Dein Schatten - Das Ewige Eis - Cover
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Dein Schatten Das Ewige Eis


  • Label: Badd Boyzz Roxx Records
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ein schwarzer See vor dem ich steh, ich muss da durch, es tut so weh...“. Mit dem Zitat aus dem „Dein Schatten“-Titel „Abschied“ beginnt eine schwierige Kritikgeburt.

Der mittlerweile 50-jährige Dieter „BornZero“ Bornschlegel kann künstlerisch alles darstellen was im Gothic-Genre notwendig ist. Dies tut er auf hohem Niveau. Hier zeigt er sein musikalisches Können. Bornschlegel kann mittlerweile auf eine beachtenswerte, 30-jährige musikalische Vergangenheit verweisen. So hat der Gitarrist und Songschreiber bei wirklich eindrucksvollen Bands aus der „Krautrock“-Zeit mitgewirkt. Ob Manni Neumaiers Guru Guru, Inga Rumpfs Atlantis oder Helmut Hattler von der Jazzrock-Formation Kraan. Der Kenner dieser Szene weiß, welche hochkarätigen Musiker hinter diesen Namen verborgen sind und welches musikalische Potential bis heute hier aktiv ist. Daneben hat BornZero, um seine musikalische Bandbreite zu erweitern, auch mit Schlagergrößen wie Costa Cordalis oder Marianne Rosenberg, mit Alt-Rocker Peter Kraus oder mit der deutschen Rocksängerin Anne Haigis zusammengespielt. Er selbst spricht heute von künstlerischen Ausrutschern. Seine Begabung lebte er daneben im Verfassen von Hörspielen sowie Werbemusiken aus.

Dieter „BornZero“ Bornschlegel hat mit seinem Endzeitwerk „Das Ewige Eis“, das jetzt endlich auch bei uns zu erwerben ist, eine weitere dunkelschwarze Gothic-Rock-Scheibe zusammengestellt. Sie handelt von den dunklen Seiten einer spiritistischen Welt, von Tod und Teufel, Kannibalismus und Gott. Textlich ist hier alles zusammengewürfelt, was den Otto-Normalbürger - auch Spießer genannt - provozieren und abschrecken kann. Ob gediegene Blasphemie im Stück „Schuld und Sünde“ das mit dem „Vater Unser“ beginnt und klar und deutlich kundtut, was der Interpret vom Christentum hält oder bei der Feststellung „Er kommt zurück“, wo der Fürst der Dunkelheit herbeigerufen wird, um die Welt zu beherrschen. Textlich ist BornZero der Provokant in Reinkultur, was zur Folge haben wird, dass kein Radiosender die Songs dieser CD jemals in sein Programm aufnehmen wird. Ausnahme ist vielleicht das Stück „Woanders sein“, das als Radio Edit ausgewiesen ist und musikalischen Mainstream in Topgüte darstellt. Auch der Text ist nicht so offensichtlich provokant ist wie andere Titel. Der Titel „Dein Schatten“ erinnert an das geniale Gitarrespiel von Jimi Hendrix, der Text beginnt im Stile einer Marlene Dietrich und endet in martialischem Gesang. Der Mix macht’s, denkt sich BornZero. Das kann sein, ist jedoch Geschmackssache.

Widersprüchlich ist der Titel „Respekt“", der gegen Fremdenhass und Neofaschismus agitiert. Hier sind Textteile aus dunkler deutscher Vorzeit zu finden („... suchst du dein Heil in Sieg“ oder „... als Held verewigen“). Respekt BornZero für diesen Titel. Bei dieser Gelegenheit soll nicht unerwähnt bleiben, dass Dieter Bornschlegel bei der Initiative „Reden statt Gewalt“, des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen, der Musikschule Bochum sowie weiteren Initiatoren aktiv ist und diese Initiative unterstützt. Auch hierfür verdient er Respekt, dies auch aus dem Grunde, dass Mitstreiter von ihm aus Angst vor Gewalt des rechten Mobs aus dem Projekt wieder ausgestiegen sind.

Das vor drei Jahren (!) fertiggestellte Album wird nun endlich in Deutschland veröffentlicht, nachdem es im Ausland bereits seit einiger Zeit erhältlich ist. Es spiegelt die vielschichtige Musikkenntnis von Bornschlegel wider und schockiert mit zum Teil sehr heftigen Texten, die mit Sicherheit nur für hartgesottene Hörer gedacht sind, wobei einem ab und an der Zugang zum tieferen Sinn verwehrt bleibt. Alles in allem ist „Das Ewige Eis“ ein gut gemachtes Album für ein klar bestimmtes Publikum. Sicherlich kein Topseller, aber wer lediglich auf den musikalischen Teil achtet, wird nicht enttäuscht sein. Liebhaber dieses Genres können sich neben der gut gemachten Musik auch auf klar verständliche Texte einstellen, was in dieser Musikart nicht immer der Fall ist.

Anspieltipps:

  • Free
  • Das Tier
  • Respekt
  • Abschied
  • Woanders sein (Radio Edit)
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