50 Cent - The Massacre - Cover
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50 Cent The Massacre


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 79 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Hinter dem Pseudonym „50 Cent“ verbirgt sich der 28-jährige Curtis Jackson aus South Jamaica/Queens/New York.

Man kann zu Rapstars wie Snoop Dogg, Ja-Rule, Xzibit, Eminem, Jay-Z oder 50 Cent stehen wie man will, eines muss man neidlos anerkennen: Keine andere Musikart ist bei den Kids schon seit Jahren so angesagt wie Rap und HipHop. Denn wo Rock- und Popstars über stagnierende bzw. rückläufige Verkaufszahlen stöhnen, machen die Pseudo-Gangster von East- und Westcoast weiterhin große Kasse und lassen den dicken Maxe raushängen. Doch was ist für die Kids so spannend an einer scheinbar immer gleich klingenden Musik mit Texten zwischen Sexismus, Gewaltverherrlichung und gegenseitigen Anfeindungen unter Kollegen?

Nun ja, vermutlich eben dies – und die dazugehörige „Street Credibility“ der sogenannten Künstler, die das Gesamtpaket aus fetten Beats, derben Lyrics und Luxus-Prahlereien so authentisch macht. Denn wer ein respektierter Rapper sein will, der muss schon so einiges mitbringen. Der muss wissen wovon er da rappt, der muss zur Szene gehören und in der Lage sein, selber Hand anzulegen. Und so verwischen die Grenzen zwischen schockierender Realität und dumpfer Publicity ein ums andere Mal. Oder wie ist es zu deuten, wenn im Vorfeld der Veröffentlichung von 50 Cents zweiten Major-Album „The Massacre“ mal wieder jemand aus dem direkten Umfeld eines Rapstars (in diesem Fall ein Homie aus 50’s Entourage) auf offener Strasse angeschossen wird? Willkommene Werbung oder verabscheuenswerte Straßengangmethoden von verfeindeten Rappern und ihren Anhängern?

Hinter dem Pseudonym „50 Cent“ verbirgt sich der 28-jährige Curtis Jackson aus South Jamaica/Queens/New York. Bevor er als Rapper Karriere machte, war er Drogendealer. Er überlebte im Mai 2000 einen Mordanschlag, bei dem er neun (!) Schusswunden davontrug. Seinen Durchbruch verdankt 50 Cent den Kollegen Eminem und Dr. Dre, die ihn nach dem misslungenen Debüt „Power Of A Dollar“ für Columbia Records – das nie offiziell veröffentlicht wurde – auf ihr Label Shady Records/Aftermath nahmen. Gemeinsam stellte man das Album „Get Rich Or Die Tryin‘“ auf die Beine, das sich bis dato mehr als 10 Millionen Mal verkaufte. Doch jetzt will der Shootingstar die nächste Erfolgsstufe erklimmen „Die Leute um mich herum werden aufpassen müssen,“ lacht der Mann aus Queens. „Mit diesem Album driftete ich immer weiter in meine eigene Vergangenheit, in die Zeit, als ich auf der Straße lebte. Und das steckt auch im Titel: Ich will, dass mir verdammt noch mal alle Rapper aus dem Weg gehen.“

„The Massacre” kommt – wie heutzutage üblich – auch als „Deluxe Edition” auf den Markt. Diese ist mit einer Bonus-DVD ausgestattet, auf der sich ein Konzertmitschnitt aus Glasgow befindet. Der Aufdruck „freigegeben ohne Altersbeschränkung“ lässt allerdings keine großen Überraschungen des Gangsta-Rappers vermuten. Befassen wir uns deshalb lieber mit dem Album, das 22 Tracks auf gut 80 Minuten auswalzt. Mit von der Partie sind diesmal die „G Unit“-Lady Olivia, die auf der ersten Sinlgeauskopplung in ihrem „Candy shop“ naschen lässt und der unvermeidliche Eminem, der mit 50 „Gatman and Robbin“ gibt und dazu seinen unvergleichlichen Bass-Beat auffährt. Auf dem Produzentensessel zudem BuckWild, Jonathan „JR“ Rotem, Eminem, Dr. Dre, Disco D, Hi-Tek und Needlz platz. Noch zu erwähnen ist, dass das Booklet zu den peinlichsten Druckerzeugnissen der jüngeren Musikgeschichte zählt. Im Vergleich zum aktuellen Snoop-Dogg-Album, das mit einem vergleichbaren Heftchen glänzt, gibt sich 50 Cent als völlig humorloser Waffennarr, Zuhälter und Drogendealer zu erkennen. Wo Snoop Dogg eine Priese Ironie einstreut und das Pimp-Gehabe auf die Schippe nimmt, posiert 50 Cent hart an der Grenze zur Legalität – immer mit der dicksten Knarre im Anschlag. Das ist Jugendgefährdung galore!

Rein musikalisch ist Curtis Jackson zweiter Major-Streich über jeden Zweifel erhaben. Die Lyrics fließen nur so aus 50 heraus und untermauern seinen Status als DER Storyteller des Rap. Die Bässe pumpen hart und tief, Gunshots knallen wild durch die Gegend und die Samples perlen federleicht. Damit definiert 50 die Hardcore-Rap-Parameter nicht unbedingt neu, setzt aber eine beeindruckende Qualitätsmarke. So überrascht das herausragende „Outta control“ als „HipHop/Rap goes Marschmusik“-Track, während 50 in „Talkin‘ ’bout me“ gleich fünf verschiedene Charaktere mimt, während niemand anders als Dr. Dre mal wieder für den Beat sorgt. „I’m supposed to die tonight“ ist ein ultra-fetter Gangsta-Rap, während das ominöse „Gunz come out“ einfach nur bedrohlich wirkt. „Baltimore love thing“ beschreibt mit der Metaphorik einer Soul-Ballade die Beziehung, die ein Drogenabhängiger zu seinem Stoff haben kann.

Im Vergleich zum Vorgänger legt 50 Cent eine deutliche Steigerung aufs Parkett. Seine Street-Life-Balladen sind extrem authentisch und genial in Szene gesetzt, sodass Vergleiche mit dem seligen ICE (mother fuckin’) T nicht von der Hand zu weisen sind. Oder, um es mit den Worten des Meisters zu sagen: „Ich habe alles abgedeckt, was mir auf dem Vorgänger entgangen war. Schließlich bin ich eher der Typ, der sich auf der Straße durchschlägt. Und darum rede ich jetzt auch über die Dinge, die alle in der Hood erlebt haben. Viele Rapper machen es sich viel zu leicht. Die schreiben immer nur davon, wie sie Drogen vertickt haben, und tun so, als ob es keinen Einfluss auf ihre Persönlichkeit gehabt hätte. Sie verpassen es, über die Auswirkungen des Street-Life zu schreiben. Doch genau da wird es erst spannend“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Anspieltipps:

  • In my hood
  • Candy shops
  • Outta control
  • A Baltimore love thing
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