James Last - They Call Me Hansi - Cover
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James Last They Call Me Hansi


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„They Call me Hansi“ ist nicht das überschwänglich angepriesene Mega-Geburtstagsalbum, das bei jedem als Pflichtkauf auf dem Einkaufszettel stehen sollte.

Ich lach mich tot, da ist er wieder! Nein, nicht James Last, sondern Xavier Naidoo, der Mannheimer Bub, der grundsätzlich zu allen Kollaborationsangeboten ja sagt. Hat der Bursche eigentlich keine Hobbys? In den letzten Jahren gab es nämlich kaum einen Tribut-Sampler, eine Newcomer-Aufbauhilfe oder eine wohltätige bzw. politische Single, an dessen Produktion der Vorsteher der Söhne Mannheims nicht teilgenommen hat. Und zum 75. Geburtstag der deutschen Musik-Ikone James Last leistet der „Hans Dampf in allen Gassen“ selbstredend auch wieder einen Beitrag. Eine echte Arbeitsmaschine, der Xavier. Doch sei’s drum. Hier und jetzt geht es um James Last.

Hans („James“) Last hat in seiner Karriere zwischen 80 und 100 Millionen Tonträger verkauft. So genau weiß man das gar nicht. Er ist der Erfinder des „Happy Sound“ und der „Non Stop Dancing Parties“. Die heutige „Generation Golf“ hat den wohl erfolgreichsten Orchesterchef der Welt von diversen 70er Jahre Samstagabendshows in Erinnerung, wo er, meist in grell-weiße Anzüge gekleidet, seine Big Band dirigierte und damit feierlich die Wochenenden im Wirtschaftswunderland einleitete. Schöne heile Welt, auch wenn diese lange Zeit als total uncool galt. Doch ähnlich wie bei Johnny Cash, dem großen alten Mann der Country Music, der leider im letzten Jahr verstorben ist, entdeckt nun die junge Musikergeneration den großen alten Mann der Party-Orchester. P. Diddy sampelte den James-Last-Titel „Fantasy“ auf seinem Album „The Saga Continues“, die Hamburger HipHopper Fettes Brot produzierten zusammen mit Last den kongenialen Song „Ruf mich an“ und Kult-Regisseur Quentin Tarantino verwendete „Der einsame Hirte“ im „Kill Bill Vol. 1“-Soundtrack. Daraus entstand auch die Neuumsetzung „The lonely shephard“ mit Wu-Tang-Clan-Rapper RZA. Er planiert eine der berühmtesten Melodien der Musikgeschichte mit seinen gewohnt rüden Raps, die im völligen Gegensatz zur heilen Welt des einsamen Hirten stehen. Jan Delay von den (Absoluten) Beginnern nahm sich mit seiner charismatischen Stimme „Fantasy 2004“ vor und machte mit „Halt es fest“ etwas komplett anderes aus dem Titel, ohne dass die 20 Jahre alten Wurzeln des Liedes verraten werden. Hier bemerkt man die neuen, klanglichen Vorlieben des in Florida lebenden Orchesterchefs.

Grönemeyer-Produzent Alex Silva koordinierte das Album „They Call Me Hansi“ - eine Anspielung auf James Lasts Plattenfirma, die ungefragt den Künstlernamen James Last für Hans Last auf das erste Plattencover druckte -, das mit einer ganzen Reihe Topstars der heutigen Musikszene aufwarten kann, aber auch die eine oder andere Überraschung bereithält. Von den insgesamt zehn Songs präsentieren Till Brönner und Derek Watkins mit „Windmills of your mind“ einen trippigen Trompeten-Jazz, Herbert Grönemeyer zauberte aus dem Last-Arrangement zu „Live again / Immer und noch mal“ einen atmosphärischen Popsong im Stil seines letzten Studioalbums „Mensch“, „Tiger“ Tom Jones besingt im TripHop-Stil „Little green apples“, die blutjunge Klassik-Pop Newcomerin Hayley Westenra aus Neuseeland bekam ihren Song „Across the universe of time“ in einen sphärischen Ethno-Popper umgestylt und für Luciano Pavarotti bearbeitete James Last den Welterfolg „Caruso“ auf Basis von Flügelhorn, Streichern und Synthesizern.

Allzweckwaffe Xavier Naidoo war sofort Feuer und Flamme für „Everything reminds me of you“, einem getragenen Soul-Popsong mit 50er Jahre Streicherarrangement. Doch der Höhepunkt des Albums ist der für Nina Hagen geschriebene Titel „Die Liebe siegt immer / Love will survive“, der HipHop, Bossa Nova und Nina Hagens unvergleichliche Stimme verheiratet. Zum Ausklang folgt eine unbearbeitete Originalversion von „Fool“. Elvis Presley suchte sich diesen Song damals als Nachfolger zu „In the ghetto“ aus und reihte ihn in die endlose Liste seiner Klassiker ein. Tja, wer hat’s gewusst, dass James Last auch für den King geschrieben hat?

„They Call me Hansi“ ist sicher nicht das überschwänglich angepriesene Mega-Geburtstagsalbum, das bei jedem als Pflichtkauf auf dem Einkaufszettel stehen sollte. Es handelt sich aber auch nicht um eine schlechte Platte, die man einfach so vernachlässigen kann. Das Album richtet sich an alle, die die Musik von James Last in zum Teil neu bearbeiteten Versionen in Kooperation mit verschiedenen Kollegen kennen lernen möchten oder einfach neugierig darauf sind, was der große alte Mann der „Non Stop Dancing Parties“ anno 2004 auf die Beine stellt.

Anspieltipps:

  • Love will survive - Nina Hagen
  • The lonely shephard - RZA
  • Halt es fest - Jan Delay
  • Caruso - Pavarotti
  • Fool - Elvis Presley
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