Lit - Lit - Cover
Große Ansicht

Lit Lit


  • Label: DRT Entertainment/SONY
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Lit zählen zu der Sorte von Rockbands, über die man zumindest außerhalb der USA gerne und häufig ablästert. Anscheinend nur mit mittlerem Talent gesegnet, konnte die Gruppe aus Orange County, Kalifornien mit einem Majordeal im Rücken (und Pamela Anderson als Gaststar im Videoclip zu Single „Miserable“) mit ihrem massentauglichen Punkrock-Verschnitt trotzdem einige Charterfolge feiern. Das zieht natürlich Neid und Missgunst auf sich. Doch als Lit urplötzlich von der Plattenfirma fallen gelassen wurden, herrschte fast drei Jahre Schweigen um die Herren A.Jay Popoff (Vocals), Jeremy Popoff (Gitarre), Kevin Baldes (Bass) und Allen Schwarzberger (Drums). Doch jetzt meldet sich das Quartett mit Studioalbum Nummer 4 zurück.

Wie viele andere ehemals erfolgreiche Rockbands (Fu Manchu, Seven Mary Three, Gwar), wurden auch Lit von DRT Entertainment – dem Auffanglager gedroppter Bands – unter Vertrag genommen, nachdem die Kalifornier von ihrem Ex-Arbeitgeber RCA Records auf die Strasse gesetzt wurden. Dabei sah anfangs alles so gut aus. Das Independent-Debüt „Tripping The Light Fantastic“ (1997) ebnete der Band den Weg zum begehrten Majordeal mit RCA/BMG, die mit „A Place In The Sun“ (1999) und „Atomic“ (2001) zwei Mainstream-taugliche Rockalben zur Vermarktung bekamen. Doch aus irgendwelchen Gründen erlahmte das Interesse von RCA an der Band, sodass „Atomic“ fast ohne Promotion und ohne Singlehit in der Versenkung verschwand. RCA trennte sich von der Band, die sich ins heimische Anaheim zurückzog, um dort in ungezwungener Atmosphäre an neuen Songs zu arbeiten. Ohne Unterstützung eines Produzenten entstanden so 13 neue Tracks, die im Sommer 2004 ganz schlicht ohne Titel in den USA veröffentlicht wurden. Ein selbstbetiteltes Album im 14. Jahr des Bestehens? Ein klares Zeichen für einen Neuanfang, den es jetzt auch in Europa zu bestaunen gibt.

Das eingängige „Too fast for a u-turn“ eröffnet das Werk und gibt zugleich die Marschroute für die nächste Dreiviertelstunde vor, in der Lit sorgenfreie Spaß-Nummern im Stil der frühen Sum 41, Blink-182, Good Charlotte und Green Day zelebrieren. Soviel gute Laune passt zwar überhaupt nicht in den kalten europäischen Winter und wird wieder eine Unmenge mies gelaunter Kritiker auf den Plan rufen, aber ganz so übel ist das nicht, was Lit hier abliefern. Diese Art von Musik hat in den USA nämlich schon immer problemlos funktioniert und wird es auch weiterhin tun. Na gut, die Refrains der Kalifornier sind vielleicht nicht so toll wie die der Konkurrenz und ab und zu klingt es auch arg bemüht („Throwaway“), was Lit vom Stapel lassen. Grundsätzlich verurteilen muss man die Band aber nicht. Vielmehr sollte man sich im Vorfeld entscheiden, ob man sich dieser Überdosis extrem guter Laune, die sich in relativ simplen Kompositionen („Hard to find“) und überwiegend anspruchslosen Texten äußert, hingeben möchte. Denn fast scheint es so, als hätten Lit den bei den Kollegen von Sum 41, Green Day und Blink-182 amputierten Popappeal zusätzlich aufgesogen und in Songs wie dem Beach-Boys-Punk „Forever begins right now“, der feinen The Cure Coverversion „Pictures of you“ oder „Alright” verarbeitet.

Nur selten widmet sich die Band ernsteren Themen, wie in „Bulletproof“, einem Song über einen Freund der Band, der Selbstmord beging oder „Lullaby“, das A.Jay Popoff für seinen kleinen Sohn geschrieben hat. Deshalb gilt: Wer Probleme mit den frühen Alben oben genannter Bands hat, sollte lieber die Finger vom vierten Lit-Album lassen. Denn hier geht es nicht um raue Sounds und politische Statements, sondern um eingängige Punkrocksongs mit amtlicher Dicke-Hose-Produktion, die mehr als ein bisschen auf die Charts schielen – auch wenn die Band dies vehement bestreitet. Viel mehr Pop im Punkrockgewand, als auf dieser CD geht nämlich kaum.

Anspieltipps:

  • Lullaby
  • Bulletproof
  • Pictures of you
  • Needle & thread
  • Too fast for a u-turn
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Lit“
comments powered by Disqus