Brings - Su Lang Mer Noch Am Lääve Sin - Cover
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Brings Su Lang Mer Noch Am Lääve Sin


  • Label: Na klar!/BMG
  • Laufzeit: 64 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Band Brings aus Köln zählte mal zu den hoffnungsvollsten Rockgruppen in Deutschland. Mit ihrem von Ex-Bap-Gitarrist Klaus Heuser produzierten Debütalbum „Zwei Zoote Minsche“ aus dem Jahr 1991 traten vier junge Musiker an, die Vormachtstellung der Mundartrocker von Bap anzugreifen. In der Folgezeit entstand ein gutes Album nach dem anderen. Lieder wie „Kölle“, „Katharina“, „Et ränt en d’r Rhing“, „Nix is verjesse“, „Loss die Maske falle“, „Will nur dich“, „Toni, küss d’r Asphalt“ und „Nach Süden“ wurden zu zeitlosen Klassikern.

Im Januar 2001 erschien „Superjeilezick“, das zu einem markanten Einschnitt in der Karriere der Kölner führte. Der Titeltrack entwickelte sich zu einem fulminanten Karnevalshit, der Brings plötzlich ungeahnte Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten offenbarte. Auch der Nachfolger „Puddelrüh“ (Februar 2003) erschien termingerecht zur Karnevalszeit und enthielt ebenfalls ein paar musikalische Anspielungen auf die fünfte Jahreszeit. Der künstlerische Abstieg wurde dann mit dem 2004er Werk „Poppe Kaate Danze“ eingeläutet, das sich allzu offensichtlich an der Beschallung von Festsälen in und um Köln orientierte. Auf dem Album befand sich auch der Song „Su lang mer noch am Lääve sin“, der zum Titeltrack des 2005er Werks werden sollte. Mit dieser CD fand der Karnevalswahn der Kölner seinen traurigen Höhepunkt.

Eröffnet wird das Album mit der Coverversion „Man müsste noch mal 20 sein“, die den Takt für die nächste Stunde angibt. Mit flottem Humba Tätärä zum Schunkeln und Mitsingen („Drieß jet drop“), fetten Bläserriffs („Spring“, „Mer trecke op d’r Mond“) und zackigen Gitarreneinlagen („Alle Mann“) empfiehlt sich die Band zu 100% für Karl Moiks Musikantenstadl. Für die Fans der ersten Alben dürfte diese Lightversion der Höhner unerträglich sein. Der Band ist’s scheinbar egal. Sie ruft ihre Hörer gnadenlos zur guten Laune auf („Loss mer singe“, „Loss mer danze“, „Spring“), performt halbgare Roadsongs („Ich fahr...“), macht auf Ska-Kapelle („Su lang mer noch am Lääve sin“) und covert sich sogar ganz schlecht selbst („Kölle“). Ist das bitter...

Es ist auf keinen Fall so, dass der Rezensent mit falschen Erwartungen an „Su lang mer noch am Lääve sin“ herangegangen ist. Viel mehr wird der Text vom Entsetzen über den Niedergang einer ehemals herausragenden Band bestimmt, der wohl auch auf dem nächsten Album (geplante VÖ, natürlich, im Januar/Februar 2006) weitergehen wird.

Anspieltipps:

  • Dräume jon
  • Stäne sinn
  • Dich verjess ich nie
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