Lukas Hilbert - Der König Bin Ich - Cover
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Lukas Hilbert Der König Bin Ich


  • Label: 313music/WARNER BROS.
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Lukas Hilbert und der Verfasser der folgenden Zeilen haben bereits einen langen Weg hinter sich. Entdeckt und fasziniert durch eine mittlerweile zurecht abgesetzte VIVA-Sendung hat Hilbert ihn (in Zusammenarbeit mit der Band Echt) in seinen jungen Teenagerjahren für deutschsprachige Texte sensibilisiert. Damals hieß der Interpret nicht Lukas Hilbert, sondern Roh und beinhaltete neben Hilbert (Bass) auch noch Meik Dobbratz (Drums) und Carsten Pape (Gitarre), der heute mit Lotto King Karl durch die Stadien und den Provinzdiskos zieht.

Das erste Album war Punkrock („Wie krieg ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung rum“) und hatte das berüchtigte Lied „Ich möchte nicht mehr mit der Kelly Family verwechselt werden“. Beim zweiten Album wurden Bravo-Leserbriefe vertont („Was viele nicht zu singen wagten“). Für das dritte Album wurde dann ein Vertrag bei dem Majorlabel BMG erreicht. „Rohmantisch“ hatte einige Ohrwürmer u.a. besagte Coverversion und das unglaublich schöne „Du brennst immer noch in mir“. Nachdem die Band am Druck der Plattenfirma zerbrach, hielt sich Hilbert als Songwriter über Wasser. Blümchen, Catterfeld, Peter Maffay, Nena und dem musikalischem Ziehvater Udo Lindenberg wurden vor, während und nach der Roh-Phase Lieder auf dem Leib geschrieben. Sogar Oli P versuchte er zu helfen und schrieb auf ähnlichem Niveau Charthits für Big-Brother- und Dschungelbewohner. Als unsympathischer Castingshow-Sadist wurde er dann schließlich der Öffentlichkeit bekannt und durfte endlich sein erstes Soloalbum (die Versuche vor Roh zählen nicht!) aufnehmen.

Bereits auf der Vorab-Single „Was ich an dir mag“ zeigt Hilbert, dass sich sein Songwriting nicht sonderlich verändert hat. Das Abrutschen in den Kitschbereich war schon zu Roh-Zeiten ein Gefahrenbereich, nur wurde das meist noch verhindert. Nun ist Hilbert aber nicht mehr zu halten. Trotzdem verbirgt der Text einige gute Stellen und zeigt, dass zumindest sein Songwriting ziemlich makellos ist. Das ändert sich allerdings schon auf dem titelgebenden Titeltrack. Ohne Skrupel reimt Hilbert ‚Anarchie’ auf ‚Monarchie’ und zeigt warum er so eine Arroganz ausstrahlt. Doch schon bei „Liebe ist wie Hass“ bessert es sich, abgesehen von den aufgesetzten Mitsing-Refrain. Dennoch bringt Lukas auch hier schöne Textstellen: „Ich will nie mehr schlafen, für niemand mehr lachen, auf meinem Herz liegt ein böser Fluch. Will nur noch verletzen, jede verlassen, weil jede so weh tut wie du.“ Die Ballade „Kommt meine Liebe nicht bei dir an“ wird gleich in zwei Varianten geliefert: Einmal in der ursprünglichen Version und dann noch als Duett mit seiner Freundin Trina. Das Duett bildet den künstlerischen Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss des Albums. Der Text gehört zu den besten Texten, die Hilbert je geschrieben hat, die Musik passt harmonisch und dynamisch und die Duettpartnerin ergänzt sich nahtlos mit dem Schnörkel-Gesang von Lukas Hilbert. Ein heimliches und peinliches Lieblingslied.

Dagegen sind „Stell dir vor“, „100 Frauen“ und „Herzlos“ ebenso unnötig wie schon „Der König bin ich“. „Herzlos“ hat sogar noch einen Nena- oder Lindenberg-Refrain, die man gerne mitsingen würde, wenn man ihn melodiös nicht so scheiße finden würde. Die Balladen „Die Mitte“, „Ich seh dich überall“ und „Die andere Seite der Stadt“ sind ebenfalls einfallslos, sowohl lyrisch als musikalisch, und somit ebenfalls überflüssig. Aber die größte Peinlichkeit ist „Weihnachten wäre geiler, wär der Weihnachtsmann ne Frau“. Mit der lyrischen Genialität eines Big-Brother-Stars zeigt sich Hilbert von seiner ekeligsten Seite mit Worten wie „kalt wie Sau“ oder „voll darauf vertraut“, so dass der jahrelange Lukas-Hilbert-Fan am liebsten in den nächsten Mülleimer kotzen möchte.

Vielleicht hätte Hilbert sich etwas mehr Zeit für sein Album lassen sollen. Es wirkt wie ein „Best Of“ der letzten Jahre, einige gute Sachen, sehr viel Schrott, umstrickt von kitschigen Texten. Er hat es aber nicht und so wirkt sein Album „Der König bin ich“ wie ein Versuch sich mit allen Mitteln sich unter Wert zu verkaufen.

Anspieltipps:

  • Was ich an dir mag
  • Liebe ist wie Hass
  • Kommt meine Liebe nicht bei dir an
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