Soul Asylum - After The Flood: Live From The Grand Forks Prom - Cover
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Soul Asylum After The Flood: Live From The Grand Forks Prom


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 67 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl sich Soul Asylum in ihrer über 20-jährigen Karriere in mühevoller Kleinarbeit von einer im Untergrund werkelnden Punkrockband zu einer international erfolgreichen Mainstream Rockband entwickelt haben, werden sie immer wieder als One-Hit-Wonder verschmäht. Sicher war der Übernachterfolg mit der Single „Runaway train“ im nachhinein betrachtet mehr Fluch als Segen. Trotzdem ist es völlig verkehrt, diese Band nur an diesem einen Song festzumachen.

Sänger Dave Pirner, Bassist Karl Mueller und Gitarrist Dan Murphy gründeten Soul Asylum im Jahr 1983, nachdem die Drei schon als Garagenband Loud Fast Rules die Nachbarschaft im heimischen Minneapolis in Aufruhr versetzten. Damals war Dave Pirner noch als Drummer aktiv. Mit der Gründung von Soul Asylum gab er diesen Posten an Grant Young ab, der inzwischen von Sterling Campbell abgelöst wurde. Die Band feierte ihren großen Durchbruch in Mitten der Grunge-Welle, die sie in die Netze des Majorlabels Columbia Records (Sony) spülte. Ihr Major-Debüt „Grave Dancers Union“ (1992) war ein Meisterwerk des radiotauglichen Mainstream Rock, das ein Millionenpublikum aktivierte, welches Soul Asylum zu einer härteren Ausgabe von R.E.M. hochstilisierte. In der Tat war die Mischung aus Pop, Rock und Indie-Punk der ideale Mittelpart zwischen Nirvana und R.E.M., die Anfang der 90er Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren waren.

Zwar konnten Soul Asylum den Erfolg von „Grave Dancers Union“ in der Folgezeit nicht mehr wiederholen, was der treuen Fangemeinde aus den 80er Jahren allerdings gar nicht so unrecht war. Die Band schrumpfte auf ein Normalmaß zurück und galt nicht mehr als ein gehyptes Massenprodukt. Vor zwei Jahren brachte Sänger Dave Pirner sein Solodebüt „Faces And Names“ auf den Markt, das von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb. Inzwischen arbeiten Soul Asylum an neuem Material für ein Studioalbum. Doch vorab beglückt die deutsche Plattenfirma drei Jahre (!!) nach der Veröffentlichung in den USA die Fangemeinde mit der ersten Live-CD in der Geschichte von Soul Asylum. „After The Flood: Live From The Grand Forks Prom“ ist ein Mitschnitt aus dem Jahr 1997, als Soul Asylum am 28. Juni ein Konzert als „High School Prom Band“ in Grand Forks, North Dakota gaben. Die Stadt wurde im Sommer 1997 von einer schlimmen Flutkatastrophe heimgesucht und stand komplett unter Wasser. Aus diesem Grund fand das Konzert in einem Hangar auf dem örtlichen Flugplatz statt. Der Hangar wurde während der Flutkatastrophe als „Flüchtlingscamp“ genutzt, um den Menschen einen Unterschlupf zu bieten, die während der großen Flut ihr Zuhause verloren hatten. An diesem besagten 28.06.1997 diente die Halle als Veranstaltungsort für zwei lokale High Schools, die ihre Abgänger mit einem traditionellen Ballabend in das Leben entließen.

Von diesem historischen Konzert zeugt der vorliegende, digital remasterte Mitschnitt, der eine Auswahl der besten Soul-Asylum-Songs und mit „School’s out“, „The tracks of my tears“, „I know“, „Sexual healing“, „I can see clearly now“, „To sir with love“ und „Rhinestone cowboy“ sieben Fremdkompositionen enthält. Die Band versteht es hervorragend, die eigenen Hits mit den verschiedenen Klassikern aus fremder Feder zu vermischen, wodurch die ausgelassene Stimmung des Publikums noch mehr angeheizt und auf den finalen Höhepunkt getrieben wird. Sänger Dave Pirner agiert mit seinem krächzenden Organ am Rande zum Stimmverlust, was Songs wie „Misery“ und „Just like anyone“ eine ganz besondere Note verleiht. Man kann nicht nur erahnen, dass Soul Asylum zu den besten Mainstream Rockbands in den Staaten zählen. Dabei hatten sie nach der Hochzeit des Grunge durchaus einen schweren Stand. Ihre Songs wurden von den Rockfans als zu lasch und von den Popfans als zu hart eingestuft. So kann man sich das Leben als Hörer schwer machen. Aber wer sonst keine Sorgen hat...

Die noch immer zahlreichen Soul-Asylum-Anhänger werden sich über „After The Flood: Live From The Grand Forks Prom“ sicher freuen. Selbst wer nur die Single „Runaway train“ kennt, erhält mit dieser CD einen besseren Einblick in das Schaffen, als dies mit der Hit-Kopplung „Black Gold: The Best Of Soul Asylum“ möglich war. Deshalb heißt es zuschlagen. Schließlich wird das Album zu einem echten Freundschaftspreis angeboten.

Anspieltipps:

  • Misery
  • School’s out
  • Just like anyone
  • Somebody to shove
  • I can see clearly now
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