Mötley Crüe - Red, White And Crüe - Cover
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Mötley Crüe Red, White And Crüe


  • Label: Hip-O Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 151 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Bekommen kann man es schon seit längerer Zeit, das neue Doppel-„Best Of“-Album der wie sie selbst sagt „verrufensten Rockband der Welt“. Seit Mitte Januar ist „Red, White & Crüe“ auf dem Importweg (USA, Kanada) als wunderschönes Digipack oder im deutschen Fachhandel als schmucklos aufgemachtes Irgendwas erhältlich, das klammheimlich in die Regale gestellt wurde. Richtig beworben wird das Album erst Ende Mai, nämlich dann, wenn Mötley Crüe Zeit für Pressetermine in Germany haben. Dann führt die Band auch ihre „Better Live Than Dead“-Tour nach Europa. Aber warum das Ganze?

Die Jungs brauchen bei ihrem Lebensstil schlicht und ergreifend frisches Geld, da all ihre Soloprojekte weit hinter den Erwartungen zurückblieben, um nicht zu sagen, dass sie gnadenlos floppten. Da vergisst man dann einfach für gewisse Zeit, dass sich die Herren Nikki Sixx (Bass), Tommy Lee (Drums), Mick Mars (Gitarre) und Vince Neil (Vocals) eigentlich seit Jahren nur noch hassen. So trommelte man die Presse am Nikolaustag des letzten Jahres im Hollywood Palladium zusammen, um nach sechs Jahren Pause die Reunion in Urbesetzung zu verkünden.

Zwar waren die vier Musiker nicht in der Lage vorher ein neues Album einzuspielen, doch für drei neue Stücke hat es dann doch gereicht. Da wäre zum einen „If I die tomorrow“, eine übrig gebliebene Nummer der Fun-Punkrocker Simple Plan, an der Nikki Sixx lediglich ein paar Sachen änderte, bevor die MC-Originalbesetzung die hart rockende Halbballade unter Aufsicht von Bob Rock (Metallica, The Cult, Bon Jovi, Skid Row) in den Cello Studios in Los Angeles einholzte. „Sick love song” ist ein simpler, aber sehr grooviger Metal-Kracher und „Street fighting man” ein Rolling Stones Cover, das für die vier Kalifornier allerdings eine Nummer zu groß ist. Ihre Version klingt wie übelster Schweinerock, den diese herausragende Nummer nicht verdient hat.

Tja, aber ob man dieses Werk (mit immerhin 37 Songs) deshalb unbedingt kaufen muss? Eher nicht. Schließlich ist dies bereits die x-te Compilation aus dem Haus Mötley Crüe, nach „Decade Of Decadence (1981-1991)“, „Greatest Hits“ (1998), der Outtakes-Sammlung „Supersonic And Demonic Relics” (1999), den Live-Alben „Entertainment Or Death” (1999) und „Loud As F**k” (2003), sowie dem Box-Set „Music To Crash Your Car In” (2003). Ein paar Remixe und alternative Versionen reißen die Kohlen dabei auch nicht aus dem Feuer. Stellt sich also die Frage: Was soll das?! Denn so gibt es lediglich ein Wiederhören mit altbekanntem 80er Jahre Sleazerock („Girls, girls, girls“) und 90er Jahre Hairspray- und Poser-Metal („Generation swine“). Besonders ärgerlich in diesem Zusammenhang, dass die ersten Stücke des Albums („Live wire“, „Piece of your action“, „Toast of the town“ und das bisher unveröffentlichte „Black widow“ aus dem Jahr 1982) – zum Teil fast 25 Jahre alt – dumpf und verstaubt klingen. Wäre ein vernünftiges Remastering etwa zuviel des Guten gewesen, meine Herren?

„Red, White & Crüe“ ist ein zwiespältiges Vergnügen, das nur darauf ausgelegt ist Kohle zu scheffeln. Wer mag, darf also spenden. Außerdem zeigt es, dass Mötley Crüe eher der 2. Liga des Rock angehören. Doch sei’s drum. Wenn die Welttournee mit Ticketpreisen um 55 Dollar ein Erfolg wird, ist ja wieder alles gut. Ansonsten dreht einfach ein Privatvideo, gelle Tommy? Deine Vorstellung war nämlich weit besser als die von Bret Michaels (Poison) und Fred Durst (Limp Bizkit)!

Anspieltipps:

  • Helter skelter
  • Girls, girls, girls
  • Shout at the devil
  • All in the name of…
  • Kickstart my heart
  • Smoking in the boys room
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