Moby - Hotel - Cover
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Moby Hotel


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Um das neue Moby-Album „Hotel“ bestmöglich unter die Leute zu bringen, hat sich die Plattenfirma eine Menge Attribute für ihre Galionsfigur einfallen lassen: „Punkrock-Überlebender“, „Rave-Pionier“, „Plattenmillionär“, „Grammy-Kandidat“, „Polit-Agitator“, „Weltstar-Remixer“, „Superstar-DJ“ und so weiter und sofort. Um an den kleinen Mann aus New York wenigstens noch ein menschliches Haar zu lassen, beschreibt man ihn abschließend noch als Simpson-Fan. In der Tat hat der strikte Vegetarier in allen Bereichen nur selten auf der faulen Haut gelegen. So äußert sich die „Über Gott und die Welt Quasselstrippe" (noch so eine Wortschöpfung der Plattenfirma) immer öfters zu den Themen unserer Zeit. Dass das nicht immer auf helle Begeisterung stößt, scheint ihn jedenfalls nicht davon abzuhalten, mehr oder weniger gefragt seinen Senf dazuzugeben. Dieses hatte zum Beispiel eine öffentliche Auseinandersetzung mit Eminem zur Folge, da er diesen als frauen- und schwulenfeindlich bezeichnete.

Moby alias Richard Melville Hall gab 1995 sein Debüt mit „Everything Is Wrong“ im Musikgeschäft. Zeichnet sich dieses Album vor allem durch Chill-Out-und Trance-Tracks aus, schockierte er seine Fans bereits mit der nächsten Veröffentlichung „Animal Rights“, welches sich als waschechtes Rockalbum entpuppte. 1999 gelang ihm mit „Play“ unerwartet ein Riesenwurf, der sich bis heute über zehn Millionen Mal verkauft hat. Dass er dabei jeden einzelnen Song an die Werbeindustrie verkauft hat, muss jeder für sich moralisch beurteilen. Den hohen Erwartungsdruck konnte Moby abermals mit dem Nachfolger „18“ gerecht werden. Zwar unterscheiden sich beide Alben musikalisch nur wenig von einander, dennoch ging auch dieser Longplayer über vier Millionen Mal über die Ladentheke. Richtig ausgeruht scheint er sich seit dem aber nicht zu haben. Denn unter dem Pseudonym Voodoo Child erschien im vergangenen Jahr das Dance-Album „Baby Monkey“. Und nun lädt uns Moby in sein „Hotel“ ein, in dem der Meister wieder alle Instrumente (bis auf das Schlagzeug) selbst bediente.

Nach dem Check In ins „Gasthaus Moby“ mit einem zweiminütigen Instrumental-Intro, offenbart uns gleich der erste Song „Raining again“ den Unterschied zu seinen vorherigen Werken. Moby verzichtet fast vollkommen auf die typischen Soundsamples und singt seine Lieder nun selbst ein. Doch das war’s dann auch schon an Innovationen und bemerkenswerten Neuerungen. Mit „Dream about me“ und dem „New Order“-Coversong „Temptation“ - eingesungen von Laura Dawn - befinden sich wieder Moby-typische Balladen auf dem Silberling. Bei „Very“ wird dem Hörer mit pumpenden Disco-Beats ins Gedächtnis gehämmert, dass Moby mal zu den Vorreitern der Rave-Bewegung zählt und „Beautiful“ fällt durch einen einfallslosen Text und vollkommen belanglose Musik auf. Dass Herrn Hall hier kein großer poetischer Zug gelungen ist, zeigt sich allein an einer Textzeilen wie: „Come on baby / Come on girl / I love you baby / I love you now...“. Das ist mehr als nur schlechtes Songwriting. Tja, und die erste Single „Lift me up“ ist ein reiner Electro-Pop-Song, den man am besten als extrem tanzbar bezeichnen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Scheinbar selbstbewusst präsentiert Moby sein neuestes Werk, auf dem er zum größten Teil selbst als Sänger in Erscheinung tritt. Wusste er auf früheren Alben gesangliche Schwächen durch geschickte Stimmsamples und Gastmusiker auszugleichen, fällt diese Option auf „Hotel“ fast völlig flach. Was früher sympathisch schüchtern klang, kommt hier so gar nicht rüber. Deshalb sind die besseren Momente von „Hotel“ auch die, in denen der Künstler nicht selber zum Mikrofon greift. Das ist schade, denn wer bei „Hotel“ auf die gleiche Lässigkeit wie bei „Play“ und „18“ hoffte, wird schwer enttäuscht werden, denn das angepriesene 4 Sterne Hotel entpuppt sich im nachhinein als heruntergekommene Tanzbar, in der lediglich mit dem Hintern gewackelt wird.

Anspieltipps:

  • Temptation
  • Lift Me Up
  • Dream About me
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