Therapy? - Never Apologise Never Explain - Cover
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Therapy? Never Apologise Never Explain


  • Label: Spitfire Records/EDEL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Therapy?-Produktionen sind in den letzten Jahren immer rotziger und ungeschliffener geworden.

Wer träumt als Musiker nicht davon, einmal im Leben einen großen Hit zu haben? Sich eine treue Fanbase zu erspielen, richtig viel Geld zu verdienen, um danach tun und lassen zu können, was man will. Eine wahrhaft herrliche Vorstellung, die man ohne das nötige Hintergrundwissen auch auf die nordirische Rockband Therapy? projizieren könnte. Diese hatte in den frühen 90er Jahren das Glück, mit „Troublegum“ (1994) ein herausragendes Album abzuliefern, das exakt den Zeitgeist traf und mal eben fünf Hitsingles abwarf. Mehr als 750.000 verkaufte CDs und die Auszeichnung „the new Metallica“ waren der Lohn, was die Band amüsiert zur Kenntnis nahm.

Obwohl Therapy? plötzlich in sämtlichen Hitparaden vertreten waren, wusste die Band sehr genau, woher sie kam und wohin sie wollte. Mit den geschniegelten Rockstars, die bei Top Of The Pops auftraten, hatte sie jedenfalls nichts zu tun. Die Einflüsse der 1989 von Andy Cairns gegründeten Band lagen viel mehr in beinhartem Punk- und Hardrock, so wie ihn Motörhead, The Stooges, Hüsker Dü oder die Butthole Surfers spielten. Trotzdem ergatterten Therapy? nach zwei Independent-Alben („Babyteeth“, 1991 und „Pleasure Death“, 1992) einen Vertrag beim Major Label A&M Records. Diesem blieben die Nordiren fünf Jahre und vier Studioalben treu, ehe auch sie die grassierende Fusionswelle unter den großen Plattenfirmen erwischte und Therapy? auf die Abschussliste befördert wurde.

Im Oktober 1999 meldete sich die Band auf dem Label ARK 21 Records von Ex-IRS-Boss Miles Copeland zurück. Das extrem raue Album „Suicide Pact – You First“ enthielt allerdings keine Single und ging entsprechend schnell im vorweihnachtlichen Markt unter – obwohl die Kritiken durchaus wohlwollend waren. Mit „Shameless“ (2001) ist die ARK-21-Geschichte auch schon wieder beendet und Therapy? ziehen zum Label Spitfire Records weiter, wo 2003 das „High Anxiety“-Album erscheint. Doch schon im Frühjahr 2004 ist die Band wieder im Proberaum und spielt neue Songs für ihr zehntes Studioalbum ein. Inzwischen zum Trio geschrumpft, soll für Andy Cairns (Vocals, Gitarre), Michael KcKeegan (Bass) und Neil Cooper (Drums) mit „Never Apologise Never Explain“ der Weg zurück in die Hitparaden führen, ohne auf gesellschaftskritische Texte und derben Garagen-Rock zu verzichten. Daher stammt wohl auch der Titel, der soviel wie „niemals entschuldigen, niemals erklären“ bedeutet.

Therapy?-Produktionen sind in den letzten Jahren immer rotziger und ungeschliffener geworden. Zeitweise verzichteten die Nordiren sogar ganz auf mehrheitsfähige Melodien und gaben sich vollkommen einer Mischung aus Noise-Rock und Garagen-Band-Geschrammel hin. Davor macht auch „Never Apologise Never Explain“ keinen Halt. Allerdings kehren so langsam wieder Melodien in das Liedgut des Trios zurück, die sich mit dem ´94er Hitalbum „Troublegum“ messen lassen können. So ist gleich der Opener „Rise up“ ein rhythmisches Feuerwerk aus groovenden Bassläufen, rumpelnden Drums und krachigen Gitarren, das direkt in den fiesen Rock-Bastard „Die like a motherfucker“ mündet, bei dem die Gitarren zeitweise tatsächlich nach den seligen Sonic Youth klingen. Auch „Perish the thought“ kann mit Nirvana-eskem Noise-Chaos. Henry-Rollins-Vocals und einer hitparadentauglichen Hookline überzeugen. Tja, und wenn dann noch zwei Tracks wie „Panic!“ und „Here be monsters“ eindeutig vom Gitarrensound des letzten Metallica-Albums „St. Anger“ inspiriert daherkommen, ist bereits eine überdurchschnittliche Albumhälfte besiegelt.

Leider können Therapy? das Niveau nicht über die gesamte Spielzeit des Albums halten. Ab und zu schleichen sich nämlich auch ein paar schwächere Songs zwischen die insgesamt 13 Stücke, die das Trio in den Park Gate Studio in Hastings, wieder unter Mithilfe des „High Anxiety“-Produzenten Pete Bartlett, eingespielt hat. Dennoch befinden sich Therapy? auf dem richten Weg. Ohne ihren rauen Gesamtsound zu vernachlässigen, hat die Band ihr Händchen für Melodien und fette Gitarrenriffs wiederentdeckt. Irgendwo zwischen Rock, Punk, Grunge und Metal haben sich die Nordiren eine eigene kleine Nische gesucht, die sie mit „Never Apologise Never Explain“ höchst anständig verteidigen.

Anspieltipps:

  • Panic!
  • Here be monsters
  • Perish the thought
  • Rock you monkeys
  • Die like a motherfucker
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