The Beautiful South - Golddiggas, Headnodders And Pholk Songs - Cover
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The Beautiful South Golddiggas, Headnodders And Pholk Songs


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sind wir doch mal ehrlich, Cover- und Tribut-Alben sind in aller Regel langweilig, da das Schema immer dasselbe ist: Metalbands covern Metalbands, Popstars covern Popstars und Rockgruppen covern Rockgruppen. Meistens auch noch originalgetreu, Note für Note. Fazit: Spannend ist was anderes. Trotzdem ziehen weiterhin plündernde Horden durch die Archive, um gecasteten Möchtegern-Superstars mit einem bekannten Song den Karrierestart zu erleichtern oder um alternden Megastars das x-te „Greatest Hits“-Album mit ein bis zwei Evergreens als Bonustracks aufzuwerten.

Vor nunmehr 15 Jahren löste sich mit den Housemartins („Caravan of love“) eine der interessantesten Popgruppen Englands auf. Die beiden Masterminds Paul Heaton und Norman Cook blieben dem Musikbusiness allerdings erhalten. Cook sattelte auf DJ und Remixer um und machte sich als Fatboy Slim einen Namen in der Big-Beat-Szene („You’ve Come A Long Way, Baby“). Paul Heaton rief die Band The Beautiful South ins Leben, die seit ihrem ´89er Debütalbum „Welcome To The Beautiful South“ zu den erfolgreichsten Popgruppen im UK gehört. Nach zehn Alben in 14 Jahren für den Polygram Konzern hat die Band nun das Plattenlabel gewechselt und bei Sony Music unterschrieben. Ihren Einstand beim japanischen Branchenriesen geben The Beautiful South mit einem Coveralbum. Wie originell...

In der Besetzung Paul Heaton (Vocals), Dave Hemingway (Vocals), Alison Wheeler (Vocals), Sean Welch (Bass), Dave Rotheray (Gitarre) und David Stead (Drums) spielten die Nordengländer 12 Songs für das „Golddiggas, Heandnodders & Pholk Songs“ betitelte Album ein, die unterschiedlicher nicht sein können. Ob bekannte Soul-Stücke, Disco-Smasher, Rock-Hymnen oder Pophits - The Beautiful South haben sich ihre persönlichen Lieblingssongs vorgenommen und in ein neues Gewand aus folkigem Pop gekleidet. Dass dabei nicht jeder Schuss ein Treffer ist, versteht sich von selbst, liegt aber auch am recht obskuren Geschmack der Briten. So befindet sich mit „Living thing“ eine Neuinterpretation des E.L.O. Kuschelsongs auf der Platte, obwohl die Band seit jeher von der Musikpresse gehasst wurde und zu den peinlichsten Combos der 70er und 80er Jahre gezählt wird. The Beautiful South bescheren dem Stück einen leichten Country Touch, der die süßliche Melodie umschmeichelt.

Eine ebenso zwiespältige Angelegenheit ist „You’re the one that I want“, der wunderbar trashige Klassiker aus dem „Grease“ Musical-Film. Nach eigenen Angaben ist das Original von Olivia Newton-John und John Travolta nicht zu überbieten. Deshalb haben The Beautiful South etwas völlig anderes aus dem Song gebastelt. Nämlich ein schwermütiges „Kneipen-Duett“ zwischen Paul Heaton und Alison Wheeler. „Ciao“ ist die nur unter schwersten Mühen geglückte Neuauflage des hypernervösen Fuzzy-Popsongs von Lush, gefolgt von „Valentine“, einer Ballade von Willie Nelson - einem der großen alten Männer der Country Music. „Don’t fear the reaper“ der New Yorker Düsterrocker Blue Öyster Cult wird aus einer geheimnisvollen Rockhymne in einen groovigen Happy-Song mit Latin-Piano-Riffs umgewandelt und „Blitzkrieg bop“ ist eine der zahlreichen Mitgrölhymen der legendären Ramones, die nun als verschlanktes Popliedchen vorliegt. Höhepunkt der Songsammlung ist unbestritten „Don’t Stop moving”, einer dieser doof-genialen Popsongs, die sich sofort ins Gehör einbrennen und jeden mit guter Laune anstecken. Im Original von den britischen Hupfdohlen S Club 7 mit viel Tempo und Groove dargeboten, ziehen The Beautiful South die Notbremse und präsentieren den modernen Dance-Klassiker als gemächlich swingenden Folksong.

Wie schon angedeutet, kann nicht alles auf „Golddiggas, Headnodders & Pholk Songs“ überzeugen. Aus mittelprächtigen Vorlagen lassen sich eben im nachhinein keine Diamanten schleifen. Ein ums andere Mal plätschern die Songs zahnlos vor sich hin, ohne nachhaltig Wirkung zu erzielen. Unterm Strich kann „Golddiggas, Headnodders & Pholk Songs“ deshalb nur als Zwischenstation gewertet werden. Ein Album, das die Band ihrem neuen Label zum Einstand geschenkt hat. Quasi als Überbrückung, bis The Beautiful South neues Eigenmaterial vorlegen können.

Anspieltipps:

  • Living thing
  • Ths old skin
  • Blitzkrieg bop
  • Don’t Stop moving
  • You’re the one that I want
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