Bryan Adams - Room Service - Cover
Große Ansicht

Bryan Adams Room Service


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Room Service“ klingt wie ein eilig zusammengeschustertes Werk ohne Biss, das nur auf Drängen der Plattenfirma eingespielt wurde.

Lasst es uns noch einmal runterbeten: Bryan Adams gehört zu den absoluten Top-Sellern der Branche. Seine Songs haben ganze Generationen begleitet. Er pachtete weltweit die ersten Ränge der Hitparaden, lieferte beeindruckende Rockshows auf den größten Bühnen des Globus ab und gewann zahlreiche Auszeichnungen – darunter einen Grammy und einen American Music Award. Wirklich nicht schlecht für eine 25-jährige Karriere. Doch da gibt es noch etwas. Und zwar einen Makel, der Bryan Adams eine Menge Fans der ersten Tage kostete. Denn der 45-jährige Kandier hat sich langsam aber sicher zu einem Balladen-Onkel entwickelt, dem höchstens Jon Bon Jovi das Wasser reichen kann.

Schmachtfetzen wie „Everything I do (I do it for you“), „All for love“, „Have you ever really loved a woman?“ und „Please forgive me” stehen stellvertretend dafür, dass sich Herr Adams schon vor langer Zeit das obligatorische Holzfällerhemd ausgezogen und gegen Designerklamotten eingetauscht hat. Und genau so klingen inzwischen auch die meisten seiner Songs: Steril, gelackt, ohne Ecken und Kanten - einfach langweiliger Designer-Pop fürs Formatradio. Schön, dass wir fünf Jahre Ruhe davon hatten. Doch jetzt ist der Spaß zu Ende. Mit dem Album „Room Service“ meldet sich Bryan Adams rechtzeitig fürs Weihnachtsgeschäft zurück und präsentiert dabei ein Konzept, dass einem das Messer in der Hose aufzugehen droht. Man erfährt aus dem Booklet, dass die elf Songs in Hotelzimmern verschiedener Top-Hotels auf der ganzen Welt aufgenommen wurden. Mailand („Vier Jahreszeiten“), Berlin („Adlon“), Paris („Ritz“), Wien („Imperial“), Köln („Hyatt“), Prag („Savoy“), Zürich („Widder“) und so weiter und sofort. Das ist zwar mächtig beeindruckend, aber in keiner Weise innovativ.

Und da man in Hotelzimmern in der Regel keinen Rabatz machen darf und Ruhe bewahren sollte (Sie wissen schon, die Gäste....), klingen die meisten Songs auf „Room Service“ wie? Genau, (un)angenehm ruhig. Nur nicht auffallen lautet die Devise. Der Balladen-Onkel ist wieder da! Allerdings: Wer sich nach geschlagenen fünf Jahren Plattenpause traut, ein Album mit diesem „Konzept“ vorzulegen, das sich mehr nach der Freizeitbeschäftigung eines Multimillionärs anhört, muss sich fragen lassen, ob er überhaupt noch Lust auf den Job als Musiker hat.

„Room Service“ klingt wie ein eilig zusammengeschustertes Werk ohne Biss, das nur auf Drängen der Plattenfirma eingespielt wurde. Zwei, höchstens drei, mehr oder weniger anständige Rocksongs („East side story“, „Room service“ und „Open road“), die als typischer, fußballstadionerprobter Schunkel-Rock durchgehen, bilden den Rahmen für eine erneute Überdosis Balladen („Not Romeo not Juliet”) und blutarme, halbakustische Popsongs („This side of paradise“). Echte Großtaten finden sich keine. Dafür liefert Bryan Adams mit „Flying” eine schmierige Edel-Kitsch-Ballade ab, die selbst Rod Stewart ablehnen würde, wobei gruselige Textpassagen der Sorte „Let’s just make love all night“ auch sehr gut zu dem schottischen Ex-Womanizer passen würden.

Einen Bryan Adams in dieser Form braucht eigentlich niemand. Fans und Hausfrauen einmal ausgenommen. „Room Service“ ist einfach nur langweilig und entspricht damit haargenau den letzten Veröffentlichungen des Kanadiers. Ach, hätte er uns doch nur verschont und seinen Spruch aus dem Song „Flying“ wahrgemacht: „We are flying so high. We are never gonna come down”. Wir hätten es dir gedankt, Bryan!

Anspieltipps:

  • Open road
  • Room service
  • Nowhere fast
  • This side of paradise
  • She’s a little too good for me
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
7.5/10

Colors
  • 2017    
Diskutiere über „Bryan Adams“
comments powered by Disqus