Slut - All We Need Is Silence - Cover
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Slut All We Need Is Silence


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 37 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bis vor wenigen Jahren war der Name „slut“ für fünf Ingolstädter Bubis, die von ihren Fans liebevoll „Slutties“ genannt wurden, reine Ironie. Die Musik der Bayern hatte so gar nichts anrüchig-perverses, sondern klang wie eine Mischung aus Radiohead, Placebo und Coldplay, ohne jedoch jemals allzu böse oder wütend zu klingen, sondern vordergründig wohltuend melancholisch. Das war bis „Lookbook“ so, jenem Album, das wie „OK Computer“ auf deutsch klang und zu 80 % auf dem Klavier komponiert wurde.

Mit „Nothing Will Go Wrong“ wagten Chris Neuburger (Gitarre, Gesang), dessen Bruder Matthias Neuburger (Schlagzeug), Rene Arbeithuber (Keyboard), Rainer Schaller (Gitarre) und Gerd Rosenacker (Bass) den Neuanfang: Die Gitarren sollten laut aufjaulen, es war von Krieg und Zerstörung die Rede und überhaupt klangen Slut so hart wie nie zuvor. Und auf „All We Need Is Silence“ setzt sich diese Tendenz eindeutig fort. Schon im Opener „The Beginning“ fordert Neuburger nichts anderes als „Let's make war instead of love“. Ungefähr das exakte Gegenteil von dem, was so ziemlich alle Indie-Kapellen, ja selbst Metal-Bands dieser Welt fordern. „All We Need Is Silence“ - das kompromisslose Hass-Album, das politischste ihrer Karriere?

Diese These muss nicht unbedingt bestätigt werden, denn wenn die Texte auch deutlich von einer recht frustrierten („Wasted“) und zynischen („All We Need Is Silence“)Wolke gekennzeichnet sind und Christian Neuburger zum ersten Mal seit langem wieder richtig schreit und kaum wiederzuerkennen ist („Wasted“ und „Cosmopolite“), so enthält doch „All We Need Is Silence“ vordergründig wunderschönen, melancholischen Rock, der besser klingt als so ziemlich alles, was in diesem Jahr auf dem Gebiet des gepflegten Indie veröffentlicht wurde.

Eine wunderbare Songperle reiht sich an die nächste, mal laut, dann wieder extrem leise, getragen von nie dagewesenen Hooks. Ein so herzzerreißend schönes Lied wie „Staggered And Torn“ zum Beispiel haben selbst Slut noch nicht geschrieben. Bis zum unglaublich intensiven, schönen Abschluss „Get Lost Get Lost“, halten Slut spielend die Stimmung auftrecht und langweilen nie. Wer gedacht hatte, nach „Nothing Will Go Wrong“ könnten sich die Ingolstädter nicht mehr steigern, wird eindeutig eines besseres belehrt: „All We Need Is Silence“ ist das beste Album ihrer Karriere und stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie gut deutsche Musik sein kann, wenn sie nur will.

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  • 2017    
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