you good good people“ das erste Mal auf sich aufmerksam machen, balgten sich gerade die depperten Gallagher-Brüder von Oasis mit den Jungs von Blur um den BritPop-Thron. Zwar erklimmt ihr Debütalbum „The Good Will Out“ (1998) die Spitze der Charts, doch da stehen schon längst die nächsten BritPopper in den Startlöchern, um von der Presse gnadenlos abgefeiert zu werden: Travis und Radiohead. So reichte es für die Band um das irische Brüderpaar Richard und Danny McNamara lediglich zu einem Nischendasein. Kurz rein in die Top 20 und tschüss!

Und jetzt der Neuanfang mit dem vierten Studioalbum „Out Of Nothing“, das in dreimonatiger Studioarbeit mit Producer-Legende Youth (Killing Joke, The Verve, Heather Nova, James, The Orb) entstand. Ein totaler Horror für Danny McNamara (Vocals), Richard McNamara (Gitarre), Mickey Dale (Keyboards), Michael Heaton (Drums) und Steven Firth (Bass), wie die Band noch Monate nach Fertigstellung des Albums resümiert. Mit ca. 500 Songs und Fragmenten im Gepäck, ging es in Studio. Doch nach vielen Jahren der Kontrollhoheit traf die Band mit Youth auf einen hartnäckigen Künstler und Produzenten, der sehr genaue Vorstellungen vom „neuen“ Embrace-Sound hatte. Nicht selten rief Danny McNamara seinen Manager flehend an, Herrn Youth mitzuteilen, wer der eigentliche Boss ist. Aber am Ende waren beide Seiten glücklich. McNamara konnte seine liebgewonnenen „Big Tunes“ unterbringen und Youth kitzelte aus der Band „more fucking Soul“ heraus.

„Out Of Nothing“ startet wirklich furios, wie es in diesem Jahr nur auf wenigen Alben zu hören war. Vier, fünf Songs am Stück, die fraglos zum Besten zählen, was die Band jemals eingespielt hat. Da ist zum einen der treibende Opener „Ashes“, mit seinem ansteckenden Optimismus, der sich sofort als Ohrwurm entpuppt, oder die erste Singleauskopplung „Gravity“ aus der Feder von Coldplay, mit deren Sänger Chris Martin Danny McNamara seit seiner Jugend befreundet ist. Chris Martin über „Gravity“: „Wir lieben Embrace und Danny ist einer meiner besten Freunde. Als wir den Song schrieben, hatten wir das Gefühl, dass er sehr viel besser zu Embrace passe als zu uns. Also habe ich Danny gefragt, ob ihm der Track gefalle ­ und das war’s dann“. Tja, Glück gehabt. Denn mit „Gravity“ haben Coldplay einen Grower hergegeben, der sich durch seinen hymnischen Aufbau ganz langsam an den Hörer heranschmiegt, um dann in bester „The Scientist“-Manier zu explodieren.

Doch auch Eigenkompositionen wie „Someday“ sind dem Bombast nicht abgeneigt. Große Melodien, noch größere Chöre und ein hoch dramatischer Songaufbau sind die Grundzutaten für McNamaras „Big Tunes“. „More fucking Soul“ hat dagegen die epische Ballade „Looking as you are“, bei der Danny McNamara eine Gänsehaut erzeugende Gesangsperformance hinlegt. Das sind die ganz großen Popsongs, für die Songschreiber töten würden. „Wish ’em all away” ist ein Song, der stilistisch hervorragend auf das letzte Cardigans-Album gepasst hätte. Akustische Gitarren und schneidige Mundharmonikaparts, gepaart mir sehnsüchtigen Vocals. Kleine Meisterwerke im großen Sound-Gewand. Eine Einladung zum Träumen.

Wer einmal Gefallen am Breitwandsound von Embrace gefunden hat, wird mit „Out Of Nothing“ ein Album ohne Schwächen vorfinden. Vollendeter BritPop, mit gnadenloser Melodieverliebtheit, oft an der Grenze zum Kitsch, aber niemals darüber. Zehn Songs, von denen fünf das Zeug zu Klassikern haben und die andere Hälfte ebenfalls noch weit über dem Durchschnitt rangiert. Ganz großes Tennis, mit dem eigentlich jeder Travis- und/oder Coldplay-Liebhaber etwas anfangen können sollte.

Anspieltipps:

  • Ashes
  • Gravity
  • Keeping
  • Someday
  • Looking as you are
Neue Kritiken im Genre „BritPop“
8/10

Urban Hymns (20th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Embrace“
comments powered by Disqus