John Frusciante - Curtains - Cover
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John Frusciante Curtains


  • Label: Record Collection
  • Laufzeit: 34 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

John Frusciante hat mit „Curtains“ ein schier unglaubliches Meisterwerk geschaffen.

Immer wieder schaffen es manche Menschen durch irgendwelche irrsinnigen Höchstleistungen, ihren Körper und Geist bis an den Rand des Machbaren zu treiben. Was für den Sport ein Marathonlauf durch die Sahara und für Lebensmüde Freeclimbing an hohen Steilwänden ist, hat John Frusciante versucht für die Musikwelt zu erreichen. Mit den Veröffentlichungen von 6 Longplayern in nur sechs Monaten ist ihm dies auch zweifelsohne gelungen. Mit dem Werk „Curtains“ beendet er nun eine Serie, wofür die meisten seiner Kollegen wohl ein ganzes Jahrzehnt benötigt hätten.

Relativ unbekannt als Solokünstler, ist John Anthony Frusciante (das im übrigen Froo- shon- tay ausgesprochen wird) kein Geringerer als der alte und neue Gitarrist der Red Hot Chilli Peppers. Mit seinen 34 Jahren hat er bereits eine beachtliche Karriere im Musikgeschäft mit allen Höhen und Tiefen hinter sich. Im zarten Alter von 18 Jahren stieß er, nach dem Drogentod von Hillel Slovak, zu den „Peppers“. Dank dem jungen Frusciante an ihrer Seite gelang ihnen ´91 mit dem Album „Blood Sugar Sex Magik“ der Durchbruch, was zu einem wahren Crossover-Boom führte. Um mit dem plötzlichen Ruhm umgehen zu können, verfiel Frusciante genau wie Sänger Anthony Kiedis immer mehr den Drogen. Als menschliches Wrack verlässt er von heute auf morgen die Band. Die nächsten fünf Jahre verbrachte er einsam und allein in seinem Haus in L.A. Anfangs noch aus rein idealistischen Gründen veröffentlichte er mit „Niandra Lades and Usually Just A T-Shirt“ seine ersten privaten Aufnahmen. Dass der kommerzielle Erfolg ausblieb störte ihn anfangs noch recht wenig, aber um seinen Drogenkonsum weiter finanzieren zu können, folgte 1997 das stark vom Heroin kontrollierte Album „Smile From Where The Streets You Hold“, das inzwischen vom Markt genommen wurde und bei Sammlern Höchstpreise erzielt. Im gleichen Jahr unterzieht er sich einer Entziehungskur und heuert ´98 wieder bei den Chilli Peppers an.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und mit „Curtains“ präsentiert er sein vorerst letztes Solowerk. Leider muss man sagen, denn was Frusciante hier zu Platte gebracht hat, ist schlichtweg unglaublich. In alter Manier eines Bob Dylan oder Cat Stevens beginnt er mit dem akustischen Gitarrenstück „The past recedes“, einem absolut nicht kitschigen Folksong, der überraschend aufhorchen lässt und nach mehr schreit. Gleich im Anschluss erklingt mit „Lever pulled“ ein Lied welches durch das warme Gitarrenspiel und dem emotionalen Gesang tief unter die Haut dringt und sich bis zum Herzen gräbt. Überraschendes hält er bei „Control“ bereit: Wunderbarere Wechsel von Laut und Leise, Schnell und Langsam, mit behutsamen Gitarrensolo im Hintergrund. Multitalent Frusciante, der fast alle Instrumente selbst einspielte, holte sich mit Ken Wild, Omar Rodrigues (beide von der Band The Mars Volta) und Carla Azar (von Autolux) Verstärkung ins Boot, welche bei dem Titel „Anne“ fest mit anpacken und ihm zu einem der schönsten Titel des Albums verhelfen. Doch auch mit Titeln wie „The real“ oder „A name“ befinden sich reihenweise wunderbare Songs auf dem Album.

John Frusciante hat mit „Curtains“ ein schier unglaubliches Meisterwerk geschaffen. In jeder Sekunde hört man, dass hier weder Plattenfirmen noch finanziellen Interessen, sondern nur Idealismus hinter dem Release Marathon stehen. Er geht ganz weit zurück in die Musikgeschichte und hat einfach mehr als nur Musik aufgenommen. Jeder Ton auf dieser Scheibe ist ehrlich gemeint, und am Ende bleibt das Gefühl, tief in die Seele eines Menschen geblickt haben.

Anspieltipps:

  • Anne
  • Controll
  • The Real
  • Lever Pulled
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