Adam Green - Gemstones - Cover
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Adam Green Gemstones


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 32 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Geschrieben und eingeprobt auf den letzten Tourneen, klingen die 15 neuen Songs deutlich anders.

Kurios: In Deutschland ist der Songwriter Adam Green eine richtig große Nummer. Seine Konzerte sind ausverkauft, die Platten laufen ungewöhnlich gut und das aussterbende Musikfernsehen reißt sich um den smarten 24-Jährigen aus New York. In seiner Heimat heißt es dagegen „Adam who???“. Wirklich viele Leute haben es drüben noch nicht bemerkt, dass Green die Band The Moldy Peaches verlassen hat und bereits seit 2002 auf Solopfaden wandelt. Sei’s drum. Dafür lieben die Deutschen seine bittersüßen Melodien, den rumpelten LoFi-Pop und rebellischen Anti-Folk.

Zwar blieb auch bei uns das Solodebüt „Adam Green“ (2002) weitgehend unbemerkt, doch schon ein Jahr später brach eine wahre Hysterie um den Vorzeige-Slacker aus. Das Album „Friends Of Mine“ (2003) wurde reihenweise zur Platte des Monats gekürt und Songs wie die freche Singleauskopplung „Jessica”, die ganz unverblümt das blonde Dummchen Jessica Simpson auf die Schippe nimmt, zu Independent Hits. Green wusste gar nicht wie ihm geschah und kann sich seine Beleibtheit in Europa und vor allem in Deutschland nicht erklären. Doch auch für ihn gibt es keine Schonzeit. Eine alte Regel besagt: Wenn es im Musikbusiness gut läuft, muss so schnell wie möglich ein neues Album her. Dieses legt nun mit „Gemstones“ vor.

Geschrieben und eingeprobt auf den letzten Tourneen, klingen die 15 neuen Songs deutlich anders. Die großen Streicher-Arrangements sind verschwunden. Adam Greens wie immer unglaublichen Texte - von krude bis schrullig, von witzig bis schweinisch – wurden diesmal in opulente Orgel- und Keyboard-Hüllen gesteckt und treiben das Verständnis vom LoFi-Pop damit in ungeahnte Höhen. Green lässt sich für seine Ideen aber nicht viel Zeit. Die 15 Stücke müssen mit gerade mal 32 Minuten Spielzeit auskommen. Da kann es schon mal passieren, dass ein einziger Song für mehrere Ideen herhalten muss und am Ende klingt wie eine Folkrock-Polka. So zu hören beim Opener und Titeltrack „Gemstones“.

„Down on the street“ rumpelt im leichten Galopp zwischen Akustikgitarre und Schlagzeug, Bass und Wurlitzer Orgel durch die Noten, während Green den Crooner gibt. Damit wird der Takt für das ganze Album vorgegeben, der da heißt: Hier geht alles! Was Green sich hier und da erlaubt, weckt bisweilen Erinnerungen an Frank Zappa („Over the sunrise“, „Choke on a cock“) und andere Größen des nicht stromlinienförmigen Rock. Ob seine Stimme dabei klingt wie Iggy Pop meets Dean Martin mit ordentlich Hall oder Vagina auf Carolina und Fab Moretti auf Dostojewski gereimt wird – who cares?! Grundsätzlich gilt: Das vorliegende Album klingt von vorne bis hinten cool!

Es war ein geschickter Schachzug, diese Platte im traditionell höhepunktarmen Januar zu veröffentlichen. Dadurch fehlte „Gemstones“ die Konkurrenz, wodurch es in sämtlichen Musikmagazinen unter den Top 3 des Monats landete. Überall waren die Besprechungen herausragend und die Erwartungshaltung der Fans nach dem streckenweise brillanten Vorgänger kaum zu überbieten. Kein Wunder, dass die limitierte Erstauflage mit Bonus-CD, die das extrem kurze Album um zehn Minuten verlängert, bereits nach wenigen Tagen vergriffen war. Dass „Gemstones“ dann doch nicht das erwartete Meisterwerk sondern „nur“ ein sehr gutes Album geworden ist, liegt nicht an Adam Green. Bei der aufgebauten Erwartungshaltung kann es durchaus passieren, dass der eine oder andere etwas enttäuscht ist. Aber wer der Platte etwas Zeit gibt, wird sich vielleicht auch in sie verlieben.

Anspieltipps:

  • Emily
  • Gemstones
  • He’s the brat
  • Choke on a cock
  • Crackhouse blues
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