Thom. - Istory - Cover
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Thom. Istory


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Thom. heißt eigentlich Thomas Hanreich, ist ehemaliger Sänger der wunderbaren Rockband Vivid und seit einem Jahr auf Solopfaden unterwegs. Am 20. September 2004 veröffentlicht er zum zweiten Mal sein Debütalbum. Wie bitte? Ja, richtig gelesen. Mit dem Re-Release von „Gods & Monsters“ unter dem neuen Titel „Istory“ schlägt die Musikindustrie eine neue, heitere Kapriole, die allerdings in gewisser Weise nachvollziehbar ist. Denn für die Werbekampagne zum neuen 1er BMW hat Thom. den Song „Principle of joy“ zur Verfügung gestellt, der sogar als Single veröffentlicht wurde und der Aufhänger für die überarbeitete Debüt-CD ist.

Nach elf Jahren Bandleben brachte der 32-Jährige Musiker aus Salzgitter vor fast genau einem Jahr sein Solodebüt heraus, das zwar durch einige hochkarätige Songs auffiel, in den Charts aber für wenig Furore sorgte. Gute Kritiken sind halt nicht gleichbedeutend mit hohen Abverkaufszahlen. Sicher auch aus diesem Grund folgt nun der zweite Versuch, das Thom.-Debüt in den Charts zu platzieren. Für dieses Unterfangen wurde das ursprüngliche „Gods & Monsters“-Album einmal kräftig durchgeschüttelt und um die Songs „Principle of joy“, „Leave it all behind“, „Behind the moon“ und „My endless game“ ergänzt. Dazu wurde der Song „Love is real” um gut eine Minute gekürzt. Gestrichen wurden die Tracks „Spend the day with me“, „Time“, „A kind of war“, „Stay”, „The wake”, „My fault” und „Out of here“. Doch was hat das Großreinemachen im Hause Thom. gebracht?

Nach wie vor steht das großartige, an Coldplay gemahnende „Where you are“ an erster Stelle, um die Richtung der nächsten knapp 50 Minuten vorzugeben: Alternative, sehr erwachsen klingende Popmusik, mit einem Faible für schöne Melodien und ungewöhnliche Arrangements. Eine Sparte, die besonders in Deutschland unterrepräsentiert ist. Doch Thom. versteht sein Handwerk außerordentlich gut und legt mit „Istory“ eine ausgewogene Songsammlung vor, die ihn als echtes Pop-Chamäleon ausweist. Exemplarisch für die Wandlungsfähigkeit von Thomas Hanreichs Stimme und der Extraklasse seiner Kompositionskunst stehen dabei die Songs „Leave it all behind“ und „Principle of joy“, die auch aus der Feder von Bono (U2) stammen könnten und das experimentelle „The sound of my life“, das ohne weiteres auf Radioheads „Kid A“ hätte stattfinden können. Mit „My endless game“, „My love is real“ und „This is not Berlin” sind zudem drei äußerst atmosphärische, von TripHop angehauchte Track vertreten. Nur bei „Behind the moon“ hat sich Thomas Hanreich etwas zu sehr bei der Konkurrenz bedient und ganze Tonläufe von Dusty Springfields „In private“ kopiert, ohne dafür Credits zu verteilen. Hoffentlich merkt das keiner, sonst könnte es teuer werden.

Nichtsdestotrotz ist „Istory“ ein sehr schönes Adult-Popalbum geworden, das nicht mit modernen Klängen geizt und doch als klassisches Erwachsenen-Popalbum durchgeht.

Anspieltipps:

  • Where you are
  • Principle of joy
  • Behind the moon
  • Leave it all behind
  • The city in the sea
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