Gwar - War Party - Cover
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Gwar War Party


  • Label: DRT Entertainment/SONY
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Satire!!! Ohne diesen (nicht immer erkennbaren) Hinweis, wäre die US-Splatter-Metal-Band GWAR schon längst als terroristische Vereinigung verboten worden. Und das nicht erst seit George W. Bush. Denn was die Ende der 80er Jahre von diversen Studenten, Musikern und Tänzern aus Richmond, Virginia gegründete Gruppe auf ihren Alben und vor allem bei ihren Live-Shows praktiziert, degradiert sämtliche Black- und Death-Metal-Bands zu liebevollen Klamaukkapellen. Von Weicheiern wie Alice Cooper und Marilyn Manson ganz zu schweigen.

Was als eine Art Experiment begann, steigerte sich mit eindeutig zweideutigen Albumtiteln wie „America Must Be Destroyed” (1991), „This Toilet Earth” (1994), „We Kill Everything” (1999) und „Violence Has Arrived” (2001) zu einer der abgefahrensten Attraktionen im Metal-Sektor. Allerdings muss man schon ziemlich hartgesotten sein, um dem wilden Treiben von GWAR, was soviel heißt wie „God What An Awful Racket”, gewachsen zu sein. Die Musiker treten in eigenartigen Kostümen auf, suhlen sich auf der Bühne in Blut, Kotze, Sperma und Exkrementen, von denen das Publikum jede Menge abbekommt, zelebrieren Folterorgien mit Mensch und Tier, stellen Hexenverbrennungen und gefakte Opferleistungen für ebenso gefakte Gottheiten nach. Als Künstlernamen haben sich GWAR Namen einfallen lassen, die jeglicher Beschreibung spotten. Als da wären: Oderus Urungus (David Brockie, Vocals), Balsac, The Jaws Of Death (Steve Douglas, Gitarre), Flattus Maximus (Peter Lee, Gitarre), Beefcake The Mighty (Michael Bishop, Bass), und Jizmak The Gusha (Brad Roberts, Drums).

Nach fast 15 Jahren beim Metal Blade Label, erscheint das neue GWAR-Album „War Party“ nun bei DRT Entertainment. Zeit für einen Neuanfang – oder Fortsetzung des vertonten Wahnsinns? Ganz klar: Letzteres! Auch Studioalbum Nummer 9 bollert ohne Nachlass wie die Axt durchs Unterholz und liefert der Metal-Fangemeinde eine Breitseite derbsten Thrash Metals, der sich klanglich und spieltechnisch vor niemanden zu verstecken braucht. Denn lässt man diesen ganzen Comic- und Kunstblutquatsch außen vor, erweisen sich GWAR als handwerklich gute Metal-Band, die mit ihren elf neuen Tracks überaus passables Songmaterial vorweisen kann.

Was auf frühen Alben gerne in undifferenzierte Metal-Massaker ausartete, klingt anno 2004 wohl strukturiert, druckvoll und auf der Höhe der Zeit. Will heißen: Die Gitarren tönen ein paar Noten tiefer – ohne in Nu-Metal-Gefilde abzudriften, die Vocals sind düster und aggressiv – ohne in Black-Metal-Gegrunze zu verfallen und die Texte balancieren bewusst auf der Schwelle zwischen Sozialkritik („You can't kill terror“) und Comic-Metal („Bonesnapper (The faces of the slain)”) – ohne allzu plakativ Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Deshalb ist „War Party“ ein tadelloses Metal-Album ohne große Pendelausschläge. Es gibt weder echte Ausfälle zu kritisieren, noch absolute Über-Songs herauszustellen. Und ist Solidität nicht auch eine Auszeichnung in diesen Tagen?

Anspieltipps:

  • Lost god
  • War party
  • Decay of Granduer
  • Bring back the bomb
  • Bonesnapper (The faces of the slain)
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