Sinead O´Connor - I Do Not Want What I Haven´t Got (Deluxe Edition) - Cover
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Sinead O´Connor I Do Not Want What I Haven´t Got (Deluxe Edition)


  • Label: Chrysalis/EMI
  • Laufzeit: 97 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei Jahre nach ihrem Debütalbum „The Lion And The Cobra“ (1988) erschien Sinead O'Connors erfolgreichster Longplayer „I Do Not Want What I Haven´t Got“. Er verkaufte sich besser als Madonnas und Grönemeyers Alben im Jahre 1990 und war insgesamt die zweiterfolgreichste LP des Jahres in Deutschland. Über Nacht wurde sie mit der von Prince geschriebenen Ballade „Nothing compares to you“ bekannt.

Sinead O'Connor wurde 1966 in Dublin geboren. Als sie acht Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Gewalt in der Familie bestimmte den Alltag und machten aus ihr eine rebellische 16-Jährige, die aus ihrem Elternhaus floh. Nach ihrem musikalischen Durchbruch mit 24 Jahren bestimmten leider ihre Auftritte im Fernsehen die Schlagzeilen. Als Sinead ein Bild des Papstes im Fernsehen zerriss und sie sich öffentlich positiv über die irische Untergrundorganisation IRA äußerte, wurde ihre politische Gesinnung wichtiger als ihre Musik. Vor allem in Amerika wurde sie abgelehnt, und auch ihre durch den Glaubenskrieg geteilte Heimat Irland versagte ihr die Anerkennung. Dabei zeigen die zehn Stücke von „I Do Not Want What I Haven´t Got“, was für ein Talent Sinead O'Connor besitzt: Sie komponierte alle Songs, und ihre sehr persönlichen Texte berühren einfach. Sie nutzt oft nur Instrumente wie die Akustikgitarre, die sie selbst spielt. Ihr bestes Instrument ist aber ihre eindringliche Stimme, die beim letzten Lied acapella erklingt. Mitproduzent ist Nellee Hooper, der auch schon mit Soul II Soul, Madonna, No Doubt und U2 arbeitete.

Neben dem erwähnten Superhit von Prince, zeigt O'Connor vor allem bei den Stücken ihre Songwriterqualitäten, die langsam starten und gewaltig enden wie z.B. „The last day of our acquaintance”. Es passt musikalisch alles zusammen: Neben der schon erwähnten sparsamen Instrumentierung sind die restlichen Musikstücke wahre Perlen. Die Musikrichtung ist vergleichbar mit Suzanne Vegas Folkpop, aber Sinead O'Connor ist durch ihre Stimme und ihren eigenen dramatischen Stil einzigartig. Vor allem erstaunt der Abwechslungsreichtum insofern, dass neben Balladen wie „Black boys on mopeds“ oder „Feel so different“ auch rockige Töne z.B. in „Jump in the river“ zu finden sind. Einen sehr gesellschaftskritischer Text beinhaltet „Black boys on mopeds“, in dem der gewaltsame Tod eines Afrikaners durch die Polizei in England thematisiert wird. Musikalisch ist Sinead wirklich schwer einzuordnen: Das Stück „I am stretched on your grave“ vereint treibende Beats mit einem sehr traurigen Text.

19 Jahre später hat Sinead O 'Connor weitere sieben Studio-Alben veröffentlicht und einige neue Musikrichtungen wie Reggae ausprobiert und trotz persönlicher Rückschläge und einer künstlerischen Pause ist sie immer noch musikalisch aktiv. Diese digital remasterte Sonderedition enthält neben der Original-CD eine Bonus-CD mit Livetracks, Coverversionen und unveröffentlichten Songs, was dann insgesamt 10 zusätzliche Tracks bedeutet. Die ursprüngliche CD klingt heute auch noch genial und hat nichts von ihrem Glanz verloren. Die neuen Tracks bzw. Raritäten belegen wieder die Bandbreite: Waschechter Reggae bei „No nurse“, das Cole Porter-Cover „You do something to me“ klingt als ob Sineads Interpretation perfekt in die damalige Zeit passte und die zwei Liveaufnahmen von 1990 bestechen ebenso durch Intensität und stimmliche Präsenz. Wenn das Weihnachtslied „Silent Night“ aus den Boxen perlt, weiß man spätestens, dass diese Stimme einfach unverwechselbar klingt. Diese Bonus-CD passt qualitativ gut zu Sinead O'Connor, die zu unrecht nur mit dem Single-Hit „Nothing compares to you“ in Verbindung gebracht wird, denn sie besitzt ein viel größeres Talent: Sie berührt einfach mit ihrer Musik.

Anspieltipps:

  • Three babies
  • Last day of our acquaintance
  • Silent night

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