Emma Bunton - Free Me - Cover
Große Ansicht

Emma Bunton Free Me


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Hoppla! Da hat sich wohl wer zurück in die Sixities katapultiert! Lächelte, grinste oder blickte Emma Bunton auf ihrem Solodebüt „A Girl Like Me“ noch fröhlich Zähne zeigend mit Holzfällerhemd, schweinchenrosa Top und Jeans bekleidet in die Kamera, so wollte sie sich mit dem zweiten Versuch, im Alleingang Karriere zu machen, möglichst weit davon distanzieren und präsentiert sich auf „Free Me“ gekonnt mit einem Stilwechsel. Dass das ehemalige „Baby Spice“ ihr neues Werk hierzulande beinahe zwei Jahre nach dem offiziellen Release in England veröffentlicht, liegt wohl an den bescheidenen Verkaufszahlen. Durch die Rückkehr des Rock´n´Roll, die vor allem die ominösen „The“-Bands zu verantwortlichen haben, soll das neue Image von Emma im Zuge dessen wohl bedeutend mehr Anklang finden und wird nun in restlichen Teilen Europas und Amerika veröffentlicht.

Nachdem die Ex-Kolleginnen Melanie Chisholm („Reason“, „Beautiful Intentions“), Melanie Brown („Hot“, „LA State Of Mind“) und Geri Halliwell („Passion“) mit ihren letzten Outputs international gesehen mächtig baden gingen, war das ein wohl überlegter Schachzug. Wesentlich mehr Umsätze wird Fräulein Bunton mit dieser Strategie dennoch nicht verzeichnen können, dafür ist „Free Me“ eine Spur zu vorhersehbar. Selbst wenn der Hörer mit lasziven, verführerischen Bildern, die mit Schriftzügen wie „How I long to seduce you“ und „Let the last thing that I breath be you“ garniert sind, eine optische Reizüberflutung erhält, so wird einem beim Anhören dieser Platte selten richtig warm ums Herz. Wie schon das Cover vermuten lässt, hat sich das blondeste der angesagtesten Girlgroup der 90-er den wilden Sechzigern nicht nur modisch, sondern auch musikalisch angenähert.

Gemeinsam mit Ex-Freund und Produzent Simon Fuller (damals Manager der Spice Girls) und einem waschechten Orchester wurde „Free Me“ eingespielt. Gleich zu Beginn wird im Titeltrack selbiges ausreichend beansprucht und der Eindruck wird erweckt man befindet sich in einem alten Hollywoodschinken. Ein paar Minuten später erklingt dann allerdings „Maybe“, das durch seine lockere und leichte Produktion feinste Popmusik und einen unwiderstehlichen „Mitsummfaktor“ bietet. „I´ll be there“ fällt durch den inflationären Gebrauch des Refrains auf und „Tomorrow“, „Breathing“ und „You are“ wird mit Bossanova unterlegt. Salsa mit einer ausgeprägten Rhythmussektion wird in „Crickets sing for Anamaria“ vernommen, bei dem Miss Bunton auf witzige Weise einen spanischen Akzent annimmt und an die Sugababes zu „One Touch“-Zeiten erinnert „Who the hell are you“. „No sign of life“ und „Amazing“ (im Duett mit Luis Fonsi) halten als Ballade aus der Konserve her, „Lay your love on me“ hinkt unbeeindruckend vor sich hin und die filmmusikähnliche Begleitung des Orchesters im letzten Track „Something so beautiful“ hinterlässt den Eindruck, dass sich Emma nicht scheut auch einmal etwas mutigere Untermalungen für die Texte zu gebrauchen.

Mit „Free Me” hat der Blondschopf kein gänzlich überzeugendes Album abgeliefert, dazu wirken einige der Songs zu konstruiert. Durch die gelungene Verwendung von Bossanova, Salsa oder einem Orchester, das durch gewohnte aber solide eingespielte Streicherteppiche überzeugt, ist allerdings eine nette Popplatte entstanden. Damit braucht sich Emma Bunton im Gegensatz zu ihren Ex-Kolleginnen nicht verstecken, die bestenfalls durch Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen, die mit Musik nichts zu tun haben. Gut, dass wenigstens das „Baby“ erwachsen geworden ist und angefangen hat Abstand vom „0815-Weichspüler“ zu nehmen!

Anspieltipps:

  • Maybe
  • Crickets Sing For Anamaria
  • Something So Beautiful
Neue Kritiken im Genre „Pop“
6/10

Beautiful Trauma
  • 2017    
6.5/10

Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged
  • 2017    
Diskutiere über „Emma Bunton“
comments powered by Disqus