William Shatner - Has Been - Cover
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William Shatner Has Been


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Has Been“ mutet wie ein wilder Parforceritt durch verschiedene musikalische Stilarten an.

Willkommen auf unserem T(R)aumschiff. Sternzeit spielt keine Rolle, denn Captain Kork sprech-singt wieder. Auf den Schreck brauch ich erst mal ’ne Käsesahne. Aber echt, ey! Was bei Michael „Bully“ Herbig als witzige Comedy-Nummer durchgehen würde, wird Anfang Oktober bittere Realität. Die 73-jährige Science-Fiction-Ikone William Shatner („Raumschiff Enterprise”) bringt nämlich 36 Jahre nach seinem belächelten Debütwerk „The Transformed Man“ (1968) ein neues Album heraus. Darauf hat die Welt gewartet. Oder etwa nicht?

„Has Been“, so der Titel, wurde von Singer/Songwriter Ben Folds produziert, mitgeschrieben und fast komplett in seinem Studio in Nashville aufgenommen. Als Studiomusiker betätigten sich Schlagzeuger Matt Chamberlain (Tori Amos, Fiona Apple), Bassist Sebastian Steinberg (Soul Coughing), Gitarrist Jon Auer (The Posies) und Ben Folds am Piano. Dazu gesellte sich eine erlesene Schar von musikalischen Gästen, Fans und Freunden. Als da wären: Aimee Mann, Brad Paisley, die Grammy-Preisträger Joe Jackson und Henry Rollins, Gitarrist Adrian Belew und das britische Ambient-Duo Lemon Jelly. Entstanden ist eine überraschend poppige Songsammlung, die auch die Fremdkomposition „That’s me trying“, das Folds in Zusammenarbeit mit „High Fidelity“-Autor Nick Hornby schrieb, „Real“ aus der Feder von Brad Paisly und die Pulp Coverversion „Common people“ enthält.

Die Geschichte des Albums begann Anfang 2004, als die Geschäftführer des US-Labels „Shout! Factory“ Shatner vorschlugen, ein neues Album aufzunehmen. Im Verlauf der Gespräche erwähnte der Schauspieler, dass sein Freund Ben Folds ihn ebenfalls seit einiger Zeit zu einem solchen Vorhaben überreden wolle. Man kam schnell überein, machte den Deal perfekt und Shatner begann zu schreiben.

„Has Been“ mutet wie ein wilder Parforceritt durch verschiedene musikalische Stilarten an. In etwa vergleichbar mit dem verschachtelten Storytelling eines Robert Altman oder Quentin Tarantino, werden die Songs nur durch Shatners charakteristische Stimme zusammengehalten, die sich wie ein roter Faden durch das Albums zieht. Ansonsten ergeben die zehn Tracks einen ziemlich bunten Haufen aus atmosphärischen Erzähl-Balladen („It hasn’t happened yet“), aus denen vor allem „That’s me trying“ mit Ben Folds am Piano und der wunderbaren Aimee Mann als Chorstimme hervorsticht, amerikanischem Schlager der 50er Jahre („Familiar love“), aberwitzigen Tex-Mex-Adaptionen („Has been“), kruden Spoken-Word-Songs („Ideal woman”), Country- & Bluesballaden („Real“), pluckernden Elektro-Tracks („Together“) und gewitzten Pop/Rocksongs („Common people“).

Darüber hinaus werden in „I can’t get behind that“ die Fronten klar getrennt, indem sich William Shatner als Vertreter des gesprochenen Wortes beweist, während Henry „The Throat” Rollins wieder einmal klarstellt, dass er die Abteilung des gebrüllten Wortes vertritt. „You’ll have time“ verkörpert zudem eine ziemlich düstere Variante der Bierzelt-Romantik mit Lebens- und Sterbensweisheiten, die alles andere als beruhigend sind („Live life like you’re gonna die. Because you’re gonna. I hate to be the bearer of bad news. But you’re gonna die…”).

„Has Been” ist gewiss kein alltägliches Album, das zum flüchtigen Nebenbeikonsum einlädt oder als Pflichtkauf für „Star Trek“-Fans gilt. Der kanadische Ex-Raumschiffführer liefert mit seiner zweiten Platte wiederum ein reichlich verschrobenes Singer/Songwriterwerk ab, das zwar ein paar ganz nette Momente bereithält, unterm Strich aber kaum Spektakuläres bietet, das den unbedingten Kauf dieser CD rechtfertigt. Betrachten wir „Has Been“ viel mehr als eine öffentlich gemachte Freuzeitbeschäftigung eines in die Jahre gekommenen Schauspielers.

Anspieltipps:

  • Real - Feat. Brad Paisley
  • Common people - Feat. Joe Jackson
  • I can’t get behind that - Feat. Henry Rollins
  • That’s me trying - Feat. Aimee Mann & Ben Folds
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