Apocalyptica - Apocalyptica - Cover
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Apocalyptica Apocalyptica


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gehört schon eine gehörige Portion Verrücktheit dazu, Heavy-Metal- und Hardrock-Klassiker auf dem Cello nachzuspielen. Man kann sich das entsetzte Geschrei des gemeinen Metal-Fans richtig gut vorstellen: „Geht nicht, klingt nicht, will ich nicht!“. In Finnland sehen das offenbar einige anders – und das ist auch gut so! Denn Mitte der 90er Jahre taten sich vier Absolventen der angesehenen Sibelius Akademie in Helsinki zu der Band Apocalyptica zusammen und spielten ganz frech ihre liebsten Metallica-Songs auf dem Cello nach.

Das Ergebnis lautete auf den Namen „Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos“ und erschien 1996. Gut neun Jahre später ist Apocalyptica als innovative Klassik/Metal-Band etabliert und mit mehr als 800.000 verkauften Einheiten ihres Debüts auch in Metalkreisen hoch angesehen. Von den nachfolgenden Werken „Inquisition Symphony“ (1998), „Cult“ (2000) und „Reflections“ (2003) wurden zwar nicht mehr so viele Einheiten verkauft, aber mit durchschnittlich 400.000 verkauften CDs ist die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Band ein echter Topseller in Europa.

Jetzt legen Eicca Toppinen, Paavp Lotjonen und Perttu Kivilaakso ihren fünften Longplayer vor, der schlicht „Apocalyptica“ betitelt ist. Gewöhnlich das Zeichen für einen radikalen Neuanfang. Doch nicht so bei den drei Finnen. Apocalyptica haben bereits früh damit begonnen, ihren Sound zu renovieren und weiter zu entwickeln. Die Coverversionen wurden immer weniger, es kamen Gastmusiker und Sänger (z.B. Sandra Nasic von den Guano Apes und Linda Sundblad von Lambretta) dazu, bis die Fusion zwischen Hardrock und klassischer Musik immer stimmiger wurde. Das führte dazu, dass auf dem neuen Album ausschließlich Eigenkompositionen zu finden sind und der Purismus der Anfangstage gänzlich verschwunden ist. E-Gitarren, Schlagzeug und wechselnde Gast-Sängerinnen und Sänger legen jetzt einen perfekt klingenden HiFi-Mantel um die Cello-Arrangements. Diesmal wurden mit Ville Valo (HIM) und Lauri Ylönen (The Rasmus) zwei Landsmänner verpflichtet, die gemeinsam die erste Singleauskopplung „Bittersweet“ zu Hitparadenehren führen sollen. Und tatsächlich stürmten die Finnen mit dem Track die Single Charts und bereiteten dem größtenteils rein instrumental gehaltenem Album eine höchst erfolgsversprechende Ausgangslage.

Für „Apocalyptica“ entstanden unter der Regie von Antti Jokinen (Korn, Destiny’s Child) elf Songs im heimischen Helsinki, die von den tiefdunklen Wäldern, der unglaublichen Weite und Größe Lapplands inspiriert wurden. Entsprechend wuchtig und düster kommt die Produktion daher. Der Opener „Life burns!“ ballert in bester Heavy-Metal-Manier aus den Boxen. Streicher muss der Hörer mit der Lupe suchen. Dafür ist „The Rasmus“-Sänger Lauri Ylönen mit einer kraftvollen Vocal-Leistung am Start. In „Quutamo“ rücken die Streicher für die finnische Variante einer „Bittersweet symphony“ in den Vordergrund, doch in „Distraction“ dürfen sich Cello und E-Gitarre die Arbeit schon wieder teilen. So geht es die nächsten 50 Minuten hin und her. Nervös, dramatische Cello-Einlagen wechseln sich mit donnernden Drums (u.a. von Slayer-Schlagzeug-Gott Dave Lombardo eingespielt!) und harten Metal-Gitarren ab.

Das Ergebnis klingt durch und durch überzeugend und zu keiner Zeit nervig oder langweilig. Die Finnen haben die ideale Mischung aus Klassik und Rockmusik gefunden und deshalb ist auch Album Nummer 5 wieder eine lohnenswerte Anschaffung.

Anspieltipps:

  • Betrayal/Forgiveness
  • Life burns!
  • Bittersweet
  • Farewell
  • Fisheye
  • Ruska
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