Annett Louisan - Bohème - Cover
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Annett Louisan Bohème


  • Label: 105 Music/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Annett Louisan trifft mit „Bohème“ voll ins Schwarze.

So eigenartig wie einzigartig: Annett Louisans Debütalbum „Bohème“ liefert die wohl außergewöhnlichste Songsammlung eines deutschsprachigen Künstlers in diesem Jahr. Mit hinreißend kindlicher Elfenstimme und großen Kulleraugen präsentiert die Kunststudentin feingeistige Chansons, bei denen es genau hinzuhören heißt. 12 kleine Songjuwelen, die hauptsächlich um das Thema Mann und Frau kreisen, eingespielt mit zurückhaltender Instrumentierung durch Akustikgitarre, Piano, Kontrabass, Mandoline, Streichern und etwas Schlagwerk. Kurz: Genau das richtige Album für herbstliche Stunden zu zweit.

Die musikalische Darbietung auf „Bohème“ ist wirklich als außergewöhnlich zu bezeichnen. Annett Louisan thematisiert die kleinen Gemeinheiten des Liebeslebens mit liederlichen Pop-Perlen und zuckersüßen Boulevardjazz-Arrangements. Sie beruft sich dabei auf das natürlich überlieferte Frauenwissen aus Jahrhunderten. Doch sind es ihre Vorlagen und ihre Geschichten, aus denen die Texte in enger Zusammenarbeit mit Textpartner und Produzent Frank Ramond so pointiert und präzise entstanden sind. Erfahrungen und Stories, die das Team in erstklassige Songs schmiedete, die in Bezug auf inhaltliche Raffinesse und die leichtfüßigen Melodien ihres gleichen suchen.

Die 25-Jährige (geboren in der Altmark, wohnhaft in Hamburg) nimmt den Hörer mit ihrer zarten Stimme total gefangen und fesselt ihn ganz unangestrengt von der ersten bis zur letzten Minute. Dabei sind es vor allem die frechen Texte, die mal zart gehaucht oder kokett geträllert, eine charmante Mischung mit den fabelhaften Kompositionen eingehen („Du sagst du zahlst das allerletzte Mal die Miete für mich mit. Kein Bock auf meine Lügen und mein Leben auf Kredit. Und gestern mein Benehmen, das ging dir echt zu weit. Die Nacht war lang und ich 'n bisschen breit. Das sind die Dinge, die mich auch stören. Ich kriege scheinbar irgendwie den Hals nicht voll... Ich bin total daneben und das Maß ist voll. Ich würd’ ja damit aufhören, doch ich weiß nicht wo ich damit anfangen soll. Ich brauche sehr viel Nähe und die möglichst komplett. Mit dir kann man gut reden, aber er ist gut im Bett. Ich hab dich wieder vorgeführt und bloßgestellt vor Allen. Du sagst ich tu das alles nur um aufzufallen... mag sein!“).

Annett Louisan trifft mit „Bohème“ voll ins Schwarze. Deutsche Texte, kein Pop und (ganz wichtig!) kein Schlager, dafür in eine sehr warm klingende Produktion eingebettete Chansons mit authentischen Beschreibungen von Liebe und Leben. Ein Album, das aus der breiten Masse wie ein funkelnder Diamant heraussticht. Hoffentlich erfahren genügend Menschen davon, dass es da draußen so was gibt. Wie sagt Annett Louisan so schön: „Scheiße, bin ich verliebt...“. Dito.

Anspieltipps:

  • Die Katze
  • Das Gefühl
  • Die Formel
  • Der Blender
  • Die Trägheit
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