Radio 4 - Stealing Of A Nation - Cover
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Radio 4 Stealing Of A Nation


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Radio 4 mit ihrem Album „Gotham!” vor 2½ Jahren direkt aus dem New Yorker Underground in die Charts schossen, lieferten sie völlig unvorhergesehen den Soundtrack für eine Stadt ab, die seit Monaten unter den Folgen des 11. Septembers 2001 litt. Während der Aufnahmen zu „Gotham!” im Sommer 2001 konnte noch niemand ahnen, welches Desaster Amerika und der Welt bevorstand. Und so artete das zweite Radio-4-Werk im nachhinein zu einer politischen Tanzparty aus, die in Form eines wütenden Dance-Rockalbums, das mit Titeln wie „Save your city“ und „Our town“ eindeutige Botschaften transportierte, mitbestimmend für die neue Club-Kultur im Big Apple war. New Yorker Bands wie Interpol, The Rapture, The Strokes, Le Tigre und eben Radio 4 stellen seitdem die Speerspitze einer ganz neuen Rock-Generation dar, die quasi direkt von der Strasse bzw. aus den Clubs zu plattenproduzierenden Rock-Ikonen aufstiegen.

Jetzt melden sich Anthony Roman (Bass, Vocals), Tommy Williams (Gitarre), Greg Collins (Drums), PJ O´Connor (Percussion) und Gerard Garone (Keyboards) mit ihrem dritten Album „Stealing Of A Nation“ zurück, das, wie der Name schon andeutet, wiederum politische Ambitionen hegt. So ist der Titel genauso als Synonym für die Präsidentschaftswahlen vor vier Jahren zu verstehen, wie für die Invasion der Amerikaner im Irak. Songs wie „State of alert“ beschäftigen sich mit der Panik der Menschen seit 9/11 und „No reaction“ stellt die Vorstellung vom apathischen Volk Amerikas in Frage. Der Opener „Party chrashers“ handelt davon, was passiert, wenn man den Bürgern das Feiern verbieten will, so wie New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani, der das Tanzen in den Clubs verbieten wollte. Dance-Rock und Politik – eine ganz neue Art der Meinungsmache.

„Stealing Of A Nation“ wurde von Max Heyes (Primal Scream, Doves, Trans Am) in den Excello und Seaside Lounge Studios in Brooklyn, New York produziert. In völlig entspannter Atmosphäre (das Excello Studio ist eine umgebaute, unterirdische Lagerhalle) und ganz ohne Druck von außen, nahm die Band 12 Songs für ihr neues Album auf, das Anfang September 2004 über Labels/EMI veröffentlicht wurde. Stilistisch wurde der Kurs von „Gotham!“ beibehalten. Das heißt, dass auch heuer treibender Dance-Punk- oder Rock den Ton angibt. Allerdings klingen die neuen Stücke wesentlich sauberer produziert, was dem Album ein wenig die raue Attitüde des hochgelobten Vorgängers raubt. Bei „Stealing Of A Nation“ steht eindeutig der Groove im Vordergrund, was zu einem (auf Dauer) unangenehmen Gleichklang der Stücke führt. Zwar fiepen die Synthies, bollert der Bass und schrammeln die Gitarren, doch ungestüme Dance-Rock-Klassiker, wie wir sie auf „Gotham!“ fanden („Dance to the underground“!!), bleiben diesmal leider aus. Ecken und Kanten fielen der Produktion zum Opfer. Stil und Atmosphäre ebenfalls.

Das dritte Radio-4-Werk ist eine dieser Platten, für die offensichtlich die Skip-Taste an der Fernbedienung erfunden wurde. Denn was das Quintett aus dem Big Apple hier abliefert, ist schlicht enttäuschend und lahm. Radio 4 drehen sich kompositorisch im Kreis, bieten monotone Dance-Beats und überwiegend ereignislose Songs, die man kaum länger als zwei Minuten am Stück erträgt. In einem Dance-Club mögen die Stücke vielleicht funktionieren – auf CD definitiv nicht.

Anspieltipps:

  • Nation
  • State of alert
  • Absolute affirmation
  • (Give me all your) money
  • The death of american radio
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